Schüler schlüpfen gern in andere Rollen

Drei Klassen aus dem Rheintal entwickeln für die fünften Schultheatertage Ostschweiz eigene Bühnenstücke zum Thema «Raum». Die besten Ideen entstanden beim Improvisieren. Aufgeführt werden die Stücke am 14. und 15. März im Alten Kino Mels.

Benjamin Schmid
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Die Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse von Marina Kalinic aus Montlingen dachten sich eine Geschichte aus, die in Las Vegas spielt. Im März führen sie ihr selbstentwickeltes Theaterstück anderen 20 Klassen vor, die ebenfalls beim Kooperationsprojekt von Theater Bilitz, Theater St. Gallen und Pädagogischer Hochschule St. Gallen mitwirken.

Aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell führen Schulklassen vom dritten bis zum neunten Schuljahr Komödien, Tragödien, Schwänke und Possen zum Thema «Raum» auf.

«Es macht mir viel Spass, mich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen», sagt Jus-tin Mattle. Die grössten Schwierigkeiten hat der Elfjährige damit, seine Stimme zu verstellen und beim Schauspielen nicht zu lachen. Carina Marczynski freut sich auf die Vorführung auf der grossen Bühne. «Spontan zu schauspielern gefällt mir besser als Texte auswendig zu lernen.»

Der Fantasie der Jugendlichen entsprungen

Während die Schüler in Montlingen schon letztes Jahr Ideen suchten, entschied sich die erste Realklasse von Claudia Ehrenzeller von der Oberstufe Mittelrheintal erst kurz vor Ablauf der Anmeldefrist für die Teilnahme. «Zuerst erstellten wir eine Liste von Wörtern mit ‹Raum›, wie Weltraum, Zwischenraum, Klassenraum oder Warteraum», sagt Spetim Serifi aus Berneck. Die Entscheidung fiel auf den Warteraum beim Arzt. Unter dem Titel «Wie lang goht’s no?» entwickelten die Schüler Geschichten von Personen, die alle im Wartezimmer des Arztes zusammenlaufen. Von der Jugendlichen, die sich in den Arzt verliebt, über den Strassenmusiker, der seine heisere Stimme behandeln lässt, zum Teenager, der von zu viel Fernsehen viereckige Augen bekommen hat. Sowohl die Charaktere wie die Geschichten entsprangen der Fantasie der Schüler. «Beim Improvisieren kommen den Schülern laufend neue Ideen», sagt die Klassenlehrerin.

Noëlle Egger aus Berneck scheint ihren Traumberuf entdeckt zu haben: «Ich liebe es, mich in verschiedene Charaktere zu versetzen und vielseitige Rollen zu spielen.» Obwohl sie etwas nervös sein werden, freuen sich Spetim und Noëlle auf die Aufführung vor Publikum.

Alle ziehen an einem Strick

Seit Anfang Jahr stehen den Schülern der fünften Klasse von Peter Riedener aus Widnau fünf bis sechs Wochenlektionen zum Improvisieren, Proben und Schauspielen zur Verfügung. Wegen der guten Umsetzbarkeit der Ideen entschied sich die Klasse für ein Theaterstück über das Leben am Bahnhof. Ein Jugendlicher Bahnhoffreak trifft per Zufall einen Kollegen und führt ihn über das Areal. Dabei treffen sie verschiedene Personen und Gruppen: Erwartete Verwandte haben Verspätung, eine Familie ist zu einem Fest unterwegs, ein paar Jungs gehen ins Training und Musiker geben ein Konzert.

«Am Bahnhof ist immer viel los, darüber kann man gut Theater machen», sagt Kiara Bushati, «ich habe grossen Spass dabei und freue mich auf den Auftritt im März.» Lenny Rüdisser geniesst jede Sekunde auf der Bühne: «Mir gefällt alles beim Schauspiel. Nur lange Wartezeiten nerven mich, da ich schnellstmöglich wieder auf die Bühne möchte.»

Lehrer Peter Riedener ist zufrieden mit der Entwicklung des Theaters. «Alle ziehen an einem Strick», sagt er und ergänzt: «Einzig an den Übergängen zwischen den einzelnen Szenen müssen wir noch feilen.»