Sprache der Pflanzen in Liedern

«Under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was, dâ mugt ir vinden schône beide gebrochen bluomen unde gras.» Walter von der Vogelweides Lied ist ein Paradebeispiel, wie wichtig Pflanzen in den Liedern sind und welch starke Symbolkraft sie haben können.

Urs Stieger Berneck, Www.u-Stieger.com
Drucken
Teilen
Hopfen – gilt als Symbol der Unsterblichkeit. (Bild: Urs Stieger)

Hopfen – gilt als Symbol der Unsterblichkeit. (Bild: Urs Stieger)

«Under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was, dâ mugt ir vinden schône beide gebrochen bluomen unde gras.»

Walter von der Vogelweides Lied ist ein Paradebeispiel, wie wichtig Pflanzen in den Liedern sind und welch starke Symbolkraft sie haben können.

In den Minneliedern des Mittelalters wurden Pflanzennamen eingesetzt, um ganze Geschichten zu erzählen. Die Linden als Symbol für Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit erzählen darum weit mehr als der Dichter in ein paar Worten beschreibt.

In einem der ganz wenigen Lieder in Moll aus der Schweiz «'s isch äbe en Mönsch uf Erde», (das eigentlich zwei Lieder sind und aus Deutschland stammt) gibt's Symbolik en masse: «In mines Büelis Garte da stah zweu Bäumeli. Das eini treit Muschgate, das andri Nägeli.» Muskatnuss und Nelken, zwei exotische und sehr teure Gewürze, waren Treue bildend und hatten die Wirkung, dass «durch sie die Liebe befördert wird». Oder – Muschgate galten als «süss», quasi Glückshormone pur, die Nägeli als «rääs», also bitter wie das Ende der Liebe.

«Ich hab die Nacht geträumet, wohl einen schweren Traum, es wuchs in meinem Garten ein Rosmarienbaum.» Ein weiteres bekanntes Lied mit Rosmarin als Symbol des Todes. Rosmarin wurde auf Gräbern gepflanzt und an Beerdigungen mitgetragen. «O du schöner Rosengarten, o du schöner Himmelsthron! Ei, wie lang muss ich noch warten? Hätt ich dich nur wirklich schon.» Tja, was Liebeshormone so alles bewirken…

Alfonsina Storni, Emigrantin aus dem Tessin, berühmteste argentinische Dichterin, sah sich in ihren Gedichten als «Distel im Wind». Die Distel ist in vielen Liedern und Gedichten das Symbol für das Leiden am Leben. Je mehr Leid, umso stärker wächst die Distel. In religiösen Liedern war die Distel Symbol für Martyrium und Erlösung.

Auch der Geheimrat Goethe langte in seinem Macho-Lied «Das Heideröschen» auf die starke Symbolkraft der bedornten Rose. Dass er dann endet mit «musst es eben leiden», zeigt viel von seiner Einstellung zur Rolle der Frauen. («Der Schürzenjäger der Nation»)

«Wie schön blüht uns der Maien.» Wir warten geduldig, bis es so weit ist, aber «die drei Rosen auf einem Zweig» waren das untrügliche Zeichen, dass sich das Warten lohnt, wenn man nicht eher das folgende Lied sang: «Drei fallende Rosen im Traum…» Dies bedeutete das Ende der Liebe. Was kommt da noch? Mein Garten ist rot von gefallenen Rosen…

SONY DSC (Bild: Picasa)

SONY DSC (Bild: Picasa)