ST. MARGRETHEN: Längst mehr als ein Buchverleih

In dieser Bibliothek gibt es zwar Romane, Zeitschriften und DVDs wie in jeder anderen. Doch St. Margrethens Bücherei hat sich inzwischen zu einem Ort der Integration entwickelt. Das schätzt auch St. Gallens Kulturminister, der zum Zwanzigjährigen angereist ist.

Seraina Hess
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Regierungsrat Martin Klöti sprach in der Bibliothek – und war voll des Lobes für das St. Margrether Team. (Bild: Seraina Hess)

Regierungsrat Martin Klöti sprach in der Bibliothek – und war voll des Lobes für das St. Margrether Team. (Bild: Seraina Hess)

Seraina Hess

So weit hatten die Mitglieder des Bibliotheksvereins zu Beginn der Geschichte nicht gedacht. Nicht daran, dass ihre Bibliothek einst den ersten St. Galler Bibliothekspreis (2016) gewinnen könnte, und nicht daran, dass zum Zwanzigjährigen lokale und kantonale Prominenz in den Räumen des ehemaligen 1.-Klassen-Buffets am Bahnhof stehen und die Verdienste der Gründer und des heutigen Teams loben würde.

Ausleihzahlen sind stets gestiegen

Am Rande der Eröffnungsfeier zum 20-jährigen Bestehen erinnert sich Gabriela Brack an das Jahr 1995. Ursprünglich aus Zürich stammend, erschien ihr der Mangel einer Bücherei im Ort als einschneidend – und es ging nicht nur der Städterin so. Auf einem Ausflug des Turnvereins entstand deshalb die Idee zur Vereinsgründung, die schliesslich von weiteren Personen unterstütz wurde.

Nach zwei Jahren der Planung, der Absegnung durch den Gemeinderat und der grösstenteils selbst durchgeführten Renovation der heutigen Räume wurde die Bibliothek 1997 eröffnet. Mit bescheidenem Sortiment, das sich teilweise aus geliehenen Büchern zusammensetzte. Inzwischen haben sich nicht nur der Medienbestand oder die Ausleihzahlen von Jahr zu Jahr verbessert (2016 um zwei Prozent auf 28184) – auch was die digitale Ausleihe angeht, war St. Margrethen bei den Ersten mit dabei.

Fortschritt zeigt sich aber nicht nur in Bezug auf das Kerngeschäft der Bibliothek. Das hielten sowohl Gemeindepräsident Reto Friedauer als auch die Präsidentin der Rheintaler Kulturstiftung, Christa Köppel, fest. Und auch der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti, Vorsteher des Departements des Innern, der zum runden Geburtstag nach St. Margrethen gereist ist.

Wie Klöti sagte, sei der Standort der Bibliothek – der Bahnhof – ganz und gar passend: Einerseits breche man mit dem Lesen eines Buches sprichwörtlich zu einer Reise auf. Andererseits erfülle die Bibliothek an einem Ort wie diesem, der oft auch weniger gern gesehenes Publikum anziehe, eine gesellschaftlich wichtige Funktion. «Es wird verhindert, dass der Bahnhof zum Unort verkommt», sagte der Regierungsrat und lobte den Standortentscheid als «Statement der Gemeinde».

Sich zum gesellschaftlichen Treffpunkt entwickelt zu haben, darf sich die St. Margrether Bibliothek definitiv auf die Fahne schreiben: Hier finden die sprachliche Frühförderung, die Begrüssungsgespräche für Zugezogene oder die offene Sprechstunde der Gemeinde statt. Hier tagt der internationale Frauentreff und zieht bald auch die Quartierschule ein – ebenso die Väter- und Mütterberatung.

Auch heute Samstag, 26. August, feiert die Bibliothek St. Margrethen am Bahnhof ihr Zwanzigjähriges mit allen Interessierten. Beginn ist um 10 Uhr.

Hinweis

Weitere Fotos der Veranstaltung gibt es auf rheintaler.ch unter Bilderstrecken.