Spielzeug für die traute Zweisamkeit

ALTSTÄTTEN. In den letzten Jahren hat Altstätten als Einkaufsstadt an Bedeutung verloren. Ein breiterer Branchenmix würde dem entgegenwirken. Nun eröffnet in der Engelgasse ein Laden, den es in Altstätten bislang nicht gibt, auf den aber so mancher gerne verzichten würde: eine Erotikboutique.

Max Tinner
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Sexy Dessous, Strümpfe jeder Art, Partykleider vom Gothicstyle bis zum Abendkleid, Erotikspielzeug: «Ein Sortiment wie meines findet man sonst nirgends in der Schweiz», sagt Simone Weishaupt. (Bild: Max Tinner)

Sexy Dessous, Strümpfe jeder Art, Partykleider vom Gothicstyle bis zum Abendkleid, Erotikspielzeug: «Ein Sortiment wie meines findet man sonst nirgends in der Schweiz», sagt Simone Weishaupt. (Bild: Max Tinner)

Über Sex spricht man nicht. Ausser am Stammtisch nach zwei, drei Glas Bier. Sonst gehört das Thema in den Privatbereich; im öffentlichen Raum hat es den Ruch des Unanständigen. Darum haben manche Anwohner gar keine Freude am neuen Geschäft, das dieser Tage an der Engelgasse 28 aufmacht: «Boutique Lady X – Erotik Lifestyle Store» wird am Schaufenster stehen.

Inhaberin ist Simone Weishaupt. Sie ist nicht neu im Geschäft. Ihr Laden befand sich bis Mitte August an der Hauptstrasse in Rorschach. «Bei mir finden die Kundinnen und Kunden ein Sortiment mit einer Auswahl, wie es sie sonst in der ganzen Schweiz nirgends gibt», sagt Simone Weishaupt. Die Kundinnen und Kunden würden ausserdem gut beraten – was sehr geschätzt werde. Das Sortiment wird gegenüber jenem am vorhergehenden Standort noch ausgebaut, vor allem im Bereich Kostüme. «Man bekommt bei mir ebenso Kostüme für die Fasnacht wie für die Halloweenparty – plus passende Strümpfe und diverse Accessoires dazu.» Beim Betreten des Ladens sieht man denn vor allem solches. Das Erotikspielzeug hat Simone Weishaupt in den Verkaufsräumen im Untergeschoss.

Nichts zu verbergen

Ursprünglich wollte Simone Weishaupt letzten Samstag Eröffnung feiern. So stand es längere Zeit in grossen Lettern im bislang abgedeckten Schaufenster. Abgedeckt war es nicht, um etwas zu verbergen, versichert die Ladeninhaberin, sondern einfach, weil die Auslage noch nicht parat war. Aus gesundheitlichen Gründen hat sich die Eröffnung nämlich verzögert. Mittlerweile ist das Geschäft geöffnet. Feiern wird Simone Weishaupt die Geschäftseröffnung am Samstag, 21. September. Dazu lädt sie jedermann ein.

Branchenmix wird breiter

Was es in der Boutique Lady X zu kaufen gibt, bekam man in Altstätten bislang nicht. Zwar haben selbst Gwerbler immer wieder betont, dass Altstätten einen breiteren Branchenmix braucht, um die in den letzten Jahren verlorene Bedeutung als Einkaufsstadt des Rheintals zurückzugewinnen. Auf einen Erotikshop im Städtli hätten aber manche gerne verzichtet, vor allem Anwohner am Engelplatz. Namentlich in der Zeitung genannt werden, möchten die wenigsten. «Der Engelplatz ist einer der malerischsten Flecken im Städtli – muss denn dies nun wirklich sein? Für Alteingesessene ist das schlimm», bekommt man etwa zu hören. Oder: «Der Engelplatz war früher einmal ein Hauptplatz Altstättens; von der Milch über das Brot und das Gemüse bis zum Fleisch bekam man hier alles.» Zwar gibt es am Engelplatz heute unter anderem auch ein Coiffeurgeschäft, eine Bijouterie, einen Mobiltelefon-Shop und ein Sportgeschäft. Ein Erotikshop sei aber nachhaltig rufschädigend für das ganze Quartier, sagt ein Anwohner. Selbst wenn es in diesem Ladenlokal wieder einmal einen Wechsel geben sollte – etwas Besseres komme wohl nicht so schnell nach: «Das Quartier verslumt.»

«Ein leerer Laden schadet mehr»

Andere sehen den Neuzugang weit weniger dramatisch. «Solange es ruhig bleibt um das Geschäft, stört es nicht», sagt ebenfalls ein Anwohner. «Man wird wohl ohnehin nichts dagegen machen können», fügt er noch an. Viel mehr als die neue Erotikboutique in der Nachbarschaft stört ihn der Lärm, den Gäste verschiedener Baren spätnachts und frühmorgens veranstalten. «Das ist's, weshalb das Städtli heute unwohnlich ist», sagt er. Erst recht, wenn die Leute nicht bei sich behalten können, was sie eben noch getrunken haben.

Auch Ernst Enz vom Tennis- und Sportshop Enz nimmt den Zuzug gelassen. Er ist der einzige der Befragten, der mit Namen zu seiner Meinung steht. Solange das Geschäft ordentlich geführt werde, habe er nichts gegen ihn, sagt er. Ohnehin könnte man sich darin täuschen, wer alles ein solches Geschäft zu schätzen wisse. «Ein leerer Laden schadet dem Städtli jedenfalls mehr», meint Enz.