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«Sie werden aggressiver»

ST.GALLEN. Schlägereien, Beleidigungen, Vandalismus: Am St. Galler Jahrmarkt wüten Betrunkene – sehr zum Ärger der Standbetreiber.
Daniel Walt
Vandalen am Werk: Diese Softice-Maschine der Confiserie Walliser wurde am Wochenende umgekippt. (Bild: Schweizerischer Marktverband)

Vandalen am Werk: Diese Softice-Maschine der Confiserie Walliser wurde am Wochenende umgekippt. (Bild: Schweizerischer Marktverband)

Randy Hauser ist geschockt. «Mit so etwas hätte ich nie gerechnet», sagt der 18-Jährige, der am Jahrmarkt am Süsswarenstand von Hablützel Bonbonnière arbeitet. Vier Betrunkene haben ihn am späten Freitagabend angegriffen. Ein blaues Auge, Schürfungen und Kopfschmerzen zeugen auch Tage danach vom Übergriff.

Am Ursprung der Auseinandersetzung stand, dass Randy Hauser und sein Vater gegen 22 Uhr zwei Männer daran hindern wollten, hinter den Stand zu pinkeln. «Die beiden reagierten nicht», blickt Hauser zurück. Schliesslich eskalierte der Streit: «Die Männer und ihre zwei Kollegen gingen unter wüsten Beschimpfungen auf mich los», sagt er. Die vier – Hauser schätzt sie auf 30 bis 35 Jahre – liessen erst von ihm ab, als die Polizei da war. Auch einer der Täter trug laut Hauser Verletzungen davon – er sei gegen den Nachbarstand gestürzt und habe sich dabei den Kopf blutig geschlagen.

«Am Abend habe ich Angst»

Betrunkene, die hinter Stände urinieren: Das ist ein Problem, das Marktfahrer gegenüber unserer Zeitung beim Augenschein am Montag immer wieder erwähnen. Ein Betroffener sagt, gewisse Leute hätten schon an seinen Stand gepinkelt, während er für sie einen Hamburger zubereitet habe. Ruth Walliser vom gleichnamigen Confiseriebetrieb aus Rheineck ärgert sich zudem über Beleidigungen, Vandalismus und Diebstahl: «Die Respektlosigkeiten haben zugenommen. Und die Leute werden immer aggressiver.» Tagsüber stehe sie gerne am Stand – «am Abend aber habe ich Angst».

Üble Beschimpfungen

«Schlampe» sei noch die angenehmste Beschimpfung, die man von Betrunkenen zu hören bekomme, sagt Odette Lang. Sie ist am Jahrmarkt mit einem Schiess- und Spielbetrieb präsent. Die Betrunkenen provozierten die Marktfahrer auch, erklärt sie: «Komm nach draussen, dann schlagen wir dich zusammen», heisse es etwa. Lang stellt zwar fest, dass auch anderswo an Messen und Märkten tüchtig gebechert werde – so hoch wie in St.Gallen sei die Aggressivität aber nirgends. Dem pflichten auch Ruth Walliser und Marcel Barth vom Tübacher Confiseriebetrieb Barth zu. Laut Barth sind es insbesondere Menschen im Alter von 14 bis etwa 30 Jahren, die jegliche Hemmungen fallenlassen.

Wie gehen die Standbetreiber persönlich mit dem Thema um? Männliche Marktfahrer, die von einer gewissen Postur sind, scheinen in einer besseren Ausgangslage zu sein. «Bei mir passiert möglicherweise weniger, weil ein grosser, starker Mann hinter dem Stand steht», sagt stellvertretend Marcel Barth. Marroniverkäuferin Loredana Breitenmoser ihrerseits betont, man dürfe die Betrunkenen nicht provozieren: «Faule Sprüche muss man ignorieren oder witzig kontern. Wer undiplomatisch ist, bekommt Probleme», sagt sie. Und bekennt, dass sie im Zweifelsfall lieber darüber hinwegsieht, wenn jemand hinter ihren Stand pinkelt.

Nur noch mit Pfefferspray

Zurück zu Randy Hauser. Trotz seiner unschönen Erfahrungen mache ihm die Arbeit hinter dem Stand nach wie vor Freude, sagt er. Die Konsequenzen aus dem Vorfall vom Freitagabend hat er allerdings gezogen: Er trägt am St.Galler Jahrmarkt jetzt einen Pfefferspray bei sich.

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