Sorge um ungeschützte «Krone»

MARBACH. Bis kommenden Mittwoch liegt die Marbacher Schutzverordnung auf. In ihr ist festgehalten, welche Gebäude unter Schutz stehen. Das Restaurant Krone gehört nicht dazu. Weil nebenan abgebrochen und neu gebaut werden soll, bangen Marbacher nun auch um das Lokal.

Kurt Latzer
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Ein Bijou ist sie nicht, die «Krone», meinen die einen, «schützenswert allemal», die anderen. Weil das Gebäude in der neuen Verordnung nicht unter Schutz steht, machen sich Leute Sorgen über den Erhalt der Liegenschaft. (Bild: Kurt Latzer)

Ein Bijou ist sie nicht, die «Krone», meinen die einen, «schützenswert allemal», die anderen. Weil das Gebäude in der neuen Verordnung nicht unter Schutz steht, machen sich Leute Sorgen über den Erhalt der Liegenschaft. (Bild: Kurt Latzer)

Die «Krone» prägt den Dorfplatz nicht, weil ein solcher gar nicht existiert. Sie dominiert das Gebäude-Ensemble an der Kreuzung im Marbacher Zentrum, träfe die Beschreibung der Situation wohl eher.

Bundesrat zu Gast

Bekannt ist das Restaurant in der weiteren Region allemal. Als Treffpunkt und Versammlungsort. Einst hat gar ein Bundesrat von einem «Krone»-Fenster aus seinen Wahlsieg verkündet und eine Ansprache gehalten. «Karl Kobelt hat nach seiner Wahl zum Bundesrat von der <Krone> aus in Richtung Parkplatz eine Rede gehalten», erinnert sich Walter Benz. Der Marbacher Bürger Karl Kobelt wurde 1940 mit 117 Stimmen in den Bundesrat gewählt.

«Krone» für Strasse geopfert

Das war vor den 1940er-Jahren anders, wissen ältere Leute im Dorf. Denn als die heutige Zinggengasse Teil der Marbacher Hauptstrasse war, hat die «Krone» woanders gestanden. Sie wurde dem Bau der Staatsstrasse geopfert und der Gastronomiebetrieb in die ehemalige Stickereifabrik verlegt. Und dort ist das Restaurant Krone noch heute untergebracht. Unterlagen, die das Alter der ehemaligen Stickerei belegen, existieren nicht. Zumindest hat es den Anschein, weil auch Alexander Breu, Gemeindepräsident von Marbach, davon nichts weiss.

Ensemble schützenswert

Für die Inventarisierung schützenswerter Gebäude musste eine Spezialistin beigezogen werden, «Annina De Carli aus Kreuzlingen», sagte Breu. Aufgrund ihrer Arbeit wurde die Schutzverordnung erarbeitet. Festgelegt, welche Liegenschaften aufgenommen und welche ausgegliedert werden. Die Liegenschaft Krone ist nicht unter Schutz gestellt, was bei einigen Marbachern die Alarmglocken läuten lässt. Entgegen der Meinung De Carlis ist er überzeugt, dass nicht die «Krone» allein, sondern das ganze Ensemble mit den Gebäuden hinter dem Restaurant schützenswert ist. Denn im Gegensatz zur «Krone» wurden dahinter liegende Häuser als Kulturobjekt oder Naturschutzobjekt in die Schutzverordnung aufgenommen. Auf die Frage an Annina De Carli, weshalb die Liegenschaft Krone nicht aufgenommen wurde, teilte sie mit: «In Absprache mit Herrn Breu werde ich bezüglich des Schutzcharakters des Restaurants Krone keine Aussage machen.» Für Auskünfte solle man sich an die Gemeinde wenden.

Angst vor Abbruch

Der, der nicht genannt werden möchte, fürchtet um die Liegenschaft. «Gleichzeitig mit der Festlegung der Schutzverordnung wurden auch der kommunale Richtplan und der Zonenplan überarbeitet. Letztere beiden sollten erst nach der Schutzverordnung fixiert werden», meint der Marbacher. In einer Richtplan-Version im Herbst 2012 sei das Gebäude rot markiert gewesen. «In der aktuellen Version des Richtplanes ist die <Krone> nicht mehr rot bezeichnet», sagt der Bürger. Er gehe davon aus, dass das Restaurant einem Ersatzbau weichen soll. Er will dafür kämpfen, dass die «Krone»-Liegenschaft in der Schutzverordnung Platz findet. Seine Einsprache hat er bereits angekündigt.

Restaurant im Ortsbildschutz

Alexander Breu weiss, dass die «Krone» abgebrochen werden kann, wenn sie nicht in der Schutzverordnung aufgelistet ist. Aber selbst wenn ein Ersatzbau realisiert werden solle, biete der Ortsbildschutz eine gewisse Sicherheit. «Ein Neubau müsste dem Ortsbild angepasst werden, so etwa die Form des Daches und die der Fenster», meint der Marbacher Gemeindepräsident. Von einem entsprechenden Projekt wisse er nichts. Alexander Breu weist auf das Vorgehen des Gemeinderates im Zusammenhang mit den Neubauten neben der «Krone» hin. Dies habe man der kantonalen Denkmalpflege zur Prüfung überreicht.

Neubau zurzeit kein Thema

Einer, der wissen sollte, was mit dem Restaurant geschieht, ist Enver Yildirim. Denn ihm gehören nicht nur die beiden Häuser neben der «Krone», die abgebrochen werden sollen, sondern auch die Restaurant-Liegenschaft. «Der Abbruch des Hauses ist zurzeit kein Thema. Zur Diskussion steht gelegentlich einmal eine Modernisierung», sagt Yildirim auf Nachfrage. Ein Bijou sei das Gebäude ja nicht gerade, meint der Liegenschaftsbesitzer und Gastronom, aber wenn den Marbachern das Restaurant Krone so gefalle, sei ihm das recht.

«Wenn es gegen die Schutzverordnung Einsprachen gibt, gehen wir nochmal über die Bücher», sagt Alexander Breu.

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