Sponsorenverträge gefälscht: Ausstellung abgesagt

Die Olma Messen müssen die Ausstellung «gsund&fit» absagen. Weil ein Mitarbeiter einer Werbeagentur Sponsorenverträge gefälscht hatte und die vermeintlichen Sponsoren nicht einzahlten, fehlt der Messe jetzt das Geld.

Sebastian Schneider
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ST. GALLEN. Über ein Jahr lang steckten die Olma Messen in den Vorbereitungen für die neue Gesundheitsmesse «gsund&fit». Doch jetzt, nicht einmal zwei Monate vor dem geplanten Start am 18. Januar, müssen sie über sechzig Aussteller enttäuschen und die Messe absagen. Zum Ärger von Olma-Direktor Nicolo Paganini: «Das geht mir total gegen den Strich.»

Nichts gewusst

Was ist passiert? Die Olma Messen seien «Opfer von betrügerischen Handlungen» geworden, hielten sie gestern in einer Mitteilung fest. Aus diesem Grund müsse die Gesundheitsmesse abgesagt werden. Konkret seien zwei Sponsorenverträge mit gefälschten Unterschriften vorgelegt worden, wie der Olma-Direktor sagt. Die Sponsoren hätten vom Engagement nichts gewusst und deshalb nie eine Akontozahlung geleistet.

Weil die Olma Messen nicht sofort mahnten, flog der Betrug erst am 14. November auf.

Nicht nur Olma nimmt Schaden

Die gefälschten Sponsorenverträge kamen von einem Mitarbeiter der Werbeagentur E,T&H in Rorschach. Die Agentur half bei der Konzipierung der neuen Messe und war zuständig für das Sponsoring.

Vier bis fünf Geldgeber wären zur Durchführung nötig gewesen. Der dafür zuständige Mitarbeiter fand laut Paganini nur einen Sponsor. Einen weiteren versprach er den Olma Messen und zwei täuschte er mit den gefälschten Verträgen vor.

«Weitere Unregelmässigkeiten»

«Der Mitarbeiter ist sich seiner Schuld bewusst und hat die Urkundenfälschungen gestanden», sagt Peter Thoma, Verwaltungsratspräsident der Werbeagentur. Verdacht geschöpft hatte Thoma nach eigenen Angaben schon vor dem 14. November. Er begann deshalb, den Mitarbeiter zu überprüfen. Dabei seien weitere Unregelmässigkeiten ans Licht gekommen.

Viel Schaden angerichtet

«Von einigen Fällen sind Kunden betroffen, andere spielten sich intern ab», sagt Thoma. Der Mitarbeiter habe auch Briefe abgefangen, damit seine Machenschaften nicht aufflogen. Die Unregelmässigkeiten müssten weiter aufgearbeitet werden. So oder so habe der Mitarbeiter einen grossen, nicht messbaren Reputationsschaden angerichtet. Der Werbeagentur entgehe zudem «ein substanzieller, sechsstelliger Betrag», sagt Thoma.

Falsche Versprechen

Gemäss dem Verwaltungsratspräsidenten hat der Mitarbeiter nicht zur eigenen Bereicherung gehandelt. «Er hat falsche Versprechen gemacht – den Kunden Leistungen angeboten, die er nie erfüllen konnte», sagt Thoma.

Der Beschuldigte und die Werbeagentur hätten eine Auflösungsvereinbarung unterzeichnet, welche die unmittelbare Freistellung des Mitarbeiters zur Folge hatte. Der ehemalige Mitarbeiter von E,T&H muss mit Anzeigen rechnen: Die Werbeagentur und die Olma Messen haben ihre Anwälte eingeschaltet. Den Olma Messen geht es in erster Linie darum, die Lohnkosten zurückzufordern, die für die unnötige Planung anfielen.

Mit Sponsoren in Kontakt

Mit den vermeintlichen Sponsoren der Gesundheitsmesse sei man in Kontakt. Offen ist laut Thoma, ob sie wegen Urkundenfälschung klagen werden.

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