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SOMMERSERIE RHESI - TEIL IV: Der Rhein und sein verwandeltes Bett

Mit der Verbreiterung des Flussbettes nehmen die Abflussgeschwindigkeit und damit die Belastung auf das Rheinbett ab. Das Anheben der Sohle wirkt sich auf vieles aus, auch auf den Grundwasserspiegel und damit das Projekt Rhesi.
Kurt Latzer
Wer die Kiesbänke im Rhein – wie etwa die zwischen Rüthi und Lienz – über einen längeren Zeitraum beobachtet, wird deren «Wanderung» nachvollziehen. (Bild: Kurt Latzer)

Wer die Kiesbänke im Rhein – wie etwa die zwischen Rüthi und Lienz – über einen längeren Zeitraum beobachtet, wird deren «Wanderung» nachvollziehen. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Das Flussbett des Rheins hat sich im Laufe der Jahre verändert, hat sich zwischen 1950 und 1974 um bis zu fünf Meter vertieft. Ursachen dafür waren Kies­entnahmen und Korrekturen des Flusslaufs.

«Anhand von Modellen und Simulationen hat sich gezeigt, dass sich das Bett des Rheins auch in Zukunft ändern wird», sagt der Schweizer Rheinbau­leiter Daniel Dietsche zum neuen Feststofftransportmodell. Vor etwa zwei Jahren habe man mit der Arbeit dazu begonnen.

Sohle wird seit bald 170 Jahren aufgezeichnet

Das alte Feststoffmodell ist 20 bis 30 Jahre alt und wurde von der ETH Zürich entwickelt. Seit den 1850er-Jahren gab es am Rhein die ersten Wasserbaugesetze, in denen auch die Zuständigkeiten geregelt wurden. «Bereits damals hat man die Rheinsohle alle 200 bis 300 Meter gemessen und aufgezeichnet.

Bis etwa 1970 hat man die Soh­lenaufnahmen jedes Jahr durchgeführt», sagt Daniel ­Dietsche. In kleinen Büchlein wurden die Daten festgehalten. Darin habe man den Rhein sogar mit seinen Kiesbänken aufgezeichnet. Die Seiten der Büchlein könne man entfalten, wodurch sich dem ­Betrachter eine Aufnahme des ganzen Flussabschnittes präsentiere. «Mit den Aufzeichnungen wurde die Wanderung der Kiesbänke nachvollziehbar», sagt der Schweizer Rheinbauleiter.

Zwischen 1936 und 1999 sind jährlich durchschnittlich 0,5 Mio. m3 Geschiebe entnommen worden, insgesamt 30 Mio. m3. Auf der St. Galler und Liechtensteiner Strecke des Rheins waren es etwa 15 Mio. m3.

Mit dem Kiesabbau wurde übertrieben

Zwischen 1950 und 1970 übertrieben es die Kieswerke. Hansjörg Sieber, Mitinhaber der Sigmund Sieber AG in Diepoldsau: «Damals wurde blödsinnig viel Kies aus dem Rhein geholt, bis zum Einsturz der Rheinbrücke zwischen Buchs und Vaduz im Jahr 1970.» Der übertriebene Abbau und die damit verbundene Absenkung der Rheinsohle haben beim seinerzeitigen Hochwasser dazu geführt, dass Kies unter den Brücken-Fundamenten weg­geschwemmt und flussabwärts transportiert wurde.

Nach diesem Zwischenfall wurde die Kies-Entnahme von den Behörden stark eingeschränkt und ist heute nur noch in der Rheinmündung erlaubt. «Die Sohle hatte sich um bis zu fünf Meter gesenkt», sagt Daniel Dietsche.

Das war nicht nur der Auslöser für den Einbau von Schwellen zur Stabilisierung der Flusssohle, sondern führte in den 1990er-Jahren zum ersten ETH-Feststofftransportmodell im St. Galler Abschnitt des Rheins. Heute darf nur noch an der Mündung Kies abgebaut werden, in den letzten zehn Jahren wurden jährlich rund 90 000 m3 Kies aus dem Rhein gebaggert. Der Vergleich zwischen dem alten und dem neuen Feststofftransportmodell hat unter anderem gezeigt, dass die Prognosen für die Sohlenveränderungen aus den 1990er-Jahren zutreffend waren.

Rheinsohle in Zukunft stabilisieren

Ziel der Gewässerbauer ist es, in den kommenden Jahrzehnten eine möglichst stabile Rhein­sohle zu schaffen. Das versuchen sie mit Aufweitungen des Flussbetts zu erreichen. In einem breiteren Fluss nimmt die Fliessgeschwindigkeit ab, damit auch die Be­lastung auf das Bett des Fliess­gewässers.

Der Alpenrhein kann dann nicht mehr so viel Geschiebe transportieren, was aufgrund der Erfahrungen und Abschätzungen dazu führt, dass bei den Aus­weitungen langfristig mit bis zu 1,5 Meter höheren Sohlenlagen zu rechnen ist. Dies wiederum hat eine positive Wirkung auf die Fische, die dann wieder in die ­Bäche ziehen können, die in den Rhein münden.

Dort, wo die Sohle sich zu sehr erhöht, muss in Zukunft ­wieder gebaggert werden.

Heute geht man davon aus, dass die Kiesentnahmen bei Lienz und bei Diepoldsau nötig sein werden.

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