Interview

SP-Kantonsrätin Karin Hasler: «Zur Demokratie gehört Mut»

Karin Hasler aus Balgach rückt für die SP in den Kantonsrat nach. Am 2. Juni nimmt sie erstmals an einer Session teil.

Hildegard Bickel
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Karin Hasler ist in Balgach aufgewachsen und kehrte nach ihrem Studium der Sozial- und Politikwissenschaften in Fribourg und Zürich zurück ins Rheintal, wo sie sich politisch in der SP engagiert.

Karin Hasler ist in Balgach aufgewachsen und kehrte nach ihrem Studium der Sozial- und Politikwissenschaften in Fribourg und Zürich zurück ins Rheintal, wo sie sich politisch in der SP engagiert.

Bild: hb

Nach den Erneuerungswahlen am 8. März nahm die Sozialdemokratin den ersten Ersatz auf der SP-Liste ein. Als Parteikollegin Laura Bucher kurz darauf am 19. April in die Regierung gewählt wurde, ebnete sich der Weg für Karin Hasler in den Kantonsrat. Ob sie den frei gewordenen Sitz annehmen wollte, musste sich die 38-Jährige nicht lange überlegen.

Haben Sie Ihr Nachrücken Corona-konform gefeiert?

Karin Hasler: Ja, durchaus. Neben vielen elektronischen und telefonischen Glückwünschen haben mich Irma Graf und Ursina Sieber (SP Rebstein- Marbach) mit kleinen Geschenken, unter anderem mit einer selbst genähten Atemschutzmaske, überrascht. Das hat mich riesig gefreut. Auch mit meiner Familie, die mich enorm unterstützt hat, haben wir zu Hause im Garten gefeiert.

Sie sind seit zwei Jahren Präsidentin der SP Rheintal, seit Kurzem auch Co-Vize- Kantonalpräsidentin der SP St.Gallen. Werden Sie diese Ämter beibehalten?

Ja. Die Kooperation auf lokaler, regionaler und kantonaler Ebene bringt viele Synergien. Dies macht meine politische Arbeit sehr spannend und ermöglicht mir eine Nähe zu den Menschen, die mir sehr wichtig ist.

Beruf und Familie zu vereinbaren ist Ihnen ein besonderes Anliegen. Wie machen Sie sich dafür im Kantonsrat stark?

In diesem Bereich gibt es immer noch Nachholbedarf. Diesen gilt es vor allem in den ländlichen Regionen des Kantons wettzumachen. Dazu gehört auch das Rheintal. Dafür werde ich mich weiter einsetzen und versuchen, die konservativen Parteien davon zu überzeugen, dass es um Fairness und Freiheit geht bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und nicht um moralische Vorstellungen wie Familie sein soll.

Welche weiteren Schwerpunkte möchten Sie einbringen?

Neben der Familien- und Gleichstellungspolitik liegt mir vor allem die Arbeitnehmersicherheit am Herzen sowie Elektromobilität und eine umweltverträgliche Landwirtschaftspolitik. Für die beginnende Legislatur bin ich in der Kommission «Perspektiven der St.Galler Landwirtschaft» eingeteilt.

Worauf freuen Sie sich zum Auftakt der Session?

Im Kantonsrat gibt es super Leute. Vor allem freue ich mich auf die Kooperation innerhalb der SP-Fraktion und auf Diskussionen in den Kommissionen.

Die grösste Freude ist aber, dass ich Menschen und ihre Interessen vertreten darf. Ich freue mich sehr über dieses Vertrauen.

Vor welchen Situationen haben Sie Respekt?

Es wird sehr viel gute und wichtige Arbeit im Kantonsrat geleistet. Es gibt jedoch einen signifikanten Anteil im Rat, der kein Interesse daran hat, unseren Kanton weiterzuentwickeln. Dafür Geduld und Verständnis zu haben, wird eine Herausforderung für mich werden.

Inwiefern ist der Einzug ins Kantonsparlament eine Genugtuung für die Nicht-Wahl 2016, als Sie für das Schulratspräsidium Balgach kandidierten?

Dass ich damals kaum Chancen hatte, war mir klar. Meine Kandidatur war aber für den demokratischen Prozess wichtig. Dass ich den Mut dafür aufbringe, wollte ich den Balgacherinnen und Balgachern damals zeigen. Umso grösser war die Freude über die vielen Stimmen bei den Kantonsratswahlen diesen März.

Sie sind verheiratet, Mutter und beruflich tätig. Welches Familienmodell unterstützt Sie, diese verschiedenen Rollen zu leben?

Ich lebe mit meinem Mann, meinen zwei Söhnen (5 und 3 Jahre) und meiner Mutter in einem Mehrgenerationenhaushalt. Bald wohnt auch meine Schwester mit ihrer Familie Haus an Haus mit uns. Dieses Modell erlaubt mir meine selbstständige Tätigkeit als wissenschaftliche Lektorin, meine politische Arbeit und die Familienarbeit zu vereinen. Die Stärke dieses Modells liegt darin, dass stets eine Bezugsperson aus der Familie für die Kinder da ist. So können wir unsere Werte leben und diese mit Erwerbstätigkeit verbinden.

Mit Ihnen und Sandro Hess von der CVP stellt Balgach nun zwei Kantonsräte. Sehen Sie Vorteile dieser Konstellation?

Ich verstehe mich gut mit Sandro Hess und freue mich, dass ein Gspänli aus dem Dorf im Kantonsrat ist. Letztlich vertreten wir aber den Wahlkreis, weshalb diese Konstellation für mich nicht zentral ist.

Wie bereiten Sie sich auf die Sessionstage vom 2. bis 4. Juni vor?

Dazu gehört vor allem das Lesen der Geschäfts- und Kommissionsberichte sowie die Vorbereitungen innerhalb der Fraktion. In der Geschäftsleitung der SP St.Gallen waren wir ebenfalls vorberatend tätig. Wichtig ist jetzt natürlich, wie der Kanton mit der Coronakrise weiterhin umgeht. Dass wir aktiv sein müssen, ist mir klar – und dafür haben wir uns entsprechend vorbereitet.