Späte Rache am Armee-Instruktor

ST.MARGRETHEN. Am Rapport zum Jahresende ehrte das Kommando der Grenzwacht in Chur 14 Mitarbeiter, die schon seit 25 und 30 Jahren an der Ostgrenze vom Bündnerland bis zum Bodensee bei der Grenzwacht arbeiten. Beim Apéro waren unglaubliche, aber wahre Geschichten zu hören.

René Schneider
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Treue Grenzwächter im Rheintal und im Fürstentum Liechtenstein mit ihrem Kommandanten Markus Kobler (ganz links). Hinten (v. l.): Carli Lutz (30 Dienstjahre), Rolf Müller (25), Florian Camastral (25), Stephan Rhyner (30), Arthur Gartmann (25). Vorne: Robert Bigliel (25), Tarcisi Venzin (30), Roman Camenisch (30), Walter Göldi (25 Dienstjahre). (Bild: René Schneider)

Treue Grenzwächter im Rheintal und im Fürstentum Liechtenstein mit ihrem Kommandanten Markus Kobler (ganz links). Hinten (v. l.): Carli Lutz (30 Dienstjahre), Rolf Müller (25), Florian Camastral (25), Stephan Rhyner (30), Arthur Gartmann (25). Vorne: Robert Bigliel (25), Tarcisi Venzin (30), Roman Camenisch (30), Walter Göldi (25 Dienstjahre). (Bild: René Schneider)

ST. MARGRETHEN. In einer kleinen, würdigen Feier dankte das Kommando der Grenzwachtregion Chur gestern im Posten St. Margrethen 14 Mitarbeitern für ihre Treue und ihren Einsatz. Jeder von ihnen habe einen wichtigen Beitrag geleistet für die Bürgerinnen und Bürger und für den Wirtschaftsstandort Schweiz, sagte Oskar Gächter. Er hatte im Auftrag des Kommandos den Anlass organisiert. Das Korps sei wie eine grosse Familie, sagte Gächter in seiner Begrüssung, in der er jeden Einzelnen der Geehrten persönlich vorstellte. Bei manch einem waren schon der Vater oder der Onkel in der Grenzwacht, bei anderen arbeiten Brüder im Korps, einer der «Grenzer» heiratete gar die Schwester des anderen, nachdem er bei jenem zur Hochzeit eingeladen war.

Viele Bündner

Auffällig war gestern, dass bis auf zwei Ausnahmen alle Geehrten ursprünglich Bündner sind. Zwar stammten traditionell viele Grenzwächter an der Ostgrenze aus dem Bündnerland, aber in den 80er-Jahren seien besonders viele Bündner rekrutiert worden, sagte Gächter. Nicht selten entstanden in der gemeinsamen Ausbildung in der Grenzwacht-Schule Liestal und bei der späteren Arbeit auf zum Teil abgelegensten Posten lebenslange Freundschaften. Kommandant Markus Kobler attestierte den Geehrten, die zusammen immerhin 325 Jahre Dienst an der Grenze geleistet haben, «eine besondere Verbundenheit mit der Arbeit und der Bude».

Ertappter Instruktor

Beim Apéro und dem anschliessenden Mittagessen waren zum Teil unglaubliche, aber angeblich «alles wahre, verbürgte, aber verjährte Geschichten» zu hören. Da reiste doch über ein Zollamt in Südbünden ein ganzer Bus voll Schweizer «Mehrbesseren» auf der Rückreise aus den Ferien ein. Als Reiseleiter erkannte der junge Praktikant an der Grenze einen seiner strengsten und gefürchtetsten einstigen militärischen Ausbildner – in Zivil. Jener machte auf hemdsärmliger Kumpel, was aber den Grenzwächter erst recht stutzen liess. Die genaue Kontrolle des Busses förderte 250 Kisten Wein zutage und verzögerte die Weiterreise des Busses um rund fünf Stunden.

Hund als Dienstverweigerer

Ein anderer erzählte von einem italienischen Grenzwacht-Kollegen, der privat den kleinen Grenzübergang mit einem jovialen «tschau Kollega» passieren wollte. Der «Kollega» wurde neugierig, sah nach, und prompt hatte der Italiener unter der Motorhaube 50 Stangen Zigaretten verstaut. «Fein säuberlich. Der Motor war rot-weiss abgedeckt und nicht mehr zu sehen.»

Ein Hundeführer erzählte, wie sich sein Drogenhund einmal weigerte, ein Auto zu durchsuchen. Er sprang auf Geheiss seines Herrchens zwar mehrmals ins Auto, aber gleich wieder heraus. Die Grenzwächter glaubten, der Hund habe einen schlechten Tag, schlossen ihn in den Käfig und durchsuchten das Auto selber. In die Rückbank waren zwanzig Kilo Kokain eingearbeitet. Der Hund war sich eben gewohnt, nur kleinste Dosen schnüffeln zu dürfen. Der starke Duft hatte ihn buchstäblich kapitulieren lassen.

Einer der Geehrten kontrollierte einst nachts um vier Uhr ein Auto mit angetrunkenen Hochzeitsgästen. Die Braut bat ihn, den Pass ihres neu Angetrauten doch bitte mit dem Computer zu kontrollieren. Sie musste danach die Hochzeitsnacht allein verbringen. Ihr Liebster wurde von der Polizei vom Platz weg inhaftiert.