«Schweizer Qualität verpflichtet»

Die Bernecker Firma Oertli Instrumente AG wurde gestern mit dem Preis der Rheintaler Wirtschaft ausgezeichnet. Geschäftsführer Christoph Bosshard und sein Bruder Thomas Bosshard, Leiter Marketing und Verkauf, fühlen sich bestätigt – und wollen sich nicht zurücklehnen.

Remo Zollinger
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Thomas (links) und Christoph Bosshard: «Wir investieren in Produkte und Innovationen, um auch in dieser Situation wachsen zu können.» (Bild: Remo Zollinger)

Thomas (links) und Christoph Bosshard: «Wir investieren in Produkte und Innovationen, um auch in dieser Situation wachsen zu können.» (Bild: Remo Zollinger)

Den wievielten Preis haben Sie gerade erhalten?

Christoph Bosshard: Den zweiten bedeutenden. Einmal haben wir einen Preis für ein Design gewonnen, ausserdem einige Urkunden – wirklich bedeutend war bisher der Ostschweizer Unternehmerpreis, den wir 2010 erhalten haben.

Was bedeutet Ihnen der Preis der Rheintaler Wirtschaft?

Christoph Bosshard: Er ist eine Anerkennung für die Firma und ihre Menschen. Ich denke, wir sind auch für unser Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz belohnt worden, wobei wir nicht aus Patriotismus hier tätig sind, sondern weil wir hier Vorteile haben, die Mitbewerber nicht haben.

Thomas Bosshard: Wobei schon patriotische Gefühle aufkommen, wenn wir unsere Schweizer Produkte auf dem internationalen Markt etablieren.

Christoph Bosshard: Dennoch wäre es falsch, aus diesem Grund unbedingt an einem Standort festzuhalten. Die Leitung hat die Aufgabe, das Unternehmen heute und morgen im internationalen Markt konkurrenzfähig zu halten, davon hängt alles ab.

Schweizer Qualität ist ein Schlagwort mit internationaler Reichweite. Profitieren Sie davon?

Thomas Bosshard: Man kann es auch umkehren: Schweizer Qualität verpflichtet. Wir sind Botschafter eines Produktes, einer Philosophie, einer Herkunft. Dass Schweizer Qualität geschätzt wird, spüren wir – aber wir müssen sie auch liefern.

Welche Vorteile, die Mitbewerber nicht haben, bietet die Verankerung im St. Galler Rheintal?

Christoph Bosshard: Wir haben Zugang zu gut qualifizierten Arbeitskräften und erstklassigen Lieferanten direkt vor unserer Haustür. Zudem schätzen wir die Zusammenarbeit mit den Behörden. Die steuerlichen Rahmenbedingungen stimmen, das Steueramt hat grundsätzlich dieselben Interessen wie wir, dass sich Unternehmen wie Oertli auf lange Sicht gesund und erfolgreich entwickeln können. Das ist ein deutlicher Unterschied zum benachbarten Ausland, weshalb es sehr wichtig ist, diese Standortvorteile weiter zu stärken.

Trotz Ihres Erfolges verzichten Sie auf Ihrer Homepage auf Superlative. Bewusst?

Thomas Bosshard: Wir verfolgen unsere Strategie konsequent. Dafür brauchen wir keine Superlative. Wir wollen uns auf dem Markt so positionieren, dass wir als die bessere Alternative zu den grösseren multinationalen Konzernen angesehen werden.

Christoph Bosshard: Neben diesen sind wir ein kleiner Player, aber sie sind unser Benchmark; an ihnen messen wir uns und wir möchten besser sein als sie. Das ist unser Anspruch.

Täuscht der Eindruck, dass ein Markt mit wenigen Mitspielern auch wenig dynamisch ist?

Thomas Bosshard: Ja. Drei Treiber beschleunigen den Markt: Die wachsende Zunahme an alten Menschen, der bessere Zugang zu Medizin – gerade in Schwellenländern – sowie der technologische Fortschritt, der es erlaubt, neue Operationen durchzuführen. Zudem mischen Investoren mit viel billigem Geld den Markt auf. Wir bewegen uns nicht in einem «Safe Haven»; sind täglich gefordert, um bessere Produkte zu entwickeln und mehr Marktanteile zu generieren.

Christoph Bosshard: Wir sind nicht auf einem Nischen-, sondern auf einem Massenmarkt tätig. Der Preisdruck ist enorm und es gibt immer mehr Firmen, die hinein drängen. An den internationalen Messen kann man sehen, wie geklotzt wird – einige Stände erinnern an den Genfer Autosalon.

Welche Herausforderungen kommen auf Ihre Branche zu?

Christoph Bosshard: Der Markt bleibt attraktiv, da die Fallzahlen weltweit steigen. Die grössten Herausforderungen sind sinkende Preise und die zunehmende Regulierungsdichte. Gerade die wachsende administrative Belastung bereitet uns Sorgen. Sie ist teuer und führt dazu, dass wir uns zu sehr mit uns selbst statt mit den Kunden beschäftigen. Zudem besteht das Risiko der Substitution: Wenn einer Augentropfen erfindet, die trübe Linsen klar machen, braucht man einige Geräte nicht mehr.

Die Schweizer Exportwirtschaft ächzt unter dem starken Franken. Wie sehr spüren Sie dies als Unternehmen mit 85% Exportanteil?

Christoph Bosshard: Primär darin, dass der Ertrag wegschmilzt. Wir sind jedoch ein gesundes Unternehmen und nicht von heute auf morgen existenziell bedroht. Wir sind aber gezwungen, Innovationen auf den Markt zu bringen, die unsere Preise rechtfertigen. Ausserdem müssen wir die Kosten senken, indem wir die Produktivität steigern und das Unternehmen so schlank wie möglich halten.

Wie federn Sie die Auswirkungen des starken Frankens ab?

Christoph Bosshard: Wir gewährten Preisnachlässe. Gleichzeitig versuchten wir, die schmelzende Marge über Mengensteigerungen zu kompensieren.

Thomas Bosshard: Wir wollen weiter wachsen. Deshalb ist die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative ein Knieschuss, der uns den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert. Wir wissen nicht, wie sich die Bilateralen Verträge weiterentwickeln. Langfristig fordert uns dies mehr als der starke Franken.

Wie rekrutieren Sie Fachkräfte?

Christoph Bosshard: Wertvoll ist für uns das NTB Buchs, dessen Studienabgänger für uns sehr attraktiv sind. Es sind Menschen aus dem Rheintal, die hier eine Arbeitsstelle suchen und sie bei uns finden. Einige Mitarbeiter zogen hierher oder pendeln, dazu haben wir Arbeitskräfte aus Vorarlberg und Süddeutschland. Für die Stärkung des Standortes Rheintal ist es wichtig, dass die Grenzen offen sind.

Sind auch Sie vom Fachkräftemangel betroffen?

Christoph Bosshard: Wir sind gefordert, doch es gelingt uns meist gut, eine Stelle mit der idealen Arbeitskraft zu besetzen. Wir müssen in unserer Einstellungspolitik aber freie Hand haben: Ob jemand den Job gut macht, hängt nicht von Alter, Geschlecht oder Nationalität ab.

Wir befinden uns direkt an der Grenze zum Ausland. Ist es nicht verlockend, einen Teil der Firma auszulagern?

Christoph Bosshard: Nein, denn wir haben den Vorteil, alles unter einem Dach zu haben. Die Entscheidungswege sind kurz und wenn etwas nicht läuft, hat man die Leute rasch am Tisch. Es geschieht alles im gleichen Haus, was die Arbeit erleichtert. Die einzige Herausforderung ist die geplante bauliche Erweiterung, wenn sie sich am heutigen Standort nicht auf die betrieblichen Bedürfnisse zugeschnitten realisieren lässt.