«So ruhig soll es bleiben»

DIEPOLDSAU. Severin Blatter, Yvonne und Annie Schmid haben beim Kanton Rekurs eingelegt. Sie wollen verhindern, dass die Sternenbrücke durch einen Neubau ersetzt wird und fordern eine Sanierung. Dafür mobilisieren sie andere Anwohner.

Monika von der Linden
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Aus dem geplanten Gespräch zwischen den Rekurrenten Severin Blatter (blaue Jacke), Annie Schmid (links von ihm) und Yvonne Schmid (rechts von ihm) und unserer Zeitung wurde ein Treffen von vierzig Bewohnern des Held-Quartiers. Sie waren mittels eines Flugblattes auf die Sternenbrücke eingeladen worden. (Bild: Monika von der Linden)

Aus dem geplanten Gespräch zwischen den Rekurrenten Severin Blatter (blaue Jacke), Annie Schmid (links von ihm) und Yvonne Schmid (rechts von ihm) und unserer Zeitung wurde ein Treffen von vierzig Bewohnern des Held-Quartiers. Sie waren mittels eines Flugblattes auf die Sternenbrücke eingeladen worden. (Bild: Monika von der Linden)

Die Sternenbrücke führt seit 112 Jahren über den Rheintaler Binnenkanal. Seit Januar 2012 schrieb unsere Zeitung mehrfach über die starken Schäden an Fahrbahn und Trägern, die Sperrung für den motorisierten Verkehr sowie den geplanten Ersatzbau – zuletzt am 14. Februar 2014 («Sternenbrücke bleibt vorerst offen»).

«Wir, Annie und Yvonne Schmid und Severin Blatter, würden gerne die Sichtweise der Einsprecher und der Quartierbewohner der Held aufzeigen», schrieb aufgrund des letzten Artikels Severin Blatter in einem E-Mail an die Redaktion.

Es kamen vierzig Anwohner

Zum vereinbarten Ortstermin am Donnerstagabend kamen nicht nur die drei Rekurrenten. Sie hatten im Held-Quartier Flugblätter verteilt. Vierzig Anwohnerinnen und Anwohner folgten der Aufforderung, sich Argumente gegen den Neubau anzuhören.

«Aus unserer Sicht ist die geplante Brücke völlig überdimensioniert», sagte Severin Blatter. «Ziel ist, die Stahlfachwerk-Brücke zu sanieren und die Hälfte der Kosten einzusparen.»

Das Neubauprojekt der Eigentümerin, der Politischen Gemeinde Diepoldsau, sieht eine Traglast von 40 Tonnen, eine Überhöhung von 75 Zentimetern und ein Budget von 1,3 Millionen Franken vor. Die Fahrbahn werde annähernd doppelt so breit wie jetzt, sagte der Einsprecher.

Als Beispiel der Machbarkeit nannte Blatter die Blacktenbrücke in Bauma, Kanton Zürich. Sie sei in Alter und Bauart vergleichbar und im Jahr 2012 für 620 000 Franken instand gestellt worden.

Entlastungsstrasse für Widnau

«Wir wollen verhindern, dass ein Schleichweg entsteht.» Er befürchte, die Gemeinde habe ein bisher nicht offengelegtes Gesamtkonzept, das einen Durchstich zur Autobahn vorsehe und zur Benutzung der neuen Sternenbrücke einlade. «Die Heldstrasse wird zum Autobahnzubringer und zur Entlastungsstrasse von Widnau», sagte er. «Dass gebaut wird, können wir nicht verhindern, aber die geplante Dimension schon.»

«Wir haben grosse Angst im Held-Quartier, dass unsere Wohnqualität und das Naturschutzgebiet Moosanger beeinträchtigt werden. Unsere Sicherheitsbedenken konnten die Behörden nicht entkräften.» Der Einlenker in die Brücke sei sehr gross geplant, schnelles Fahren werde möglich. Schulkinder könnten sich nicht auf den Rechtsvortritt verlassen.

«Ich bin sicher, die neue Sternenbrücke ist ein Schlüsselprojekt für die Überbauung Widen», sagte Blatter. Der Bauverkehr und später der der Anwohner, sollten durch die Heldstrasse geleitet werden. «Seit die Brücke gesperrt ist, ist es schön ruhig geworden im Held-Quartier», sagte Blatter zu der grossen, auf der Brücke stehenden Gruppe. Ab und zu liess sie Velofahrer oder Fussgänger passieren. Sonst gab es keine Störung. «So ruhig soll es bleiben!», bestätigten alle – fast wie aus einem Mund. Die Gemeinde bekäme den Fünfer und das Weggli. Sie könnte 600 000 Franken anders verwenden, zum Beispiel, um den Kanal auszubaggern.

Severin Blatter und seine beiden Mitrekurrentinnen stiessen auf grosse Zustimmung. «Passt auf die Gemeinden auf», sagte Adalbert Nigg. «Bei der Leica planen sie eine Unterführung. Dann wird der Durchstich zur Autobahn ein noch grösseres Thema.»

Urs Hollenstein: «Es ist nicht einzusehen, dass zwei Gemeinden nicht fähig sind, 800 Meter Birkenstrasse auszubauen. Dann wäre das Problem gelöst und der Wert unseres Wohnraums bliebe erhalten.»

Nach der spontanen Veranstaltung auf der Sternenbrücke luden die Einsprechenden noch zu einer Wurst ein, um sich besprechen zu können. Zuvor legte Severin Blatter den Anwohnern den 26. März, den Tag der Bürgerversammlung in Diepoldsau, ans Herz.

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