Schreckgespenst oder bald Wirklichkeit: Immobilienblase

Experten aus der Immobilien- und Finanzwelt sehen heute Parallelen zu den Vorboten der Immobilienblase aus dem Jahr 1989.

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Jonny Hutter, eidg. dipl. Immobilientreuhänder, Diepoldsau, und Präsident des Verbandes der Immobilienwirtschaft Ostschweiz. (Bild: pd)

Jonny Hutter, eidg. dipl. Immobilientreuhänder, Diepoldsau, und Präsident des Verbandes der Immobilienwirtschaft Ostschweiz. (Bild: pd)

Experten aus der Immobilien- und Finanzwelt sehen heute Parallelen zu den Vorboten der Immobilienblase aus dem Jahr 1989. So warnen sowohl die Schweizerische Nationalbank als auch die Finanzmarktaufsicht Finma in ihren jüngsten Berichten vor Überhitzungstendenzen und halten die Banken an, ihre Vergabekriterien auf dem Hypothekenmarkt einzuhalten. Müssen wir uns im Rheintal vor einer neuerlichen Immobilienblase sorgen?

Entstehen einer Spirale

Um diese Frage beantworten zu können, muss zuerst der Begriff definiert werden. Von einer Blase spricht man, wenn starke Preissteigerungen erwartet und dadurch die Preise in untragbare Höhen getrieben werden. In dieser Konstellation kaufen immer mehr Personen Immobilien als Geldanlage, weil sie befürchten, dass sie bei längerem Zuwarten vom Markt verdrängt werden könnten.

So entsteht eine Spirale – angetrieben von erhöhter Nachfrage nach Immobilien und steigenden Preisen, bis die Immobilienpreise real zu hoch sind.

Zurzeit starke Preissteigerungen

Die Preise fallen, die Besitzer verlieren Geld: Die Blase ist geplatzt, der Kater der Anleger gross. Zurzeit sind starke Preissteigerungen festzustellen. So werden im Grossraum Zürich sehr hohe Preise für Mehrfamilienhäuser bezahlt.

Die Preissteigerungen werden mit fehlenden Anlagealternativen und dem Inflationsschutz durch Immobilienbesitz gerechtfertigt. Viele Marktteilnehmer betrachten das anhaltend tiefe Zinsniveau als nachhaltig und budgetieren mit den heutigen Ansätzen. Dies ist sehr gefährlich.

Rheintal stabil

Wir erachten den Rheintaler Immobilienmarkt als stabil. Es sind keine überrissenen Preisentwicklungen festzustellen. Bei uns stehen Angebot und Nachfrage nach wie vor in einem gesunden Verhältnis.

Hohe Zuwanderung

Ein Grund für diese Tatsache ist, dass sich die Zuwanderung auf einem beachtlich hohen Niveau befindet. Die Rheintaler Gemeinden haben an Attraktivität dazugewonnen und präsentieren sich als beliebte Wohn- und Arbeits-Standorte. Auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zeigt erfreuliche Tendenzen.

Schuld sollte unter Wert sein

Dennoch gilt es, die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt weiter zu verfolgen.

Trotz der attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten sind Investitionen hinsichtlich Belehnungshöhe und Finanzierungsinstrument genau zu prüfen. Denn im Zuge von überregionalen Preiskorrekturen wäre auch das Rheintal vor sinkenden Preisen nicht geschützt. In einem solchen Falle ist es wichtig, dass die Schulden den Wert der Immobilie nicht übersteigen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beurteilung des Immobilienmarktes eine hohe Aufmerksamkeit verlangt. Von einer Immobilienblase wie vor 20 Jahren kann aber keine Rede sein.

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