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SOMMERSERIE RHESI: Rhein – die biologische Wüste

Der Rhein von der Ill bis zum Bodensee gilt heute als fischbiologische Wüste. WWF und Pro Natura möchten dies mit dem Projekt Rhesi ändern und dem Fluss neues Leben einhauchen. Dazu aber braucht es die sogenannten Trittsteine.
Kurt Latzer

Kurt Latzer

Um die Anliegen der Naturverbände im Zusammenhang mit dem Projekt Rhesi zu verstehen, ist es wichtig, Details zu kennen. Interessant hierbei ist der Vergleich des Rheins von einst und heute. Dies hilft zu verstehen, warum WWF und Pro Natura sich Trittsteine wünschen. Unter Trittsteinen versteht man Ausweitungen des Flusses, in denen intakte Lebensräume für Fisch- und Insektenarten geschaffen werden.

Korrektion und der beschnittene Lebensraum

In Abständen durchgeführte Monitorings am Rhein belegen: Der Fluss ist eine fisch- und insektenbiologische Wüste. Lukas Indermaur ist Gewässerbiologe ETHZ und Projektleiter Alpenrhein. Bei einem Besuch im WWF-Regio- büro in St. Gallen hat er den Wildbach von einst mit dem Kanal von heute verglichen.

«Das grösste Defizit ist die heutige Breite des Flussbetts», sagt Indermaur. Die dynamische Breite des Gewässers betrug vor der grossen Regulierung zwischen 250 und 680 Metern mit Mittelwerten von 350 bis 400 Metern. Heute ist das Bett des Rheins im Abschnitt zwischen Illmündung und Bodensee durchschnittlich 60 Meter breit. «Das ist eine Lebensraumverkleinerung von 85 Prozent, die 1860 bis 1890 vorgenommen wurde», sagt der Gewässerbiologe.

Der Rhein und seine amputierten Zuflüsse

Das sei an der Biologie des Flusses nicht spurlos vorübergegangen. Es gibt der Meinung Indermaurs nach zwei Haupteinflüs- se, die sich auf die Biologie des Rheins negativ ausgewirkt haben. Das ist einerseits die Korrektion mit der Reduzierung des Lebensraums, andererseits die Nutzung der Wasserkraft im Bündnerland. Insbesondere an der Ill, einem wichtigen Zufluss des Rheins. Wegen der Nutzung der Wasserkraft sinkt und steigt der Pegel des Rheins zum Teil mehrmals täglich. Indermaur: «Fischlaiche und Jungfische werden ausgewaschen oder stranden beim Absinken des Wasserspiegels auf Kies- oder Sandbänken, wo kein Überleben möglich ist. In Summe haben die Korrektion des Flusslaufs, die grossflächige Drainierung der Rheinebene und die Amputation der Zuflüsse dazu geführt, dass die Fischbiologie total am Boden liegt.» Die Seeforelle beispielsweise – der Lachs des Rheins – war Anfang der 1970er-Jahre so gut wie ausgestorben. Sechs Muttertiere hat man damals bei Reichen- au gefangen, gestreift und so begonnen, dem Aussterben entgegenzuwirken. Dank der Aufwertung des Lebensraums, ständigem Besatz und dem Bau von Fischtreppen hat das Aussterben des «Rhein-Lachses» verhindert werden können.

Bevor der Fluss, der unserer Region den Namen gegeben hat, zur biologischen Wüste wurde, war die Fisch-Biomasse im Rhein vergleichbar mit jener der Mur oder der Drau. «In den beiden Flüssen kann man mit bis zu 200 Kilogramm Fisch-Biomasse pro Hektar rechnen», sagt Lukas Indermaur. Zum Vergleich: Im Rhein, im liechtensteinischen Teil oberhalb der Illmündung hat man 1990 zehn Kilogramm Fisch-Biomasse pro Hektar herausgezogen. «Das ist lächerlich: Es ist nur ein Bruchteil, von dem was möglich wäre.

Zug vom See in den Fluss mit neuen Lebensräumen

Bei der Zahl der Fischarten fin- de das Trauerspiel seine Fort- setzung. Bis zur Korrektion des Rheins gab es im Fluss etwa 30 Arten. «Heute haben wir sechs häufige, schwimmstarke Arten, die teils vom Aussterben bedroht sind, und 14 Arten sind bereits ganz ausgestorben. Das ist fast die Hälfte der Fischarten von einst», sagt der WWF-Projektleiter Rhein. Ein Teil der im Fluss ausgestorbenen Arten existiert im Bodensee. Deshalb ist der See das Reservoir, von dem aus der Alpenrhein wieder besiedelt werden könnte. Es gibt dort viele Kinderstuben verschiedenster Arten. Heute steigen keine Tiere vom See aus in den Rhein auf, weil es dort für sie keinen Lebensraum mehr gibt. Ähnlich prekär wie bei den Fischen ist die Situation bei den bodenwohnenden Gewässerinsekten, den Nährtieren der Fische. Auch die Biomasse der Insekten nimmt vom Ober- bis zum Unterlauft stetig ab. Gelitten haben Fische und Insekten auch unter dem Verschwinden der stehenden Gewässer im Rhein. Grundwasserunterstützte Gewässer und sogenannte Giessen, Altläufe und Aufstösse existieren nicht mehr. Das waren früher wichtige und sehr artenreiche Lebensräume.

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