Spaziergang in die NS-Vergangenheit

Am Donnerstag stellte Miro Schawalder beim Steinbruch in Koblach den Hörspaziergang zu NS-Zwangsarbeit, Hochwasserschutz und Flucht vor.

Kurt Latzer
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Mit zwei Kollegen entwickelte der gebürtige Altstätter Miro Schawalder den Hörspaziergang im Vorarlberger Rheintal zu NS-Zwangsarbeit, Hochwasserschutz und Flucht.

Mit zwei Kollegen entwickelte der gebürtige Altstätter Miro Schawalder den Hörspaziergang im Vorarlberger Rheintal zu NS-Zwangsarbeit, Hochwasserschutz und Flucht.

Bild: Kurt Latzer

Der gebürtige Altstätter Miro Schawalder, Rainer Siegele, Bürgermeister von Mäder und der Schreibende spazierten gestern auf einem geschichtsträchtigen Weg. Der Hörspaziergang ist ein Projekt des Vereins NS-Zwangsarbeit am Rhein 2020. Ausgerüstet mit Mobiltelefon und Kopfhörern ging es auf den etwa fünf Kilometer langen Weg. Mit Start beim Depot des Rheinbähnli.

Aus dem Kopfhörer erklingt eine Stimme, die aus der Zeit des NS-Regimes in Vorarlberg erzählt. Sie erzählt von den ersten zehn Zwangsarbeitern aus Serbien im Koblacher Steinbruch Kutzen; von polnischen und belgischen Flüchtlingen, die auf der Flucht nach Montlingen oder Kriessern erschossen wurden oder im Rhein ertranken. Hört man über Lager während der NS-Herrschaft, denkt man zwangsläufig an die grossen Vernichtungsstätten wie Dachau, Auschwitz-Birkenau oder Mauthausen. Untergegangen sind dabei die Geschichten der vielen Lager in Vorarlberg. Dort wurden jene Kriegsgefangenen untergebracht, die in zahlreichen Vorarlberger Unternehmen Zwangsarbeit verrichten mussten.

Im «Kutzen» brachen Zwangsarbeiter Steinblöcke, für den Bau von Rheindämmen. Die Erzählerin gibt auch Geschichten wieder wie die, als der Vorarlberger Rheinbauleitung die Facharbeiter ausgingen. Denn immer mehr der ausgebildeten Mineure wurden in den Kriegsdienst eingezogen. Spezialisten aus der Schweiz wurden deshalb um Unterstützung angefragt. Wer den Hörspaziergang bewältigt, erfährt, wie viele Schweizer Mineure im Koblacher Steinbruch aushalfen. Baufirmen ennet dem Rhein, Schreinereien, Landwirte: Alle, denen es an Arbeitern und Arbeiterinnen mangelte, konnten sich bei den zuständigen Behörden melden. Es standen ja ausreichend Kriegsgefangene oder Zwangsverpflichtete zur Verfügung.

Der etwa 80-minütige Spaziergang beginnt beim Areal «Rheinschauen» am Steinbruch Kutzen. Er führt entlang der Gleise des Rheinbähnli hinauf zum Hochwasserdamm, dann wieder auf den Schienen bis zum Zoll in Mäder und zurück zum Ausgangspunkt. Auf der Internetseite www.rheinvorland.info erfährt der Spaziergänger in fünf Teilen mehr zu den Themen NS-Zwangsarbeit, Hochwasserschutz und Flucht. Mehr Infos zu Anfahrt und Allgemeinem über den Spaziergang bekommt man ebenfalls auf der Website.

www.rheinvorland.info wurde gestern aufgeschaltet. Zur Ausrüstung gehören festes Schuhwerk, Mobiltelefon und Kopfhörer. Das Schweizer Mobilnetz funktioniert ennet der Grenze.