ST. MARGRETHEN: Eine Nachfolge erfordert viel Zeit

Übernahmen und Fusionen von Unternehmen sind heute alltäglich. Herausforderungen stellen sich neben der rechtlichen und geschäftlichen Umsetzung im internen Geschäftsgeschehen.

Carmen Kaufmann
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Podiumsdiskussion mit Daniel Steiger, Klaus Brammertz, Markus Schwingel und René Wuffli (von links). (Bild: Carmen Kaufmann)

Podiumsdiskussion mit Daniel Steiger, Klaus Brammertz, Markus Schwingel und René Wuffli (von links). (Bild: Carmen Kaufmann)

Carmen Kaufmann

Der Arbeitgeberverband Rheintal lud zum Thema Fusionen, Übernahmen und Unternehmensnachfolge Treuhandexperten sowie erfahrene Geschäftsführer aus dem Rheintal zu Bauwerk Parkett in St. Margrethen ein.

Treuhänder Beat Eisenhut erläuterte, wie eine Nachfolge korrekt anzutreten sei. Wichtigster Punkt sei der Zeitplan. Früh anzufangen mit der Planung, stehe an erster Stelle. Treuhänder Pepe Sonderegger riet, bei der Unternehmensbewertung frühzeitig einen Berater einzubinden. Entscheidend sei, dass genaue Analysen des Verkaufsobjekts an­- hand der Zahlen vergangener Geschäftsjahre durchgeführt werden.

Geschäftsführer teilen ihre Erfolgsrezepte

Unter drei Bedingungen hatte der ehemalige Geschäftsleiter René Hutter die Hutter Baumaschinen AG an Daniel Steiger und Beat Eisenhut übergeben: Ihr übernehmt das ganze Geschäft komplett, es bleibt inhabergeführt. Ich ziehe mich aus dem ganzen Geschehen heraus. Ihr seid gleichwertige Partner. Das Erfolgsrezept liege darin, dass die beiden Geschäftsleiter sich sehr gut ergänzen, sagt Daniel Steiger. Beat Eisenhut kümmere sich um die Finanzen und er, der eine zehnjährige Erfahrung in der Firma mitbringe, kenne sich in vielen Bereichen aus.

Herausforderungen gab es viele. Zum einen haben sie den Rollenwechsel vom Kollegen zum Chef zu spüren bekommen. Von Mitarbeitern werde man anders wahrgenommen. Zum anderen sei quasi über Nacht eine riesige Verantwortung an sie übergeben worden. Dabei sei es von Vorteil gewesen, zu zweit zu sein.

Der Zusammenschluss der Firmen Bauwerk und Boen habe sich als ideal erwiesen, erzählt CEO Klaus Brammertz. Inzwischen zählt das Unternehmen fünf Standorte in Europa. Schwierigkeiten hätten die aufeinandertreffenden Kulturen bereitet. Ein Integrationsmanager half, Lösungen für eine geeignete Kommunikation zu suchen. Gemeinsame Werte wurden erarbeitet. Die Geschäftsleitung habe sehr viel Wert darauf gelegt, dass jeder Mitarbeiter selbst zur Umsetzung beitrage. Das «wir» stellte man zum «ich» um.

Das Vertrauen muss vorhanden sein

An einem anschliessenden Podium forderte Klaus Brammertz Daniel Steiger, René Wuffli, ehemaliger Chef der Rheintal Medien AG, und Markus Schwingel, Geschäftsleiter der Christian Jakob AG, zur Diskussion auf. René Wuffli erzählte von einem Misserfolg, als 1993 ein Zusammenschluss mit der rva Druck und Medien AG zur Debatte stand. Es konnte keine Führungsstruktur definiert und keine Vertrauensbildung erreicht werden. Die Zeit sei noch nicht reif gewesen. Erst einige Jahre später fusionierten die beiden Medienunternehmen. Ohne Fusion wären sie heute abhängig, meinte Wuffli.

Markus Schwingel brachte ein wichtiges Schlagwort ein – Vertrauen. Christian Jakob habe damals ihn und seinen Geschäftspartner Daniel Engelberger aufgefordert, ein Konzept für die Unternehmensführung zu schreiben. Er habe sie testen wollen, ob sie es können. Mittlerweile übernahm er die Alpina Chur AG, bei der noch eine andere Kultur herrsche. Das Vertrauen müsse noch wachsen.