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Schweizer Medaillenlosigkeit beenden

Am kommenden Samstag bestreitet der 28-jährige Marc Bischofberger in Solitude (USA) seine dritten Weltmeisterschaften. Der Oberegger löste das Ticket im letzten Moment. Er zählt nicht zu den Topfavoriten, aber zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter.
Yves Solenthaler
Letzten Frühling besuchte Marc Bischofberger mit seiner Olympia-Medaille die Primarschule an seinem Wohnort Marbach. Die Schülerinnen und Schüler würden sich bestimmt darüber freuen, ihn ein Jahr später mit einer WM-Medaille zu sehen. (Bild: Archiv/Andrea Kobler)

Letzten Frühling besuchte Marc Bischofberger mit seiner Olympia-Medaille die Primarschule an seinem Wohnort Marbach. Die Schülerinnen und Schüler würden sich bestimmt darüber freuen, ihn ein Jahr später mit einer WM-Medaille zu sehen. (Bild: Archiv/Andrea Kobler)

Die Selektion für die Weltmeisterschaften ist dem Schweizer Trainerteam um Ralph Pfäffli nicht leicht gemacht worden: Drei Athleten gewannen je ein Weltcuprennen und ein Dritter, der Walliser Romain Détraz, fuhr als Dritter in Schweden aufs Podest.

Und im sechsten und letz­- ten Rennen vor der WM stellte der Gesamtweltcupsieger von 2017/18, Marc Bischofberger, mit der Finalqualifikation in Kanada seine gute Form unter Beweis. Für Détraz bitter: Er muss Alex Fiva, Jonas Lenherr, Joos Berry und Bischofberger den Vortritt lassen – an der WM dürfen nur vier Schweizer starten.

Der Oberegger ist in Form, und das macht ihn zumindest zum gefährlichen Aussenseiter. Denn er ist fahrerisch einer der Besten im Feld, und er hat in Topform ein unnachahmliches Gefühl für die richtige Linie. Das deutete Bischofberger in Kanada im Halbfinal an, als er mit einem unglaublichen Manöver niemand Geringeren als Jean-Frédéric Chapuis besiegte.

Weil Marc Bischofberger in diesem Winter aber vier Rennen Anlauf brauchte, ist er im Weltcup nur an 13. Stelle gelistet, inzwischen jedoch immerhin als viertbester Schweizer. Aber als ein Fahrer, der in diesem Winter nicht aufs Podest gefahren ist, gehört Bischofberger nicht zu den Topfavoriten.

Schon zweimal nahm der Innerrhoder an Weltmeisterschaften teil. 2015 am Kreischberg kurz nach dem ersten Weltcupsieg und 2017 in der Sierra Nevada mit schon etwas grösseren Ambitionen. Nach Hause kam er mit den Plätzen 16 und 10, also jeweils der Viertelfinalqualifikation.

Im sandigen Schnee der Sierra Nevada war Bischofberger zwar der beste Schweizer, aber das verstärkte die Enttäuschung eher, als dass es sie minderte. Denn die Schweizer Männer stehen an Weltmeisterschaften unter einem besonderen Druck: Im Weltcup vergeht kaum ein Rennwochenende ohne Schweizer Podestplatz, an Welttitelkämpfen gewannen die Helvetier bei sieben Gelegenheiten noch nie eine Medaille.

Der 33-jährige Alex Fiva gehört seit 2012 praktisch in jedem Jahr zu den Top 5 des Weltcups (einmal Gesamtsieger, dreimal Dritter), an vier Weltmeisterschaften war der Bündner aber nie besser als im elften Rang klassiert. Fiva ist auch diesmal mit einem Sieg und drei Top-5-Plätzen in fünf Rennen der grösste Schweizer Trumpf. Er hat vorige Woche das Rennen in Kanada ausgelassen, weil kurz zuvor seine erste Tochter geboren wurde. Vielleicht freundet sich der Schweizer Teamleader als Vater endlich mit Titelkämpfen an.

Der 29-jährige Gamser Jonas Lenherr ist gemeinsam mit Bischofberger ins Schweizer Weltcupteam aufgestiegen. Ebenfalls wie der Oberegger hat er schon drei Rennen auf höchster Stufe gewonnen. Er will aber manchmal zu viel und scheitert dann mit Brechstangenfahrten. An seiner ersten WM vor zwei Jahren resultierte für Lenherr der 18. Platz. Er siegte beim Saisonstart in Arosa und erreichte zuletzt nach Verletzungspause zwei Top-10-Plätze.

Der unerfahrenste des Schweizer Quartetts ist Joos Berry. Er ist zwar ein halbes Jahr älter als Bischofberger, aber der Prättigauer hat den Durchbruch erst in dieser Saison mit dem Sieg in Innichen geschafft. Danach kam er aber nicht mehr auf zählbare Resultate, der letzte Lauf in Blue Mountain missglückte Berry gar vollends.

WM-Titelverteidiger ist der Schwede Victor Oehling Norberg, ein wuchtiger Fahrer, der immer für einen Spitzenplatz gut ist. Aber das Favoritenfeld öffnet sich bei Weltmeisterschaften oft: Vor zwei Jahren gewann Jamie Prebble die Silbermedaille. Der Neuseeländer ist bisher bei 57 Weltcup-Starts erst zweimal in die Top 8 und noch nie auf ein Podest gefahren.

Die Saison seines Lebens fährt Bastien Midol. Der 28-jährige Franzose führt den Gesamtweltcup klar an, er erreichte in sechs Rennen fünfmal den Final, den ersten französischen Saisonsieg musste er aber seinem älteren Bruder Jonathan überlassen. Ein weiteres Rennen gewann sein Landsmann Jean-Frédéric Chapuis. Der Olympiasieger von 2014, Weltmeister von 2013 und Dreifach-Gesamtweltcupsieger gehört in jedem Rennen zu den Topfavoriten.

Der aktuelle Olympiasieger, Brady Leman aus Kanada, ist der sechste bisherige Saisonsieger. Er gewann vor einer Woche sein Heimrennen. Ganz stark präsentieren sich in diesem Winter auch die Österreicher – vor allem der junge Daniel Traxler, aber auch Johannes Rohrweck oder Johannes Aujesky haben einige starke Klassierungen im Saison-Palmarès.

Bischofberger erreichte sein Topergebnis erst im letzten Rennen. Er ist nach seiner Kreuzbandverletzung Ende letzter Saison rechtzeitig in Form gekommen. «An einer WM zählt nur die Medaille», sagt er. Das gilt vor allem auch fürs Schweizer Männerteam. Am Samstag (ab 21 Uhr MEZ) müssen sie liefern.

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