Seppetoni bleibt unvergessen

Das Oberegger Original war eine Jahrmarktattraktion, ein schlagfertiger Sprücheklopfer und ein begeisterter Jasser.

Peter Eggenberger
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Eine Illustration der beiden von Ernst Bänziger aus dem Buch «Vo Wiertschafte ond Wiertshüüsler».

Eine Illustration der beiden von Ernst Bänziger aus dem Buch «Vo Wiertschafte ond Wiertshüüsler».

Bild: pd

Die Kleinwüchsigen Seppetoni und Kathri von Oberegg waren in der ganzen Schweiz und darüber hinaus bekannt. Der im April 1940 verstorbene Seppetoni ist als legendärer Botschafter des Appenzellerlands und als Meister der Schlagfertigkeit in die Geschichte eingegangen.

Der 1868 geborene Seppe­toni gehörte mit seiner Schwester Kathri (Jahrgang 1869) seinerzeit zu den Attraktionen auf Jahrmärkten landauf und landab. Der 85 Zentimeter kleine Mann reiste mit seiner jüngeren Schwester Kathri und dem normalgewachsenen Bruder Alois von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, wo die auffälligen Leutchen aus dem Appenzellerland gebührende Beachtung fanden.

Die Wirtschaft Falken wurde zu ihrer Heimat

Nachdem der grosse Bruder Alois im Jahr 1904 die Wirtschaft Falken im Oberegger Weiler Sulzbach übernommen hatte, trug Seppetoni viel zur Unterhaltung der aus dem In- und Ausland stammenden Gäste bei.

Seine Schlagfertigkeit, seine originellen Sprüche und sein Können beim Jassen waren weitbekannt. Verlieren war aber nicht sein Ding, und immer wieder verstand er es, dem Kartenglück mit geschicktem Schwindeln nachzuhelfen.

Eine ganz spezielle Brille aus Altstätten

Eines Tages aber jammerte der kleine Mann lauthals, dass er die Trümpfe nicht mehr sehe. Zu den in der Wirtsstube sitzenden Gästen gehörte jedoch ein Optiker aus Altstätten.

Dieser versprach, Seppetoni eine Brille zu besorgen. Bei der nächsten Einkehr breitete der Augenfachmann eine ganze Auswahl von Brillen auf dem Tisch aus. Der Kleine probierte eine nach der anderen – und jedes mal beklagte er sich, er sehe noch weniger und könne kaum Schellen von Eicheln unterscheiden. In seiner Verzweiflung setzte der Optiker dem Patienten ein Brillengestell ohne Gläser auf die Nase.

Seppetoni blinzelte, schaute in die Zeitung und rief: «Die nemmi, mit dere sächi guet ond ka wider alls lese!»

Kathri hielt sich im Hintergrund

Viel gäbe es auch über Schwester Kathri zu erzählen. Im Gegensatz zu ihrem Bruder Seppetoni aber hielt sie sich im Hintergrund, war schüchtern und sprach nur das Nötigste. Sie war deutlich weniger auffällig als ihr Bruder.

Dafür war sie hilfsbereit. Am liebsten hielt sie sich in der Küche auf, wo sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten nützlich machte. Kathri verstarb vier Jahre nach ihrem Bruder.

Bis heute aber werden immer wieder auch in Büchern festgehaltene Episoden aus dem Leben der beiden Kleinwüchsigen erzählt, die damit Unsterblichkeit erlangt haben.