ST. MARGRETHEN: Brandmelder in Schulen freiwillig

An der Hauptübung der örtlichen Feuerwehr erlebten einige Besucherinnen und Besucher eine Überraschung. Entgegen deren Meinung gibt es im Oberstufenschulhaus keine Brandmeldeanlage (BSA).

Kurt Latzer
Drucken
Teilen
Die Bedingungen sollten so realistisch wie möglich sein: Darum wurde das St. Margrether Oberstufenschulhaus an der Hauptübung in künstlichen Rauch gehüllt. (Bild: Kurt Latzer)

Die Bedingungen sollten so realistisch wie möglich sein: Darum wurde das St. Margrether Oberstufenschulhaus an der Hauptübung in künstlichen Rauch gehüllt. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Wäre das Schulhaus gegenüber der Rheinauhalle nicht aus Übungszwecken eingenebelt wor­den, hätte sich womöglich niemand nach der Brandmeldeanlage erkundigt. «Die gibt es hier nicht», war die Antwort des St. Margrether Feuerwehrkommandanten Pascal Zani. «Auch keine Rauchmelder?» Nein, auch die gebe es im Oberstufenschulhaus nicht, auch nicht in anderen Schulhäusern.

Mehrere öffentliche Gebäude ohne Brandmelder

Ausnahmslos alle Befragten waren überrascht. Sie waren davon ausgegangen, Schulhäuser seien mit Brandmeldeanlagen ausgestattet, mindestens mit Rauchmeldern. Auch Jacqueline Stä­bler, Stellvertreterin des Gemeindepräsidenten, und Peter Haas, Präsident der Feuerschutzkommission, waren der Meinung, Brandmelder existierten im Schulhaus. «Ich bin schockiert», sagte die Gemeinderätin, als sie erfuhr, dass im Schulgebäude weder ein Rauchmelder noch eine Brandmeldeanlage existieren. Auch Handmelder für den Brandfall sucht man in der Schulanlage vergeblich: «Ich habe nicht gewusst, ob es solche Anlagen im Schulhaus gibt. Ich bin überrascht, dass dies nicht der Fall ist», sagte Peter Haas. Überrascht war auch der Feuerwehrkommandant. Nicht etwa über die nicht existierende Feuerwarn­anlage im Schulhaus, sondern von der Reaktion der Behördenvertreter. «Das ist nicht das einzige Schulhaus oder öffentliche Gebäude in St. Margrethen, das keine Brandmeldeanlage besitzt», sagte Pascal Zani.

Keine Anlagen, weil nichts passiert

Dieter Ebneter, Leiter Prävention im Amt für Feuerschutz St Gallen, weiss, weshalb es in den Schulhäusern keine Brandmeldean­lagen oder Ähnliches gibt. «Gemäss Schweizer Brandschutzverordnung sind Brandmeldeanlagen in Schulen nicht vorgeschrieben», sagt Ebneter, «weil in Schulen nichts passiert.» Im Gegensatz zu Privathäusern gebe es in den Schulen normal­erweise keine schlafenden Personen. «Sind die Leute wach, ist die Nase die beste Warnanlage, weil der Rauchgeruch schnell wahrgenommen wird», sagt der Leiter Prävention. Es sei aber nicht verboten, freiwillig Brandmeldeanlagen in Schulgebäuden zu installieren. Ist eine solche aber einmal in Betrieb und mit der kantonalen Notrufzentrale (KNZ) verbunden, muss sie gewartet werden.

Anlage aus eigenem Interesse

«Zudem ist dann eine Gebühr an die KNZ von jährlich 1000 Franken fällig», sagt Dieter Ebneter. Allerdings gebe es Rauchmelder, die über Funk mit der Zentrale im Haus, nicht aber mit der KNZ verbunden sind. Daniel Imper ist Leiter Prävention Brandschutz bei der Assekuranz Appenzell Ausserrhoden. «Auch wir halten uns an die Schweizer Brandschutzverordnung, die in Schulen keine Rauch- oder Brandmelder vorschreibt», sagt Imper. Es gebe allerdings Schulen, die Anlagen aus eigenem Interesse betreiben. Je nach Art und Bauweise eines Schulhauses könne die Behörde den Einbau einer Brandschutz­anlage verfügen. Der neusten Verordnung zufolge müssen neue Schulhäuser nicht einmal mehr mit Blitzschutzanlagen ausgerüstet werden.