Sprudelndes Talentreservoir

Die Frauenabteilung der Rheintal Gators macht Furore: Das erste Team stieg auf und die Juniorinnen erheischten sich national Respekt. Dahinter steckt Planung – und viel Arbeit.

Yves Solenthaler
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Melanie Sutter (links) mit den Gators-Juniorinnen, die sportlich auf sich aufmerksam machen. (Bild: Yves Solenthaler)

Melanie Sutter (links) mit den Gators-Juniorinnen, die sportlich auf sich aufmerksam machen. (Bild: Yves Solenthaler)

UNIHOCKEY. Zuerst wird gejoggt im gemeinsamen Training der Juniorinnen. «Zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter», sagt Melanie Sutter, Verantwortliche der Gators-Frauenabteilung. Die 26-Jährige hat vor fünf Jahren die Juniorinnen der Gators neu belebt. Die in Walzenhausen arbeitende Sozialpädagogin nimmt diese Arbeit auf sich, weil in ihr die Leidenschaft fürs Unihockey brennt – und weil sie will, dass es die Mädchen im Unihockey einfacher haben, als sie es hatte.

Eigene Erfahrung als Antrieb

«Ich war immer das einzige Mädchen in Buben-Teams», sagt Sutter. Für kleine Mädchen sei es förderlich, mit und gegen Buben zu spielen, aber ab der Mittelstufe werden die physischen Unterschiede mit der Zeit zu gross. Sutter kam schon mit 14 ins Fanionteam der Gators-Frauen: «Dafür war ich noch viel zu jung.» Sie war verdattert und hörte darauf für eine Weile mit dem Unihockey auf. Der Bruch war zwangsläufig, das soll der nachfolgenden Generation im Rheintal erspart bleiben.

«Unser Ziel ist, dass sich die Damenabteilung, wie es bei den Herren der Fall ist, sich aus dem eigenen Nachwuchs speist», sagt Sutter. Gut 30 Juniorinnen zwischen elf und siebzehn Jahren spielen derzeit in vier Teams. Die Ältesten werden bereits ans Aktivteam herangeführt, das ab der kommenden Saison in der 1. Liga Grossfeld spielen wird. Altersgemischtes Training ist ohnehin ein Credo der Juniorinnen-Abteilung: «So lernen die Spielerinnen voneinander – und zwar nicht nur die jüngeren von den älteren, auch umgekehrt.»

Auch unterschiedliche Leistungsniveaus sind kein Thema: «Die Gators sollen für jedes Kind, das Unihockey spielen möchte, die richtige Heimat sein.» Andererseits sollen aber auch ambitionierte Spielerinnen die Möglichkeit haben, von Widnau aus eine (inter-)nationale Karriere zu starten. Dank der Zusammenarbeit mit der OMR-Sportschule in Heerbrugg steht diese Infrastruktur bereit – im kommenden Schuljahr wird mit der zwölfjährigen Lucia De Marchi erstmals eine Unihockey-Spielerin die Sportschule besuchen.

Juniorinnen im CH-Final

Es sind Teile, die zum Erfolgs-Puzzle beitragen. Dazu gehört auch die Teilnahme der U18-Juniorinnen auf dem Grossfeld am Finalturnier der Schweizer Projekt-Meisterschaft. Dass das Team nicht über den sechsten Platz herauskam, ärgert Sutter ein wenig. Aber wenn sie sich an die erste Saison mit den Spielerinnen erinnert, verfliegt der Ärger schnell: «Wir haben nur hoch verloren, 0:30 und solche Resultate. Als die Mädchen im ersten Spiel der zweiten Saison 1:0 in Führung gingen, mussten wir ein Time-out nehmen, um ihnen zu erklären, wie das Angreifen geht.» Heute sind es andere Themen, die das Training dominieren.

Die Juniorinnen werden von den Spielerinnen des Aktivteams sowie Kevin Studach, Andreas Hutter (beide Grossfeld U17) und Dani Rusch trainiert. Sieben Teamkolleginnen unterstützen Melanie Sutter bei der Arbeit mit den Juniorinnen: «Gerade bei den Älteren trainieren wir oft die Sachen, die wir bei Trainer Werner Auer (früher langjähriger Trainer der Spiders St. Margrethen, Anm. d. Red.) gerade lernen.» Zum Beispiel die Wichtigkeit, den Schläger am Boden zu halten.

Ein wichtiges Thema ist das Lauftraining: Gators-Spielerin Andrea Stricker, die auch bei Staad in der 1. Liga Fussball spielt, überträgt dieses Training vom Fussball aufs Unihockey: «Man sieht nach kurzer Zeit, dass die Spielerinnen weniger auf den Fersen laufen.»

Guter Draht zum Vorstand

Der Enthusiasmus von Melanie Sutter und ihren Kolleginnen kommt auch beim Gators-Vorstand gut an: «Präsident Peter Grüninger hat für unsere Anliegen immer offene Ohren.» Dieser Draht ist ohnehin wichtig, zumal Sutter als Frauen-Verantwortliche nicht im Vorstand der Gators sitzt: «Das möchte ich nicht, weil dann der Aufwand für mich zu gross würde.»

Die Gators drängen sie nicht – sie wissen: Melanie Sutter scheut auch ausserhalb des Vorstands die Arbeit für den Verein nicht.