«Smoke on the Water» mit Hackbrett

Wer am Freitag in der Sonnental-Aula das Konzert des Trios «Anderscht» besuchte, kam in den unverhofften Genuss einer CD-Vorpremiere. «Saitenflug» wird erst Ende Monat getauft.

Maya Schmid-Egert
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Treue Zuhörerschaft: Das Publikum kam aus dem ganzen Rheintal. (Bilder: Maya Schmid-Egert)

Treue Zuhörerschaft: Das Publikum kam aus dem ganzen Rheintal. (Bilder: Maya Schmid-Egert)

RebsTein. Wären Andrea Kind, Fredi Zuberbühler und Baldur Stocker eine gewöhnliche Hackbrettformation, wäre es ein Klacks, ihre Musik zu beschreiben. Da sich die Sache aber ganz «anderscht» verhält, hier der Versuch einer Beschreibung: Die Paradenummer «Saitensprung» beginnt mit einem wehmütig gespielten Zäuerli. Vor dem inneren Auge taucht der Senn in gelber Hose und rotem Gilet auf.

Doch dann ziehen plötzlich andere Töne auf: Wüstengeflimmer durchschneidet die Idylle, orientalische Hackbrettklänge, so noch nie gehört, tragen in den Nahen Osten, vielleicht nach Ägypten. Der Senn verblasst, gleich scheint das Kamel um die Ecke zu traben. Das Bild schwindet sogleich: Es klingt wieder bekannt, lüpfig, wie in einer urchigen «Stobete». Ein Juchzer und die Musik landet wieder im Appenzell.

Spiel mit Kontrasten

Kontraste am Laufband, so funktioniert die Musik von «Anderscht». «Ba be te» ist chinesische Tempelmusik und das Volkslied «Babette» zugleich. Bei Smetanas «Moldau» zieht Andrea Kind die Töne fragil und anmutig mit den Schlegeln aus den Saiten. Harte Riffs, auch dies schafft das Hackbrett locker, schlägt Fredi Zuberbühler bei «Smoke on the Water» an.

Man staunt: «Anderscht» zieht das ganze Register von Volksmusik über Pop und Rock und Klassik bis zum Mass aller musikalischen Dinge: dem Jazz.

Wie eine Bigband

Bei Paul Desmonds weltbekannter Nummer «Take five» läuft das Trio zur Höchstform auf, die knapp dreihundert Saiten klingen raumausfüllend wie eine Bigband. Treibende Kraft dabei im Hintergrund: Baldur Stocker, der Mann am Bass.

Über die Zugabe darf das Publikum «landsgemeindisch» abstimmen – und wählt, wie könnte es «anderscht» sein, nicht das Volkslied.

Verblüffend, was dieses Trio alles seinen Instrumenten entlockt.

Verblüffend, was dieses Trio alles seinen Instrumenten entlockt.

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