Spigars Werk soll nicht verblassen

Der Rheinecker Künstler Norbert Spirig, genannt Spigar, hätte 2013 gerne seine Kunst auf dem Veloweg im Städtli erneuert. Weil der Stadtrat nicht wollte, hielt er das Werk auf einem Transparent fest. Beim Redaktionswagen übergab er es dem Stadtpräsidenten.

Seraina Hess
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Norbert Spirig alias Spigar (l.) und Stadtpräsident Hans Pfäffli. (Bild: Seraina Hess)

Norbert Spirig alias Spigar (l.) und Stadtpräsident Hans Pfäffli. (Bild: Seraina Hess)

RHEINECK. Die abstrakten Figuren auf dem Veloweg, der durchs Städtli führt, sind schon lange verblichen und teilweise abgetragen. Deshalb wollte ihr Erschaffer, Norbert Spirig, vor zwei Jahren eine Restauration vornehmen – wenn nötig sogar kostenlos, nur für den Preis der Farbe.

Doch weil der Stadtrat vor etwas mehr als zehn Jahren gegenüber den Kantonsbehörden mit den Begriffen «Kunst am Bau», «vorübergehend» und «vergänglich» argumentiert hatte, um das Vorhaben durchzubringen, lehnte er die Erneuerung des Kunstwerks ab. Zum Leidwesen von Spigar. Er hätte es gerne gesehen, wenn seine Malerei für die Rheinecker Nachwelt erhalten geblieben wäre. Denn wenn jetzt nichts gemacht werde, seien die Farben auf dem Veloweg spätestens in vier Jahren nicht mehr oder nur noch als Fleckenteppich zu sehen.

Mehrere Kilogramm Folie

Spigar handelte deshalb auf eigene Faust. Er kaufte eine Rolle Folie und kopierte darauf sein Werk in Originalgrösse. Das war vor einem Jahr.

Als der Redaktionswagen am Mittwochabend vor dem Rathaus in Rheineck zu Gast war, kam Norbert Spirig mit der mehrere Kilogramm schweren Folienrolle vorbei. «Die Zeitung ist zu Besuch – es ist also die Gelegenheit, das Werk der Stadt zu übergeben», sagte Spigar. Stadtpräsident Hans Pfäffli nahm die Kopie dann auch entgegen und transportierte sie noch am selben Abend ins Archiv des Rathauses.

Restauration in 200 Jahren

Spigar hofft insgeheim, dass vielleicht in 100, 200 Jahren irgendein Ratsmitglied die Folie findet, das Kunstwerk als historisch wichtig erachtet – und die Veloweg-Kunst im Städtli von einem Restaurator wiederherstellen lässt. ? REDAKTIONSWAGEN