Seit Montag dürfen Sportvereine wieder trainieren – Widnauer Faustballer sind die Trainingsfleissigsten

Seit Montag dürfen Sportvereine wieder trainieren. Einige machen davon Gebrauch, die meisten warten aber auf die nächste Lockerung.

Yves Solenthaler
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Faustball Widnau trainierte am Montag als erster Rheintaler Sportverein nach den Richtlinien des Corona-Schutzkonzepts. Dazu gehört auch die hier von Remo Pinchera erledigte Desinfektion der Bälle.

Faustball Widnau trainierte am Montag als erster Rheintaler Sportverein nach den Richtlinien des Corona-Schutzkonzepts. Dazu gehört auch die hier von Remo Pinchera erledigte Desinfektion der Bälle.

Bilder: ys

Wochenlang war es schönstes Wetter, aber am Montagabend ist es kalt und stark regnerisch auf dem Sportplatz Lugwies in Widnau. Trainer André Stoffel begrüsst zehn Spieler der dritten und vierten Mannschaft zum ersten Training nach dem Corona-Lockdown.

Die Faustballer trotzen dem Regen und den Vorgaben des Bundes. Sie haben aus zwei Spielfeldern vier Bereiche abgesteckt, wo in Fünfergruppen (vier Spieler, ein Trainer) trainiert wird. Sie haben ein eigenes Schutzkonzept erstellt, gestützt auf den Schweizer Turnverband. Remo Pinchera, Convid-19-Beauftragter des Klubs, sagt: «Seit dem Entscheid zur Lockerung vor rund drei Wochen hatten wir jeden Tag Arbeit, um den Mannschaften die Trainings zu ermöglichen.»

Faustballer trainieren, Fussballer pausieren

Der Sportplatz gehört Faustball Widnau sowie dem Turnverein. Deshalb musste das Konzept nicht von der Gemeinde bewilligt werden. «Dennoch haben wir die Gemeinde über unser Vorgehen informiert», sagt Pinchera. Die Faustballkollegen in Diepoldsau spielen auf einer Gemeindeanlage. Sie erhielten die Bewilligung erst am Montagabend – zu spät fürs erste Training. Aber ab Mittwoch wird gemäss dem Corona-Beauftragten Malik Müller auch beim amtierenden Schweizer Meister auf dem Feld wieder trainiert.

In Widnau sind von Anfang an alle Mannschaften ausser den Senioren in den Trainingsbetrieb eingebunden. In Diepoldsau machen die NLA- Teams (Frauen und Männer) den Anfang, ab nächster Woche trainieren weitere Equipen.

Faustball wird ohne Körperkontakt gespielt. Deshalb wird die Sportart mit Social Distancing nicht total entfremdet. «In der Ballschule halten wir auch sonst immer einige Meter Abstand», sagt Pinchera. Im Tennis (Einzel) können sogar Matches gespielt werden – wenn das Wetter besser wird, sind auf vielen Rheintaler Plätzen auch bald wieder Tennisspieler zu sehen.

In Zweikampf-Sportarten sieht die Sache anders aus. «Fussball ohne Zweikampf? Sinnlos wie ein Brauereibesuch ohne Bierkonsum», sagt Kuno Jocham, Präsident des FC Widnau. Auch bei den anderen Fussballvereinen tönt es ähnlich, der FC Heiden schreibt auf seiner Homepage: «Spielformen als essenzieller Bestandteil der Trainings sind nicht gestattet.» Deshalb bleiben fast alle Fussballplätze bis am 8.Juni geschlossen. «Wir hoffen, dass wir dann wieder ohne Einschränkungen trainieren können», sagt Roman Müller, Präsident des FC Diepoldsau-Schmitter.

Fussballteams zu gross, Ringen zu körperlich

Nur in Rebstein und Rüthi werden in den kommenden Wochen Fussball-Kleingruppen anzutreffen sein. Rebstein ist als Eigentümer der Anlage freier als andere Vereine, und in Rüthi hat Juniorenobmann Simon Ammann das Schutzkonzept allein und trotz Skepsis des Vorstands auf die Beine gestellt.

Allerdings trainieren sowohl in Rüthi als auch in Rebstein nur zwei oder drei Nachwuchsteams. Die erwachsenen Fussballer pausieren weiterhin im ganzen Rheintal. Die Mannschaftsgrössen sind denkbar ungeeignet für die Umsetzung der Vorgabe, dass nur in fixen Fünfergruppen trainiert werden kann. Rheinecks Präsident René Sutter kann nicht verstehen, dass die Massgaben für Profis gelockert wurden, für Amateure aber nicht: «Es wird mit unterschiedlichen Ellen gemessen.»

Der Trainingsstart eilt im Fussball auch deshalb nicht, weil die Saison schon abgesagt wurde. Die Kicker werden frühestens in der nächsten Saison wieder Punktspiele bestreiten. Dagegen hoffen die Faustballer immer noch darauf, im Sommer eine abgespeckte Version der Saison in Angriff zu nehmen. Es könnte zum Wettbewerbsnachteil werden, nicht frühzeitig mit dem Training zu beginnen.

Kampfsport wird es im August sicher noch nicht geben: Ein Ringer verstösst in jeder Sekunde des Kampfs gegen das Social Distancing. Dennoch wollen die Rheintaler Ringervereine so schnell wie möglich wieder üben: Der RC Oberriet-Grabs plant, nächste Woche in die Sporthalle zurückzukehren, der RS Kriessern wird dies verwehrt – die Gemeindeanlagen sind bis 8.Juni geschlossen.

Unterschiedlich reagieren auch andere Hallensportarten auf den ersten Lockerungsschritt: Bei Rheno Volley und dem Handball-Club Rheintal bleiben die Hallen geschlossen, die Gators (Unihockey) bieten dagegen ab heute Mittwoch wieder Hallentrainings an.