Sieben barmherzige Kostbarkeiten

Barmherzigkeit gibt zu denken. Einerseits erscheint Barmherzigkeit notwendig und menschlich, andererseits weckt sie die Sorge, wie weit man damit denn gehen darf.

Carsten Wolfers Diakon In Widnau
Drucken
Teilen

Barmherzigkeit gibt zu denken. Einerseits erscheint Barmherzigkeit notwendig und menschlich, andererseits weckt sie die Sorge, wie weit man damit denn gehen darf. Darum werden in den theoretischen Erwägungen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gern in einem Atemzug genannt: Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit sei Grausamkeit, aber Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit sei die Mutter der Auflösung.

Die beiden brauchen einander. Diese Überlegungen sind wichtig, wenn sie zu denken geben, wie barmherzig ein Gott gedacht werden kann, wie viel Barmherzigkeit ich erhoffen kann und welche Barmherzigkeit ich geben könnte.

Praktischer erscheinen mir die sogenannten sieben Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote bestatten. Solche Aufzählungen lassen mich oftmals erst schmunzeln, eben eine Siebenzahl, leicht zu merken, sieben auf einen Streich, ähnlich den acht Kostbarkeiten. Auf ganz einfache, klare Weise drücken diese sieben Punkte aus, worin Barmherzigkeit besteht, wie ich als gläubiger Mensch Barmherzigkeit üben kann.

Solche sieben Punkte wiegen einfach schwerer als so manches gute Konzept, mit denen Kirchen ihre Zukunft planen. Dabei sind die sieben Werke der Barmherzigkeit ein ganz alter Hut. Ein Kirchenvater aus dem dritten Jahrhundert hat diese zuerst zusammengestellt, sorgsam darauf bedacht, das zur Geltung zu bringen, was die Bibel an gutem Tun empfiehlt. Die Kirchen haben sich über Jahrhunderte daran mal mehr, mal weniger gehalten. Diese Werke sind ein bewährtes, überdauerndes Rezept, wie christliche Barmherzigkeit ausschauen kann, einfach, kurz, konkret. Manche Gläubige gehen so weit, in solchen Taten Gottes Geist am Werk zu sehen.

Es verlangt mir Achtung und Respekt ab, darum zu wissen, dass über eine so lange Zeit schon viele Christen die Art Barmherzigkeit praktiziert haben.

Sie mögen es tun, weil es eben in der Bibel steht. Gläubige mögen so handeln, weil sie damit Jesus auf seinem Weg folgen, weil sie versuchen, durch Nächstenliebe auf Gottes Barmherzigkeit an ihnen zu antworten. Solche Lebenspraxis ist mehr als das Almosen, das ich einem Bedürftigen zustecke. Und die Werte, die in diesen Werken stecken, sind mir unendlich kostbar: die Nahrung, die Gesundheit, die Heimat, die Freiheit, ein Leben ohne Scham, ja auch der Respekt vor den Lebenden wie Toten. Es erscheint uns gerecht, dies jedem Menschen zu gönnen. Denn eigentlich geht es hier immer um die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen, gerade jenen, die bei den normalen menschlichen Bedürfnissen zu kurz kommen. Wenn Menschen so Gutes tun, dann ist solche Barmherzigkeit unendlich kostbar.

Aktuelle Nachrichten