Spigar vermisst seine Werke

Kürzlich hat Norbert Spirig, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Spigar, auf dem Dachboden nach sechs Gemälden gesehen. «Ich traute meinen Augen nicht: Alle sechs Bilder waren weg», sagt der Künstler.

Kurt Latzer
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Der oder die Täter haben die Bilder noch nie ausgestellt gesehen. Denn einige Plexiglasteile, die zu Spigars Werken (Fotos rechts) gehören, blieben auf dem Dachboden liegen. (Bild: Kurt Latzer)

Der oder die Täter haben die Bilder noch nie ausgestellt gesehen. Denn einige Plexiglasteile, die zu Spigars Werken (Fotos rechts) gehören, blieben auf dem Dachboden liegen. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Anzeige bei der Polizei hat der Rheinecker Künstler noch nicht erstattet. «Spigi», wie Nobert Spirig von seinen Freunden genannt wird, glaubt ans Gute im Menschen. «Ich möchte der ­Person, die meine Bilder weggenommen hat, die Möglichkeit geben, die Gemälde zurückzulegen. Ebenso heimlich, wie sie verschwanden», sagt Spigar. Im Haus des Restaurants Sonne ist der Künstler schon ein paar Jahre zu Hause. «Unter Freunden», sagt Spigar. Während er seine gestohlenen Bilder beschreibt, stocken ihm die Worte. Mit einem gequälten Lächeln sagt Spigar, am Verschwinden der Bilder sei er ja eigentlich selber schuld. Nie habe er geglaubt, er müsse den Raum in der «Sonne», den er als Lager nutzt, abschliessen.

Für einmal ist Spigar das Lachen vergangen

Die entwendeten Bilder hat Spigar vor bald 30 Jahren geschaffen. Sie sind der Ausdruck seines Schaffens aus dieser Zeit, dem Anfang der 1990er-Jahre. «Der Preis der Bilder ist sekundär. Für mich ist ein anderer Wert massgebend», sagt er. Es ist dem stets gut gelaunten Künstler anzumerken: Der Verlust trifft ihn hart, beim Erzählen wird Spigar ungewohnt emotional. Und wieder packt ihn die Wut auf das eigene Versäumnis. Zuletzt waren die sechs Bilder vor etwa zwei Jahren im Kino-Theater Madlen in Heerbrugg zu sehen. Nach der Ausstellung habe eine Bekannte Spigar die Gemälde zurückgebracht.

Übeltäter hat von Kultur keine Ahnung

«Die Bilder waren nicht gerahmt, sie gleichen Wandteppichen», sagt der Rheinecker Künstler. Wer sie vom Dachboden in der «Sonne» genommen hat, weiss Spigar nicht. «Die betreffende Person hat die Bilder sicher noch nie an einer Ausstellung gesehen», sagt Spigar. Wäre dies der Fall gewesen, hätte der Dieb gewusst, dass die Bilder nicht komplett sind. Denn zu den Gemälden gehören Fragmente, die Spigar auf Plexiglas gemalt hat. «Die wurden an den entsprechenden Stellen vors Bild gehängt und verliehen dem Werk einen dreidimensionalen Effekt», sagt der Künstler. «Hätte die Person, die die Bilder mitgenommen hat, nur einen Hauch Verständnis für ­Kultur und Kunst, hätte sie die Gemälde hiergelassen», ergänzt er. Und wieder übermannt den Maler der Verlust. Sogar mit den Leinwänden, auf der verschiedenste Figuren in unterschiedlichen Posen zu sehen sind, hat er persönliche Erinnerungen. Die Leinwände habe ihm einst eine gute Bekannte genäht.

Ein unbekannter Fanclub

Auch wohin die Bilder verschwunden sein könnten, weiss der Rheinecker Künstler nicht. Am Ende des Gespräches wagt Spigar wieder die ersten Scherze. «Möglicherweise existiert ja irgendwo ein mir unbekannter Fanclub. Vielleicht sogar ennet der Grenze», sagt Norbert Spirig. Er ist nicht schlüssig, wann er den Diebstahl anzeigen will. Sollten die sechs Bilder in den nächsten Tagen nicht zurückgebracht werden, müsse er diesen Gang wohl tun. Nachforschen lassen will er dann aber auch im benachbarten Ausland. In der Region ist Spigar zu bekannt. Würden hier Bilder angeboten, würde dies seiner Meinung nach auffallen.