Sex mit Blut und Gewalt

Die psychiatrischen Gutachter stellten gestern dem Angeklagten im Callgirl-Prozess eine schlechte Prognose: nicht therapierbar und hoch rückfallgefährdet.

Stefan Borkert
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Das Urteil erfolgt nächste Woche. (Bild: Archiv)

Das Urteil erfolgt nächste Woche. (Bild: Archiv)

Weinfelden. Am Schluss des zweiten Verhandlungstages wollte der 43-jährige Angeklagte kein Wort mehr sagen. Er bleibt dabei, das 30-jährige Call-Girl im August 2008 nicht erstochen zu haben. Zahlreiche Spuren der Tat soll die Polizei manipuliert haben. Neben den kriminaltechnisch festgestellten Spuren, wird er auch durch die psychiatrischen Gutachten belastet.

Das Gesetz verlangt bei lebenslanger Verwahrung die Begutachtung durch zwei unabhängige erfahrene forensische Gutachter. Das Bezirksgericht Weinfelden hat diese bestellt.

Will sie ohnmächtig sehen

Beide kommen zu dem Schluss, dass es solch einen Fall wie hier selten gebe. Zum jetzigen Zeitpunkt und in absehbarer Zukunft sei der Angeklagte nicht therapierbar und stark rückfallgefährdet. Gründe dafür finden die Gutachter auch in der Vergangenheit des Angeklagten.

So wurde er nicht nur bereits zwei Mal wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung sowie anderen Gewaltdelikten im Thurgau verurteilt. Weil ihm die Tat nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, ist er Anfang der 90er-Jahre freigesprochen worden. Damals geriet er in den Verdacht, in Kreuzlingen eine Frau erstochen und dann die Wohnung angezündet zu haben, um Spuren zu verwischen.

Ein Gutachter wusste von sieben Freundinnen, die alle von sexueller Gewalt in der Beziehung berichteten. Der andere Gutachter sagte, dass der Angeklagte immer wieder das Messer beim Sex eingesetzt habe. Er habe die Frauen geschnitten, gewürgt und geschrien, er wolle sie ohnmächtig sehen. Die Lust am Leiden anderer, Blut und Sadismus würden seine Vorliebe zu Gewalt belegen.

Als Kind habe er schon Mäuse mit Strom «behandelt» und später Nadeln in die Brüste seiner Partnerin gestochen. Hinzu komme der Alkoholmissbrauch. Bei den angewandten, anerkannten psychiatrischen Prognoseinstrumenten, würde er so gut wie alle negativen Aspekte erfüllen. Es gebe bei dem Angeklagten derzeit keinen Ansatzpunkt für eine fachärztliche Therapie. Der Mann sei dauerhaft nicht therapierbar, es sei denn, es würde sich etwas grundlegend ändern. Doch auch dafür fand der erste Gutachter keinen Anhaltspunkt.

Die Rückfallwahrscheinlichkeit sehen beide Psychiater bei 50 Prozent und mehr. Normalerweise liege diese bei Tötungsdelikten im einstelligen Bereich. Ob denn ein Gutachten auch noch in 20 Jahren gelte, fragte der Verteidiger. Worauf der Gutachter noch einmal betonte, dass wenn es so weitergehe, sich nichts ändern werde. Trotz seiner psychischen Störungen, der dissozialen Persönlichkeit und den erheblichen psychopathischen Aspekten sehen die Gutachter den Angeklagten als schuldfähig an.

Prognose überprüfen

Für die Staatsanwältin gab es nach der Befragung der Forensiker keinen Grund von ihren Anträgen abzuweichen. Der Verteidiger betonte, dass bei einer Verurteilung eine überprüfbare Verwahrung angeordnet werden solle. Die Gutachter sehen die lebenslange Verwahrung ohne Überprüfung kritisch. Man könne nur wissen, ob die Prognose zutreffe, wenn sie später überprüft werde.

Das Urteil wird am 7. Oktober erwartet.