Seelsorgerin wechselt von Rebstein nach St.Gallen: «Manchmal fühlte ich fehl am Platz»

Fünf Jahre wirkte Ramona Casanova-Baumgartner in der Pfarrei Rebstein. Ihre Erfahrungen sind nicht nur gut.

Monika von der Linden
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Ramona Casanova-Baumgartner verlässt die Pfarrei Rebstein. Die einzige Frau im Pastoralteam fühlte sich fehl am Platz.

Ramona Casanova-Baumgartner verlässt die Pfarrei Rebstein. Die einzige Frau im Pastoralteam fühlte sich fehl am Platz.

Bild: vdl

Im Juli verlässt Ramona Casanova-Baumgartner die Seelsorgeeinheit Altstätten. Die Pfarreibeauftragte von Rebstein wechselt in die Seelsorgeeinheit St.Gallen. Ihren Schwerpunkt legt sie auf die Seelsorge in der Dompfarrei. Ramona Casanova-Baumgartner hat ihr erstes Anstellungsverhältnis nach dem Studium gekündigt.

Verlässt eine öffentliche Person ihre Position, heisst es oft, sie ginge mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie haben gekündigt. Überwiegt bei Ihnen die Freude zu gehen?

Ramona Casanova: Im Dorf gefällt es mir gut. Mit jedem Jahr habe ich mehr Menschen kennen gelernt. Ich bin Teil der Gemeinschaft. Es tut mir weh, sie zu verlassen. Trotzdem bin ich froh, bald gehen zu können.

Da steckt wohl mehr dahinter als der Wunsch nach Veränderung?

Als ich als Berufsneuling hier anfing, nahmen mich die Menschen wohlwollend auf. Diese Haltung spüre ich bis heute. Im Pastoralteam war es anfangs auch sehr gut. Nachdem die Pastoralassistenten Sibylle Spichiger, Michael Kontzen und Klaus Heither gegangen waren, wur-de es immer schwieriger und arbeitsintensiver für mich. Mir fehlten Gleichgesinnte und manchmal fühlte ich mich einfach fehl am Platz.

Die Stelle von Sibylle Spichiger ist seit fast zwei Jahren nicht besetzt. Seither sind Sie die einzige Frau im Pastoralteam. Sind Sie deshalb fehl am Platz?

Manchmal frage ich mich, ob ich als Mann mehr geschätzt würde. Wenn man für Frauenthemen in der Kirche einsteht, wird man schnell als Feministin abgestempelt.

Die katholische Kirche weiht keine Frauen und keine Verheirateten. Möchten sie gern geweiht werden?

Nein! Ich bin den Menschen am nächsten, wenn ich so lebe wie sie. Ich bin verheiratet.

Wäre Ihnen wohler in Ihrer Rolle, dürften sie zum Beispiel die Eucharistie feiern oder Brautleute trauen?

Ich möchte in erster Linie ernst genommen werden. Ich frage mich, warum bin ich nicht gut genug für das, was man als das Wichtigste in der katholischen Kirche bezeichnet. Für alles andere bin ich es schon.

Sie bleiben Pastoralassistentin. Der Beruf ist Ihnen also nicht verleidet?

Ich habe Spass an meiner Arbeit und möchte sie bis zur Pensionierung tun. Ich übe meinen Traumberuf aus. Er muss es sein, damit ich die Kirche mit Begeisterung mitgestalten kann. Ich stehe nicht zu hundert Prozent hinter allem, kann aber nur von innen erreichen, dass die Kirche auch neue Wege beschreitet. Es ist nur wenig, was ich zu leisten vermag. Es ist aber viel mehr, als wendete ich mich von der Kirche ab.

Was muss in der Kirche geschehen, damit Sie langfristig in ihr wirken mögen?

Sie müsste demokratischer werden und das Machtgefälle sich abschwächen. St.Gallen ist für mich das richtige Bistum. Unser System, in dem ein Pastoralteam alle Pfarreien einer Seelsorgeeinheit betreut, kann sehr gut funktionieren. Es klappt aber nicht in jeder Konstellation.

Wo setzten Sie in Ihrer Arbeit mit den Menschen in Rebstein Schwerpunkte?

Die Ökumene ist ein Schwerpunkt. Pfarrer Renato Tolfo und ich haben sie im Dorf voran- gebracht. Die Menschen hier schätzen dies sehr. Hier leben viele Familien mit katholischen und reformierten Familienmitgliedern.

Sind Sie in diesem Punkt zufrieden mit der offiziellen Haltung der katholischen Kirche?

Am Reformationsjubiläum vor zwei Jahren haben Bischof Markus Büchel und Kirchenratspräsident Martin Schmidt hier in Rebstein gesagt, Konfessionen sollten alles Mögliche zusammen angehen. Der Wille ist also da. Wird es aber konkret, muss man Kompromisse suchen. Das bedeutet aber auch, dass sich jeder mit der jeweils anderen Konfession auseinandersetzt. Nur so kann das Verständnis füreinander wachsen.

Welche Bedeutung geben Sie der kirchlichen Kinder- und Familienarbeit?

Leider reduzieren Viele die Pfarreiarbeit auf den Gottesdienstbesuch. An Anlässen wie einem Kindernachmittag, dem Weg zur Erstkommunion oder der Sternsingeraktion tut es mir gut, zu sehen, wie sehr der Glaube bei Kindern eine Rolle spielt. Ich erachte es als Privileg, das zu erleben. Es kommt nicht darauf an, das Glaubensbekenntnis auswendig aufsagen zu können. Es trifft mich sehr, wenn jemand dann sagt, wo sind die jungen Menschen nach der Erstkommunion oder der Firmung.