Schule ist besser als erträumt

ST.MARGRETHEN. Die Schulgemeinde St. Margrethen hat ihre Selbstevaluation abgeschlossen. Die Analyse war auf sechs Jahre angelegt. Das Ergebnis ist insgesamt besser als erwartet. In der Frühförderung braucht es aber längerfristige Anstrengungen.

Monika von der Linden
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Schulratspräsident Roger Trösch ist stolz auf das Ergebnis: «Die Aufgaben wurden wie eine Perlenschnur abgearbeitet.»

Schulratspräsident Roger Trösch ist stolz auf das Ergebnis: «Die Aufgaben wurden wie eine Perlenschnur abgearbeitet.»

Sechs Jahre sind vergangen, seitdem der Schulrat St. Margrethen ein Projekt zur Selbstevaluation lancierte. Ziel war, für die pädagogische Ausrichtung aller Stufen, eine langfristige Strategie zu erarbeiten. Am Donnerstag trafen sich rund 70 Lehrkräfte, Schulratspräsident Roger Trösch und Projektleiterin Eva Graf Poznicek, um das Ergebnis öffentlich zu reflektieren und intern zu diskutieren. Im 2006 habe die Schule die Zeichen der Zeit erkannt und ein Projekt mit Pioniercharakter aufgegleist, sagte Roger Trösch. Eine Evaluation der Schule zu erarbeiten, heisse, eine Bestandsaufnahme zu machen, gewonnene Daten zu analysieren und diese auszuwerten.

Überforderung vorbeugen

Auslöser für das Projekt SEst (Schulentwicklung strategisch) war seinerzeit ein Leidensdruck für Eva Graf. Wie sie sagte, habe sie zu Beginn ihrer Aufgabe als Schulleiterin Befürchtungen vor einer Überforderung gehabt. An die Schule werden Erwartungen von von aussen und innen gerichtet, sei es von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, oder von Eltern, Schülern und Lehrkräften. Graf wollte nicht unkoordiniert von einer Baustelle zur anderen springen, sondern eine strategische Ausrichtung erarbeiten.

Entwicklungsfelder definiert

In der Analyse wurden sieben Felder für die Evaluation definiert. Das Image der Schule zu reflektieren, wurde nicht weiter verfolgt. Kommunikation und Beziehung betreffen die ganze Schule. Austausch, Zusammenarbeit, Verständigung und Informationsfluss unter allen Beteiligten wurden deshalb verbessert – bei sozialen und kulturellen Unterschieden sowie der Berufswahlvorbereitung. Kantonale Vorgaben machten die Einführung einer Tagesstruktur – mit Mittagstisch und Blockzeiten – erforderlich. Diese fünf Felder zeigen ein besseres Ergebnis, als sie erträumt hatten, fasste Graf zusammen.

Lediglich bei der Frühförderung habe man das Ziel nicht erreicht, aber markante Fortschritte erzielt. Frühförderung müsse ausserschulisch organisiert werden. Da sie nicht auf Strukturen und Regeln der Schule basiere, brauche Frühförderung mehr Zeit, sagte Graf. Sie seien bei der Frühförderung von Vorschul- und Kindergartenkindern und der Integration von Eltern auf dem richtigen Weg.

Olympiamedaille im Staffellauf

Die Haltung des Schulrates habe Graf als unterstützend empfunden, weil dieser sich engagierte und investierte. Den ambitiösen Prozess setzte die Schule aus eigenem Antrieb in Gang, sagte Trösch. Auch wurden Eltern, Schüler und Lehrpersonen mit einbezogen und beteiligten sich. Diese Zusammenarbeit und der Erfolg machen ihn stolz, denn das langfristige Projekt verlangte vieles von allen Beteiligten ab.

Den Prozess verglich Trösch mit einem Staffellauf. In der Halbzeit habe er den Stab von seinem Vorgänger Andreas Scherrer übernommen. Dem neuen Schulrat sei es gelungen, die Aufgabe fertig zu führen und die Schule St. Margrethen habe wohl eine Olympiamedaille im Staffellauf verdient. Die Frage, ob sie ein Edelmetall verdient hätten, beantwortete Oberstufenlehrer Ignaz Hobi mit einem Schmunzeln und selbstbewusst: «Auf dem Podest.» Als Oberstufenlehrer habe er normalerweise nicht so vielfältige Einblicke in die Schule, sagte er. Er habe mit Befriedigung festgestellt, dass vieles richtig gemacht und die Schularbeit von Schülern und Eltern geschätzt werde. Auch sei ihm bewusst geworden, dass es Verbesserungsfelder gebe.

Mit der Präsentation des Projektes sei der Prozess nicht abgeschlossen, sagte Trösch. Eine vom Schulrat eingesetzte Qualitätskommission werde kontrollieren, ob Fristen und Prioritäten eingehalten werden. Graf habe das Gefühl einer drohenden Überforderung seit sechs Jahren nicht mehr. Die Schulgemeinde plane gestaffelt und strategisch. Dies gebe ihr Orientierung, schloss sie.

Oberstufenlehrer Ignaz Hobi stellt mit Befriedigung fest: «Wir machen vieles richtig, auch wenn es Verbesserungsfelder gibt.»

Oberstufenlehrer Ignaz Hobi stellt mit Befriedigung fest: «Wir machen vieles richtig, auch wenn es Verbesserungsfelder gibt.»

Für Projektleiterin Eva Graf Poznicek ist das Ergebnis wie ein Blumenstrauss: «Die Frühförderung braucht permanent Futter.» (Bilder: Monika von der Linden)

Für Projektleiterin Eva Graf Poznicek ist das Ergebnis wie ein Blumenstrauss: «Die Frühförderung braucht permanent Futter.» (Bilder: Monika von der Linden)