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Seherin warnt vor Messerstecher

«Man wird Sie in den Rücken stechen»: Eine Wahrsagerin verbreitet in Briefen Angst, um Geld für ihre Dienste zu kassieren. Die Polizei kann nichts tun.
Malolo Kessler
«Ich hörten Ihren Schrei der Not»: So beginnt der sechsseitige Brief. (Bild: Coralie Wenger)

«Ich hörten Ihren Schrei der Not»: So beginnt der sechsseitige Brief. (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. Ernst und eindringlich schaut sie vom Schwarz/Weiss-Foto auf dem Brief. Die «grosse, universelle Wahrsagerin des Jahrhunderts», die vorgibt, alle Probleme in 24 Stunden lösen zu können. Verlockend formuliert sind ihre Versprechungen vom grossen Geld und grossen Glück. Und ihre Prophezeiungen, die Warnungen der «Madame Soleil», die sind unheimlich. «Achtung vor dem 25. Februar», schreibt sie in einem Brief, den eine St. Gallerin im Briefkasten hatte. Und dann, orange unterstrichen: «Man wird Sie in den Rücken stechen!» Die Frau solle das Haus an diesem Tag nach 20 Uhr nicht mehr verlassen.

Später wird relativiert, nicht mehr orange unterstrichen: Das mit dem Messer sei nur ein Bild. «Man spricht hinter Ihrem Rücken, man sendet negative Wellen aus, die Sie drangsalieren.» Für ihre Dienste als Beschützerin verlangt sie am Ende des Briefes schliesslich «einen bescheidenen Beitrag von 50 Franken».

Die St. Gallerin, die den Brief erhalten hat, bezeichnet das Vorgehen der Frau als «Riesenschweinerei». So dreist sei sie noch nie angeschrieben worden. Und die 59-Jährige hat Erfahrung mit dubiosen Briefen: In den vergangenen anderthalb Jahren ist sie von der gesamten Wahrsager-Gilde eingedeckt worden, gegen 200 Briefe waren es bislang. Von «Maria Duval» etwa, die wasserstoffblond und etwas gequält lächelnd 200 000 Franken und die richtigen Lottozahlen versprach. Aber nur, wenn man dafür 85 Franken in einen «medialen Briefumschlag» legt. Oder von «Berthold von Graatz» vom «Kreis der zwölf führenden Hellseher und Medien». Woher sie ihre Adresse haben, ist der St. Gallerin schleierhaft: «Ich kann mich nicht erinnern, jemals an einem unseriösen Ort meine Adresse hinterlassen zu haben.» Anfangs habe sie die Briefe weggeworfen. Dann zurückgeschickt, auch einmal mit einem bösen Begleitbrief. Ohne Erfolg. Im Internet habe sie von vielen gelesen, die auf die Prophezeiungen hereingefallen seien.

Die Hellseherin schreibt – glaubt man dem Rückantwortcouvert – von Holland aus. Es ist an ein Postfach in der Stadt Heerlen adressiert. Und sie tut es nicht zum ersten Mal: Bereits vor zwei Jahren kursierten ähnliche Briefe in der Schweiz. «Madame Soleil» zu belangen, scheint aussichtslos.

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