So sieht ein Job der Zukunft aus

Wie Familien heute leben und arbeiten, weicht immer mehr von traditionellen Rollenbildern ab. Die Gemeinde sieht es als Chance, mit einer professionell geführten Teilzeitstelle Gesellschaftsfragen abzudecken.

Hildegard Bickel
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Es ist ein Job mit wegweisendem Charakter. Er beweist, dass der Zeitgeist neue Anforderungsprofile erschafft. Obwohl die Digitalisierung in der Arbeitswelt Stellen gefährdet, bleiben Berufe im sozialen Bereich, die einen Umgang mit Menschen fordern, gefragt. «Wir leben in einer Welt mit vielfältigen Lebensarchitekturen und Familienstrukturen», sagt Gemeindepräsident Reto Friedauer. «Diese stellen auch höhere Anforderungen an unsere Gesellschaft.»

Bisher lassen sich Stellen für Gesellschaftsfragen eher auf kantonaler Ebene finden. Die Gemeinde St. Margrethen möchte ihre Tätigkeit in den Bereichen Frühförderung, Kinderbetreuung und Integration nun gezielt verstärken. Denn sie entsprechen einem wachsenden Bedürfnis der heutigen, jungen Generation und werden immer entscheidender, um Berufs- und Arbeitsleben zu vereinbaren.

«Dieses Themenfeld muss eine langfristig denkende Gemeinde interessieren», sagt Reto Friedauer.

Aufgaben und Profil sind bekannt

Das Pensum der Teilzeitstelle für Gesellschaftsfragen liegt bei 50 Prozent. Mitbringen soll die Person analytische Fähigkeiten, strukturelles Denken und Freude im Umgang mit Menschen.

Die Stelle ist budgetrelevant und muss mit der Vorlage am 29. März von den Stimmberechtigten an der Bürgerversammlung verabschiedet werden. Sie kam bereits bei der Infoveranstaltung zur Bildung einer Einheitsgemeinde Mitte Februar zur Sprache. Damals gab es keine Einwände. Ab April könnte die Aufbauphase der Stelle beginnen. «Wir müssen noch strukturelle Fragen klären», sagt Reto Friedauer. Wobei das Grundkonzept steht. Das Büro bezieht die künftige Ansprechperson für Gesellschaftsfragen beim BiB, der Bibliothek im Bahnhof. Dort, wo bereits im Rahmen eines erfolgreichen Pilotprojekts ein vielfältiges Angebot zur Verfügung steht.

Die Gemeinde finanziert Teilbereiche der Bibliothek und förderte mit dem Kanton den Aufbau eines Familien- und Begegnungszentrums. Dieses umfasst nebst der Bücherausleihe Beratungs- und Integrationsdienstleistungen, Kurse für Deutschlernende sowie regelmässige Veranstaltungen.

Mit der neu zu schaffenden Stelle soll künftig eine ausgewiesene Person für die Belange von Familie und Gesellschaft zuständig sein. Dazu gehört es, die Quartierschule zu leiten, wo Asylsuchende und andere In­teressierte Deutsch lernen, Begrüssungsgespräche und den Frauentreff durchzuführen, niederschwellige Beratung anzubieten, koordinative Aufgaben in Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit, der Jugendarbeit, dem Altersheim, den Kirchen und Vereinen zu übernehmen.

Ein wichtiges Thema ist auch der Ausbau der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung. «Es profitieren alle davon», sagt Reto Friedauer. «Die Stelle soll als Kompetenzzentrum von der Kindheit bis ins Alter dienen.» Ebenso wäre das Heft der Integration wieder stärker fokussiert in Gemeindehand, was er als Vorteil sieht. Die Bibliothek dürfte sich vermehrt auf die Bücherausleihe konzentrieren.

Trotzdem möchten die Stellen weiterhin eine partnerschaftliche Zusammenarbeit pflegen. Die neue Teilzeitstelle ist im Gutachten und Antrag betreffend der Bildung einer Einheitsgemeinde aufgeführt. Jedoch ist sie nicht davon abhängig, ob sich die Politische und die Schulgemeinde zusammenschliessen. Sie könnte aber unterschiedlich ausgeprägt sein, je nachdem, wie der Grundsatzentscheid zur Einheitsgemeinde ausfällt.

Stellenbeginn in diesem Jahr

Bei einem Ja wäre die Teilzeitstelle für Gesellschaftsfragen näher an die Schule gebunden, auf strategischer Ebene geleitet und unterstützt von einer ebenfalls neu zu bildenden Kommission Familie und Gesellschaft.

In jedem Fall soll die Stelle den Betrieb in diesem Jahr aufnehmen und eng mit der Gemeindeverwaltung zusammenarbeiten.