St. Gallen verbietet Goldsuche

Die Goldwäscherszene erlebt in der Ostschweiz einen Aufschwung. Weil sich immer mehr Goldsucher in St. Galler Gewässern tummeln, erlässt der Kanton nun ein zeitlich begrenztes Goldwaschverbot.

Tim Naef
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Boom in der Ostschweiz: Mit immer mehr Goldsuchern kommen auch die Probleme. (Bild: Fotolia)

Boom in der Ostschweiz: Mit immer mehr Goldsuchern kommen auch die Probleme. (Bild: Fotolia)

ST. GALLEN. In der Ostschweiz ist der Goldrausch ausgebrochen. Das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Dennoch erfreut sich das Goldschürfen hierzulande immer grösserer Beliebtheit. Das hat nun das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen auf den Plan gerufen: In einem Merkblatt werden die gesetzlichen Grundlagen für freizeitliches, aber auch gewerbemässiges Goldwaschen aufgezeigt. Gleichzeitig teilt das Amt mit, dass «in sämtlichen Fliessgewässern vom 1. Oktober bis zum 30. Mai jegliche Goldwaschaktivitäten untersagt sind».

Mit Pumpen und Aggregaten

Das zeitlich begrenzte Goldwaschverbot in St. Galler Fliessgewässern wurde wegen der Laich- und Entwicklungszeit der Forellen und Äschen und weiterer sensibler oder bedrohter Arten angeordnet. «Die Goldwaschaktivitäten haben im vergangenen Winter derart zugenommen, dass wir reagieren mussten», sagt Christoph Birrer, Leiter der Abteilung Fischerei des Kantons St. Gallen.

«Ziel des zeitlichen Verbots ist es, die Fischbestände und vor allem die Fortpflanzung der Tiere in den heimischen Gewässern zu schützen.» Laut Birrer haben die Goldsucher in der jüngsten Vergangenheit teils ganze Bachabschnitte umgegraben. Die Rede ist nicht nur von Schweizern: «Die Menschen kommen auch vom Ausland nach St. Gallen, um hier nach Gold zu suchen.» Abgesehen von der stark angestiegenen Zahl sei auch die Art und Weise der Suche ein Problem. «Zum Teil kommen sie mit technischen Geräten wie Notstromaggregaten und sogar Pumpen an die Bäche, um möglichst viel Kies zu bewegen.»

Zustimmung aus der Szene

Auch Markus Zinniker, langjähriger Goldsucher aus St. Gallen, erkennt das Problem. «Seit vergangenen Sommer das Goldsuchen im Kanton Graubünden stark eingeschränkt wurde, wird St. Gallen regelrecht überrannt.» Die Leute kämen aus Österreich, Deutschland und sogar Frankreich an die Goldach und andere Bäche. Für die Massnahmen des Kantons zeigt er Verständnis. «Es musste etwas passieren. Wenn das so weitergegangen wäre, wäre wohl ein totales Goldwaschverbot ausgesprochen worden.» Zinniker schlägt jedoch eine andere Lösung vor als der Kanton: «Eine Möglichkeit wären Jahreskonzessionen und Platzzuweisungen gewesen. Dann wüssten die Behörden auch, wer an welcher Stelle am Schürfen ist.»

Ob die Verbote des Kantons überhaupt eingehalten werden, ist eine andere Frage. Zinniker sagt: «Einzelne setzen sich schlicht über die kantonalen Verbote hinweg. Der Kanton kann schlecht jeden einzelnen Bach kontrollieren. Deshalb gibt es Unstimmigkeiten innerhalb der Goldsucherszene.» Im Vordergrund stehe der Neid. Für Zinniker ist das unverständlich. «Das Ganze ist doch ein Hobby. Durch das Goldwaschen wird niemand zum Millionär.»