Spätes Glück bei den Schleiereulen im St.Galler Rheintal

Eine zweite Brut, ein gutes Jahr: Der Verein Pro Riet mit Sitz in Altstätten konnte Mitte Oktober noch einmal Nachtvögel beringen.

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Schleiereule Tyto ist einer der Jungvögel, die noch beringt und somit verfolgt werden konnten.

Schleiereule Tyto ist einer der Jungvögel, die noch beringt und somit verfolgt werden konnten.

Bild: PD

(pd) Schleiereulenbruten in der Schweiz und speziell im Rheintal sind nach wie vor selten. Umso erfreulicher war es, als Mitte Oktober die Meldung einer späten Schleiereulenbrut eintraf und nochmals vier schon fast flügge Jungvögel vorgefunden wurden. Diese hatten im Rahmen des Förderungsprojekts «Turmfalke und Schleier­eule im St.Galler Rheintal» Ringe bekommen.

Zweitbruten im Rheintal die Ausnahme

Zweitbruten der Schleiereule sind viele dokumentiert. Im St.Galler Rheintal aber war das die Ausnahme – oder sie wurden schlicht nicht bemerkt.

Tyto, kurz bevor das Förderungsprojekt «Turmfalke und Schleier­eule im St.Galler Rheintal» ihn flügge werden lässt

Tyto, kurz bevor das Förderungsprojekt «Turmfalke und Schleier­eule im St.Galler Rheintal» ihn flügge werden lässt

Bild: PD

2020 ist ein gutes Jahr für die St.Galler Schleiereule

Schleiereulen sind in der Lage, zwei Bruten pro Jahr grosszuziehen. Vielfach findet dies in Form einer sogenannten Schachtelbrut statt. Das Weibchen beginnt dann an einem anderen Ort bereits wieder zu brüten, bevor die Nestlinge der ersten Brut ausgeflogen sind. Zwei Bruten in einem Jahr lassen darauf schliessen, dass das Nahrungsangebot gut war. Letzteres beeinflusst den Bruterfolg wesentlich wie auch den Bestand. In diesem Sommer wurden zwischen Au und Oberriet bereits zwei Bruten mit je fünf jungen Schleiereulen beringt.

Förderprojekt für Greifvögel im Rheintal

Das Förderungsprojekt, das vom Verein Pro Riet Rheintal umgesetzt und von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach sowie dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) des Kantons St.Gallen unterstützt wird, fördert den Bestand der beiden vorgenannten Arten mit verschiedenen Massnahmen. Dazu gehören beispielsweise Nisthilfen und Lebensraumaufwertungen. Weitere Infos sind unter www.pro-riet.ch zu finden.

Lautloser Jäger der Nacht

Alle Eulenarten fliegen absolut lautlos. Das liegt an der Struktur der Flügelfedern. Wie der Fachlektüre zu entnehmen ist, gilt: Je starrer ein Flügel ist, desto lauter sind die Fluggeräusche.

Die Flügel von grossen Wasservögeln beispielsweise seien sehr starr, zerschneiden die Strömung und sind deshalb gut zu hören. Eulen hingegen haben sehr weiche Flügel. Die Federstruktur ihrer Vorderseiten erinnert an zackige Löwenzahnblätter. Sie zersägt die anströmende Luft, die Hauptströmung wird gestört.

So entsteht während des Fluges kein Geräusch. Die hinteren Ränder der Flügelfedern sind laut der Fachlektüre so flexibel, dass sie in der Strömung flattern, was ebenfalls Geräusche verhindert. Zudem fliegen Eulen aufgrund ihrer runden Flügelform relativ langsam, sodass die Luft die Flügel auch nur sehr langsam umströmt. (pd / kla)