Spaziergang statt Spiessrutenlauf

Kommentar

Gert Bruderer
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Das Hallenbad-Projekt konnte einen zunächst an einen Spiessrutenlauf denken lassen. Jedenfalls, wenn man die anfänglichen Vorurteile und Gegenvorschläge vernommen hatte: Wozu Altstätten Geld bringen! Schwimmen lernen lässt sich auch anderswo!

Dann allerdings geschah Erstaunliches: Aufs Projekt wurde nicht eingedroschen. Es gab an Versammlungen jeweils ein Dutzend Fragen und Antworten, ein klein wenig Skepsis vielleicht, doch nirgends beissende Kritik (von einer Oberrieter Fasnachtszeitung abgesehen).

Dass aus dem vermeintlichen Spiessrutenlauf ein lockerer Spaziergang wurde, dürfte vor allem zwei Gründe haben. Erstens das klare Auftakt-Ja der Standort­gemeinde Altstätten, die 60 Prozent sämtlicher Kosten trägt und das Grundstück in den zu bildenden Zweckverband einbringt. Zweitens den beeindruckend geschlossenen Auftritt aller Behörden der sechs Oberrheintaler Gemeinden. Die Verantwortlichen, namentlich die Gemeinde- und Schulpräsidenten, sprachen mit einer einzigen Stimme und stellten sich geradezu mit Leidenschaft hinter das grosse Projekt.

Nach der fast achtzigprozentigen Zustimmung in Altstätten sagten – in dieser Reihenfolge – die Gemeinden Rüthi, Rebstein, Eichberg sowie gestern Abend Marbach und Oberriet Ja. Mit wenigen Gegenstimmen und gar keiner Nein-Stimme in Eichberg und Marbach.

Die Argumente für ein regionales Hallenbad haben das Volk überzeugt. Der Bedarf für das Schulschwimmen gilt als ausgewiesen. Selbst Skeptiker und Gegner dürften die grundsätzliche Bedeutung eines Hallenbads für die Schulen er­kannt haben. Insofern bestand bei diesem regionalen Geschäft auch ein gewisser gesellschaftlicher Druck. Natürlich stand es jedem frei, Nein zu stimmen, doch an einer Bürgerversammlung ohne schlagende Argumen­te die Hand gegen ein breit unterstütztes Projekt aufzuhalten, fällt sicher niemandem leicht. In Altstätten, an der Urne, war das eher möglich. Aber selbst dort stimmte bloss jeder Fünfte gegen das Hallenbad.

Das Resultat bedeutet: Die Region hat ein Zeichen gesetzt. Ein ermutigendes Zeichen für die weitere Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Das Projekt hat gezeigt, dass Geld eine untergeordnete Rolle spielen kann. Denn sogar eine hohe Summe wie die Kosten für ein grosses Hallenbad muss keine grosse Belastung zur Folge haben, wenn viele Menschen dieses Hallenbad gemeinsam tragen. So gesehen hat die Region sich mit dem Ja zum Hallenbad selbst ein Geschenk gemacht.

Gert Bruderer

gert.bruderer@rheintalmedien.ch