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Schwärme von Misteldrosseln unterwegs

RHEINTAL. Ungewöhnlich starke Schwärme von Misteldrosseln bevölkern derzeit das Rheintal. Sie ernten die Mistelbeeren und tragen zudem zur Verbreitung der Futterpflanze bei.
Die Drosseln pflücken Mistelbeeren und verbreiten die Futterpflanzen. (Bild: gg)

Die Drosseln pflücken Mistelbeeren und verbreiten die Futterpflanzen. (Bild: gg)

Besonders in den Weichholzauen am Alten Rhein und im Rheindelta machen derzeit laut keckernde Vogelschwärme auf sich aufmerksam. Es sind Misteldrosseln, die aber wegen des ähnlichen Aussehens gerne mit Singdrosseln oder Wacholderdrosseln verwechselt werden. Die Misteldrossel, deutlich grösser als die schwarze Amsel, ist die grösste in Europa vorkommende Drosselart und normalerweise ein Kurzzieher, viele verbringen den Winter auch in Südwesteuroa. Gefährdet ist die Art nicht. Die Vogelwarte Sempach schätzt die Population der Misteldrosseln in der Schweiz auf bis zu 100 000 Paare.

Dass die Misteldrosseln heuer vielfach im Rheintal bleiben, ist vor allem auf die reichhaltigen Mistelbestände zurückzuführen, die selbst bei Schnee und tiefen Temperaturen eine Lebensgrundlage für die Vogelart bilden. Während die an der Brustseite braun gefleckten Vögel im Sommer vor allem am Boden Nahrung suchen, können sie jetzt auf die weissen Beeren der Misteln zurückgreifen, die reichlich vorhanden sind. Die Mistel, eine Halbschmarotzerpflanze, hat sich in den letzten Jahrzehnten im Rheintal explosionsartig ausgebreitet, grosse Baumbestände sind übersät mit den kugeligen Pflanzen, die neben Weiden auch Birken und Apfelbäume befallen und nur auf Buchen nicht zu finden sind. Die Natur hat auf weise Art für die Verbreitung der Mistel und damit die winterliche Nahrungsgrundlage der Vogelart gesorgt. Die Drosseln fressen die Beeren der immergrünen Pflanze, deren Fruchtfleisch auch den Stoff Viscin enthält. Dieses bewirkt durch seine Glitschigkeit nicht nur einen schnellen Durchlauf des Verdauungstraktes der Misteldrossel, sondern ist auch sehr klebrig. Dies bewirkt, dass die in zähen Schnüren von den Vögeln unverdaut ausgeschiedenen Samen an den Wirtsbäumen hängen bleiben, wo sie neue Keime entwickeln. Die Misteldrosseln ernten und pflanzen also in einem «Arbeitsgang».

Lange Kulturgeschichte

Die Mistel, namengebende Pflanze der Drosselart, kann auf eine weit zurückreichende Kulturgeschichte verweisen, die vor allem dem grünen Wachstum auch im Winter zuzuschreiben sein dürfte. Die alten Römer sagten noch sinngemäss, die Drossel trage selbst zu ihrem Untergang bei, weil sich aus den Beeren Vogelleim gewinnen liess, mit dem die Vögel für die Bratpfanne gefangen wurden. Die Mythologie nannte die Misteln Hexenfüsse, Donnerbesen oder Druidenfüsse, wobei die Druiden die als heilig geltenden Misteln angeblich nur mit goldenen Sicheln von den Bäumen schnitten. Als krebshemmendes Mittel konnte die Mistel zwar vor der modernen Wissenschaft nicht bestehen – aber wer weiss tatsächlich um die Wirkung? Miraculix braucht jedenfalls bis heute jede Menge Misteln, um seinen gewaltige Kräfte verleihenden Zaubertrank zu brauen. (gg)

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