Soul und Blues voller Leidenschaft

HEERBRUGG. Der zweite Abend der diesjährigen 5. Blues- und Jazztage in der Heerbrugger Schlossremise bot am Samstag ein regelrechtes Feuerwerk an Soul und Blues. Adesuwa und Hugh Bullen sowie Justina Lee Brown und die italienische Bluesband Morblus begeisterten das Publikum.

Max Tinner
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Morblus-Sänger und -Gitarrist Roberto Morbioli hat keine Berührungsängste: Er spielt auch mal mitten im Publikum.

Morblus-Sänger und -Gitarrist Roberto Morbioli hat keine Berührungsängste: Er spielt auch mal mitten im Publikum.

«Der heutige Abend geht in die Füsse», warnte Robert Pulfer die Konzertbesucher am Samstagabend in der Schlossremise. «Mich hat's schon beim Soundcheck nicht mehr gehalten», meinte auch Pascal Zäch. Die beiden Mitorganisatoren der diesjährigen Blues- und Jazztage versprachen nicht zu viel.

Das Kribbeln in den Füssen

Adesuwa und Hugh Bullen und ihre Band begeisterten mit funkigem Soul. Zwischendurch klang auch mal Reggae an. Gerne folgten jene mit einem Kribbeln in den Füssen der Einladung: «Feel free – come on dancing!»

Die Überraschung des Abends waren Justina Lee Brown und Morblus. Die Band bewies, dass exzellenter Blues nicht aus den USA kommen muss – die Italiener haben ihn mindestens so im Blut. Und die nigerianische Sängerin, die in Lagos aufgewachsen ist und heute in der Schweiz lebt, verblüffte mit einer Leidenschaft, die man ohne Übertreibung ekstatisch nennen kann.

Keine Berührungsängste

Einen Song, «Soulshine», widmete sie den vielen Menschen, die bei Unruhen in ihrer Heimat und sonstwo in der Welt sterben – «für nichts und wieder nichts». Dann gingen beim Singen die Gefühle mit ihr durch. «Entschuldigt die Emotionen», bat Justina Lee Brown danach. Auch Berührungsängste zeigte die Gruppe keine. Morblus-Bandleader Roberto Morbioli spielte Gitarre mitten im Publikum, und Justina Lee Brown liess sich bei «Ain't no sunshine» vom Widnauer Urs Walt auf der Blues-Harp begleiten.

Angesichts der Qualität der Musiker waren die 5. Blues- und Jazztage eher dürftig besucht. Die Konzerte vom Samstagabend zogen mit gut 250 Musikfreunden am meisten Publikum an. Platz hätten in der Schlossremise an die 400. «Dem Publikum hat es gefallen», stellten Pascal und Aldo Zäch am Sonntagmittag fest. Insofern seien sie als Organisatoren zufrieden.

Bekenntnis zur Kultur nötig

Sie liessen aber auch durchblicken, dass der Fortbestand der Blues- und Jazztage ein beherzteres Bekenntnis der Region zu diesem Kulturangebot benötigt – auch seitens der Gemeinden. Aldo Zäch weist auf deren Bestreben hin, die Region weiterzuentwickeln: «Mit dem Ansiedeln neuer Unternehmen ist es nicht getan», sagt er, «wollen wir Fachleute, die diese Unternehmen brauchen, hier halten, müssen wir ihnen auch kulturell etwas bieten.» Und mit Veranstaltungen wie den Blues- und Jazztagen beweise das Rheintal, dass man für erstklassige Kulturanlässe nicht nach St. Gallen, Zürich oder ins Ausland müsse.

«Ain't no sunshine when she's gone…» Urs Walt aus Widnau begleitete Justina Lee Brown spontan auf seiner Blues-Harp. Der Sängerin gefiel's!

«Ain't no sunshine when she's gone…» Urs Walt aus Widnau begleitete Justina Lee Brown spontan auf seiner Blues-Harp. Der Sängerin gefiel's!

Das Publikum liess sich von Adesuwa und Hugh Bullen mitreissen – und noch viel mehr von Justina Lee Brown und Roberto Morbioli im zweiten Konzert am Samstagabend. «Das ist kaum zu toppen», meinte ein begeisterter Besucher.

Das Publikum liess sich von Adesuwa und Hugh Bullen mitreissen – und noch viel mehr von Justina Lee Brown und Roberto Morbioli im zweiten Konzert am Samstagabend. «Das ist kaum zu toppen», meinte ein begeisterter Besucher.

Voller Leidenschaft: Justina Lee Brown und Morblus-Sänger und -Gitarrist Roberto Morbioli. «Entschuldigt bitte meinen Gefühlsausbruch», meinte die Sängerin nach dem Song «Soulshine». (Bild: Max Tinner)

Voller Leidenschaft: Justina Lee Brown und Morblus-Sänger und -Gitarrist Roberto Morbioli. «Entschuldigt bitte meinen Gefühlsausbruch», meinte die Sängerin nach dem Song «Soulshine». (Bild: Max Tinner)

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