Sgraffito wieder am alten Platz

BERNECK. In einer spektakulären Aktion wurde gestern das Jüstrich-Wandbild wieder an der Ostfront des Neubaus angebracht, der den Platz der ehemaligen Metzgerei Spiess einnimmt. Das Frühwerk von «Strax» hat alles unbeschadet überstanden.

Maya Seiler
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Unbeschadet kam das Sgraffito zum Vorschein …

Unbeschadet kam das Sgraffito zum Vorschein …

Fast wäre das Frühwerk von Walter Jüstrich, genannt Strax, im Oktober 2009 dem Abbruchbagger zum Opfer gefallen. Es zierte lange Jahre die Ostfront des Hauses Nummer neun im Kübach, in welchem sich während Generationen die bekannte Metzgerei Spiess befand. Der junge Künstler hatte das Bild, welches die Schöpfungsgeschichte zeigt, im Auftrag von Otto und Claire Spiess angefertigt.

Nicole Spiess, Enkelin von Otto und Claire, übernahm die Liegenschaft der Grosseltern und liess einen Neubau mit zwei Wohnungen erstellen. Das alte Haus wurde abgebrochen, das Jüstrich-Werk in letzter Minute gerettet. Es gelang, das vier auf dreieinhalb Meter messende Bild zu sichern und fachgerecht aus der Mauer zu brechen. Den Winter verbrachte es in einem Zwischenlager.

Das in Sgraffito- oder Kratzputz-Technik hergestellte Bild trotzte nicht nur während Jahren allen Witterungseinflüssen; es überstand auch den Abbruch und die Zwischenlagerung ohne den geringsten Schaden.

Rückkehr eines Bildes

Erfreulich ist, dass die junge Bauherrin in Zusammenarbeit mit dem Architekten Hand bot, das schützenswerte Wandbild wieder am Neubau anzubringen, nur wenige Meter vom ursprünglichen Platz entfernt.

Nun ist der Bau im Kübach fast fertig; bald werden die neuen Bewohner einziehen. Bereits gestern hat «der Jüstrich» den kurzen Umzug vom Kübach 17 zum Haus Nummer neun gemacht. Ganz so einfach war die Aktion aber nicht. Fachmann René Schürpf von HWS Holzdesign Berneck hatte das Wandbild auf einer teppichbezogenen Platte gelagert und zum Bearbeiten auf einer Holzkonstruktion befestigt.

Dann wurde es mit einem Metallrahmen gesichert, der auch zum Wiederanbringen an der Hauswand diente.

Der Manitou half

Beim Aufladen und Transport des einzigartigen Werks wurde Schürpf von Zimmermann Thomas Thurnheer und Dachdecker Roman Bieri unterstützt. Mit dem Manitou, einem drehbaren Teleskopstapler, beförderte Bieri das 1,5 Tonnen schwere Gebilde zu seinem ursprünglichen Standort.

Station im Jüstrich-Rundgang

Noch muss die Holztäferung angebracht werden, dann wird das Bild in alter Schönheit wieder für viele Jahre den Ort zieren, an dem es entstanden ist. Vor anderthalb Jahren wurde auf Initiative einer Gruppe alter Freunde von Strax ein Dorfrundgang «Auf den Spuren von Walter Jüstrich» eröffnet. Dieser Themenweg führt Kunstinteressierte zu verschiedenen Werken Jüstrichs, welche den öffentlichen Raum des Dorfes zieren.

Eine der Stationen ist das Wandbild am Haus Spiess, welches nun wieder von jedermann besichtigt werden kann.

… und ziert nun wieder das Haus im Kübach. (Bilder: Maya Seiler)

… und ziert nun wieder das Haus im Kübach. (Bilder: Maya Seiler)

Nicole Spiess (Bild: pd)

Nicole Spiess (Bild: pd)