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«Sie sind einfach so, wie sie sind»

Christina Frei ist für den SRF-Award «Helden des Alltags» nominiert. Die Kriessnerin leitet den Chor Sunsingers für Menschen mit Behinderung. Seit der Nomination durchlebt sie ein Wechselbad der Gefühle – die Freude überwiegt.
Remo Zollinger
In einem Fotobuch hat Christina Frei die Erinnerungen, die sich in zwölf Jahren Sunsingers angesammelt haben, zu Papier gebracht. (Bild: Remo Zollinger)

In einem Fotobuch hat Christina Frei die Erinnerungen, die sich in zwölf Jahren Sunsingers angesammelt haben, zu Papier gebracht. (Bild: Remo Zollinger)

KRIESSERN. «Freude» ist ein Lieblingswort von Christina Frei. Sie wolle den Menschen mit Behinderung eine Freude machen, indem sie den Chor leite. Wichtig sei nicht, richtig zu singen, sondern einfach Freude an der Musik zu haben. Und sie spürte Freude, als sie von der Nomination erfuhr.

«Ich fiel aus allen Wolken»

Christina Frei serviert Wasser aus einer Glaskaraffe. Ihr Lachen zieht sich durch das ganze Gespräch, wenn sie nicht gerade durch die Fensterfront in Richtung Rebstein blickt. Dies tut sie, wenn sie nachdenkt.

Von der Nomination erfuhr zuerst ihr Mann. Er ging ans Telefon, als das SRF anrief. «Ich habe ihm nicht geglaubt», sagt sie, «bis ich es auf meinem Mail gesehen habe. Ich fiel aus allen Wolken und spürte zuerst nur Freude.» Dann habe sie nachgedacht. Darüber, was auf sie zukommt und wieso nicht der ganze Chor nominiert wurde. «Ich mag es nicht, mich in den Vordergrund zu drängen.» Dann habe sie SRF aber doch zugesagt. «Ich mache das für die Teilnehmer, für ihre Eltern und Angehörigen.»

«Man kann noch so viel Geld verdienen, aber was mir diese Menschen geben, ist unbezahlbar; diese Kraft, diese Freude …» Da ist sie wieder, die Freude. Nicht nur in ihrer Stimme, auch in ihren Augen, die funkeln, wenn sie über die Sunsingers spricht. Müdigkeit nach zwölf Jahren Chorleitung? Keine Spur.

Physisch und mental fit

Die ausgebildete Heilpädagogin ist fit. Sie mache viel für ihre Gesundheit, könne beim Sport vieles verarbeiten. Fitness sei nötig: Körperliche Fitness, weil eine Probe zwei Stunden dauert und der Chor stets in Bewegung ist. Mentale Fitness, weil die Chorleitung herausfordernd ist. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu gross werden: Wir sind jetzt 55 Mitglieder, das ist an der Grenze», sagt sie.

Aber sie könne doch niemanden abweisen, der im Chor mitmachen will. Andere hätten nicht die Möglichkeit, teilzunehmen, weil ihnen Unterstützung fehle. Einige Teilnehmer haben gesundheitliche Probleme: Es ist noch nie etwas passiert, trotzdem habe sie das im Hinterkopf. Und sei froh darum, zwei Krankenschwestern im Chor zu wissen. Über zwischenmenschliche Probleme spricht Christina Frei nicht: Es gebe keine.

Der Funke springt rasch

Sowieso spricht sie lieber über die positiven Seiten. «Es ist schön, zu sehen, wie rasch der Funke jeweils springt. Bei den Menschen mit Behinderung ist die Hemmschwelle viel tiefer, sie fragen sich nicht, ob sie so auftreten können, wie sie es tun», sagt Christina Frei. Dies schätze das Publikum: «Sie sind einfach so, wie sie sind.»

Dabei fragte sich Christina Frei nach der Gründung der Sunsingers, ob sie wirklich in der Öffentlichkeit auftreten sollten. «Ich fragte mich, ob wir ausgelacht werden», sagt sie. «Doch rasch kam die Gewissheit: Wir dürfen rausgehen und uns zeigen.» Die Menschen mit Behinderung seien anders, brauchten einen geschützten Rahmen. «Aber sie wissen, wie man auftritt, wie man Applaus abholt und sich verneigt.»

Vollblut-Musikerfamilie

Die Familie Frei könnte als Band Karriere machen: Alle spielen in der Musikgesellschaft Kriessern, Vater Norbert ist Dirigent. Sohn Andreas spielt bei den Fäaschtbänklern, Benjamin beim Rex Quintett. Die Töchter Angelika und Alexandra sind Lehrerinnen, die Wert auf die musische Entwicklung ihrer Schulkinder legen. Mutter Christina leitet die Sunsingers und daneben den Familienchor, in dem Jung und Alt singen können. Die Familie, sagt Christina Frei, sei Rückhalt und Unterstützung.

Auch jetzt, wo sie plötzlich in der Öffentlichkeit steht. «Die vielen positiven Rückmeldungen für mein Engagement geben mir ein schönes Gefühl.»

«Sind jetzt schon Sieger»

Die Chancen, am 20. März Heldin des Alltags zu werden, mag Christina Frei nicht einschätzen. Es komme, wie es komme, sagt sie, und: «Wir sind jetzt schon Sieger.»

Ein Fest gebe es sowieso, wenn die Sunsingers im Car nach Zürich reisen und dort ein Lied singen dürfen.

Voting: www.srf.ch/radio-srf-1/helden-des-alltags-2

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