Sichere Geschäfte im Ausland

BERNECK. Exporthandel vorfinanzieren und versichern – mit diesem Vortragsthema traf der Arbeitgeberverband den Nerv der Rheintaler Firmen. Zwei lokale Unternehmer berichteten über eigene Erfahrungen mit Risikoversicherungen.

Seraina Hess
Merken
Drucken
Teilen
Franziska Pöltinger (CEO Nuga Systems AG, Balgach) und Roland Eugster (CFO Soplar sa, Altstätten) sind mit ihren bisherigen Versicherungslösungen im Exportgeschäft zufrieden. (Bild: Seraina Hess)

Franziska Pöltinger (CEO Nuga Systems AG, Balgach) und Roland Eugster (CFO Soplar sa, Altstätten) sind mit ihren bisherigen Versicherungslösungen im Exportgeschäft zufrieden. (Bild: Seraina Hess)

In Europa würden die Schweizer Unternehmen künftig zwar einen Teil ihres Absatzmarktes verlieren; neu zu entdecken gelte es aber die Schwellenländer. «An neue Perspektiven sind jedoch auch neue Risiken geknüpft», sagte Bettina Kesseli. Die Leiterin KMU Rheintal bei der UBS führte damit in den Themenabend des Arbeitgeberverbands Rheintal über Exportrisikoversicherungen ein, der am Mittwochabend in den Räumen der Optiprint AG in Berneck stattfand.

Die Risiken, mit denen exportorientierte Unternehmen konfrontiert werden, stellte Verena Utzinger von der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (Serv) vor. Dazu gehören gerade bei Schwellenländern unter anderem die politischen Unwägbarkeiten, die zu Zahlungsausfällen beim Käufer führen können, verursacht durch Krieg oder Unruhen in der Bevölkerung. Auch die Zahlungsunwilligkeit oder -unfähigkeit des ausländischen Auftraggebers gehören zu den Gefahren.

Mittel für die Produktion

Genutzt würden die Versicherungen derzeit vor allem bei Exportgeschäften mit Russland oder der Türkei, wobei vor allem die Branche Schienenfahrzeuge und Bahntechnik aktiv sei – Stadler Rail ist ein bekanntes Beispiel. Was aber bedeutet es in der Praxis, eine Exportrisikoversicherung abzuschliessen? «Wenn ein Auftrag eingeht, heisst das nicht, dass der Kunde automatisch auch zahlungsfähig ist», erklärte Thomas Kaufmann von der UBS. Der Exporteur ist also darauf angewiesen, genügend Geld für Vorleistungen wie Planung, Produktion oder Kosten der Unterlieferanten bereitzustellen. Wenn die Kreditlimite des Unternehmens bei der Bank bereits erreicht ist, kommt beispielsweise die Fabrikationskreditversicherung zum Zug. Ein gutes lokales Beispiel dafür ist Franziska Pöltinger, CEO der Nuga Systems AG. Ihr KMU nimmt die genannte Versicherung in Anspruch, denn die Recycling-Anlagen des Balgacher Unternehmens werden in die ganze Welt geliefert. Benötigt die Nuga Systems AG einen Betriebskredit, um die Herstellung der Exportgüter vorzufinanzieren, garantiert die Serv gegenüber der Bank die Rückzahlung. Eine noch komplexere, dem Unternehmen angepasste Lösung stellte die Firma Soplar sa vor: Als Hersteller von Maschinen für die Verpackungsindustrie mit einem grossen Werk in Altstätten und einem kleineren im indischen Bangalore lebt die Firma nahezu zu hundert Prozent von der Exportwirtschaft.

Soplar nutzt deshalb die Lieferantenkreditversicherung: Eine Versicherung, die den Ausfall von entstandenen Bar- oder Kreditforderungen gegenüber einem ausländischen Käufer für erbrachte Lieferungen garantiert. So erhält der Exporteur sein Geld von der Schweizerischen Exportversicherung, wenn ein Risiko zu einer Nichtauszahlung führt. «Mit dem Lieferantenkredit versucht Soplar aber auch, dem Kunden durch mögliche Ratenzahlungen mehr Flexibilität zu verschaffen», sagte CFO Roland Eugster.

Sonderlösung für grosse Firmen

Zu den grössten Abnehmern der Maschinen gehört ein Österreicher Unternehmen mit 140 Tochtergesellschaften, verteilt auf der ganzen Welt. Deshalb schloss Soplar eine Gesamtlösung mit der Serv ab – eine Prüfung vor Versicherungsabschluss findet nicht mehr bei jedem einzelnen Geschäft statt, sondern nur noch einmal im Jahr.

Dass in Bezug auf Lieferantenkredite keine Grenzen gesetzt sind, zeigen Zahlen der Serv: Summen von 50 000 bis hin zu 500 Millionen Franken werden versichert – sowohl von KMU als auch von grösseren Schweizer Unternehmen.