Seit fünf Jahren für ältere Menschen da

WIDNAU. Am 1. September 2010 gründete Widnau mit der «Drehscheibe» ein kostenloses Beratungsangebot für Seniorinnen und Senioren und deren Angehörige. Was hat sich in der Zwischenzeit verändert?

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Doris Schlegel liebt ihre Arbeit in der «Drehscheibe» im Haus Augiessen. (Bild: pd)

Doris Schlegel liebt ihre Arbeit in der «Drehscheibe» im Haus Augiessen. (Bild: pd)

WIDNAU. «Man darf mit allen Fragen zu mir kommen, je komplizierter, desto lieber», sagt Doris Schlegel und lacht. Die Pflegefachfrau und Gesundheitsberaterin arbeitet nicht nur in der «Drehscheibe»; sie ist die «Drehscheibe», und zwar mit Leib und Seele. Die kostenlose Beratungsstelle bietet Unterstützung in allen kurz- und langfristigen Lebenssituationen, vom Gesundheits-Hilfsmittel über die Wohnungsanpassungs-Beratung bis hin zur Vermittlung möglicher Übergangslösungen in Sachen Pflege und Betreuung. Seit 2010 hat die Stellenleiterin ein dichtes Kontaktnetz mit Fachstellen geknüpft. Kann sie selbst nicht weiterhelfen, so etwa in finanztechnischen Fragen, weist sie ihre Klienten gezielt weiter.

Von Montag bis Freitag

Die zu Beginn eingerichteten fixen Sprechstunden gibt es zwar nicht mehr, ein Besprechungstermin ist dafür auch in den Abendstunden möglich. Obwohl sie weiterhin zu 50 Prozent arbeitet, ist Doris Schlegel von Montag bis Freitag telefonisch erreichbar. Nimmt sie nicht ab, ruft sie innerhalb von 24 Stunden zurück. Und wenn sich eine Combox-Meldung wie ein Notfall anhört, reagiert sie noch schneller. «Die Leute sollen spüren: Da ist jemand da, der sie unterstützt.» Am Telefon, zu Hause oder nach Vereinbarung im Büro der «Drehscheibe» im Haus Augiessen.

Bedürfnisse klären

Und noch etwas hat sich in den letzten fünf Jahren verändert: Während man früher bestrebt war, Seniorinnen und Senioren möglichst lange zu Hause zu betreuen, heisst es jetzt nicht mehr «ambulant vor stationär», sondern «ambulant und stationär». «Ältere Menschen, die zu Hause sozial isoliert sind, wären in einer Gemeinschaft manchmal besser aufgehoben», sagt Doris Schlegel. Sie kennt den Druck, der auf pflegenden Angehörigen lastet, und steht für Standortabklärungen mit allen Beteiligten zur Verfügung. Am Runden Tisch bringt sie die Bedürfnisse beider Seiten zur Sprache. «Manchmal hilft es, wenn eine aussenstehende Person sagt, dass auch Angehörige ihre Grenzen haben.» Diese befänden sich häufig in einem Zwiespalt und wüssten nicht, was sie abgeben dürfen und was nicht. Doris Schlegel prüft das Umfeld und sucht Unterstützungsmöglichkeiten, aber sie ergreift für niemanden Partei – und auch Entscheidungen trifft sie keine. «Das Schönste ist, wenn die Beteiligten nach dem Gespräch merken, was sie brauchen und wo ihre Bedürfnisse liegen.»

Hausbesuche möglich

Vor fünf Jahren war die kostenlose Dienstleistung der Gemeinde Widnau noch bei den Alterswohnungen Trattwies stationiert und gänzlich unbekannt. Inzwischen hat Doris Schlegel etwa die Hälfte der rund 300 Personen über 80, die in Widnau leben, kontaktiert. Die anderen über 80-Jährigen haben dieser Tage einen Brief und einen unverbindlichen Fragebogen über Gesundheitszustand und Befinden erhalten. Auf Wunsch besucht sie die Senioren zu Hause oder empfängt sie im Haus Augiessen. «Die älteren Menschen sind der Gemeinde sehr wichtig», fasst Doris Schlegel ihren Auftrag zusammen. (pd)

Kontakt: Drehscheibe, Doris Schlegel, Zentrum Augiessen, Augiessenstrasse 19, 9443 Widnau. Telefon 071 726 38 65 doris.schlegel@widnau.ch