«Schöner könnten wir's nicht haben»

Doris Welte hat ein Flair für alte Häuser. Für ihr eigenes, das sie vor zwei Jahrzehnten gekauft hat, interessiert sich jetzt sogar die Schweizerische Bauernhausforschung.

Gert Bruderer
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Doris und Wilhelm Welte haben von Anfang an mit der Denkmalpflege zusammengearbeitet.

Doris und Wilhelm Welte haben von Anfang an mit der Denkmalpflege zusammengearbeitet.

RÜTHI. Wer durch Rüthi fährt, dem springt eine Häuserreihe sofort ins Auge. Fassaden aus Holz, mit einem Blumenschmuck, wie man ihn selten sieht. In der Mitte, Staatsstrasse 61, leben Doris und Wilhelm Welte. Es ist das einzige Gebäude mit Originalfassade. Obschon umfassend renoviert, hat Doris Weltes rund 250-jähriges Häuschen nichts von seinem Charme verloren.

Haus wird in Buch beschrieben

Wenn im Winter oder Frühjahr das Buch «Die Bauernhäuser des Kantons St. Gallen» erscheint, Band 35 der Reihe «Die Bauernhäuser der Schweiz», wird Doris Weltes Haus beschrieben sein. 10 000 Zeichen sind vorgesehen, dazu Pläne und Fotos.

Besonderheiten sind die gestrickte Wand im Treppenhaus, der alte Herd, der immer noch verwendet wird, die Einbauschränke in Esszimmer und Stube, der Kachelofen, mit dem Weltes das Haus heizen.

In diesem Haus wurde der letzte Rüthner Sarg in Handarbeit hergestellt. Die Initialen des Handwerkers, J. R. für Johann Ruppanner, sind vor dem Haus in die Trittplatte gemeisselt. Hinter dem Gebäude, in der steilen Wiese, steht ein Bienenhaus, das für Geräte genutzt wird, im Anbau des Hauses befinden sich eine Werkstatt, die Scheune und zwei kleine ehemalige Ställe, je einer für Kühe und Schweine. Bevor Doris Welte das Haus erwarb, wandte sie sich an die Denkmalpflege. Sie selbst wollte so viel wie möglich erhalten und fachgerecht renovieren, aber auch angenehm wohnen können.

«Beim Innenausbau hatten wir weitgehend freie Hand», sagt sie. Allerdings sollten möglichst alle Wände fortbestehen, auch der Kassettentäfer in der Stube war – durchaus im Sinne Doris Weltes – zu erhalten. Eine von zwei beantragten Dachgauben durfte gebaut werden (anstelle der zweiten Gaube wurde ein Dachfenster bewilligt), und den Fortbestand des Plumpsklos hat natürlich niemand angeordnet.

Immer in alten Häusern

Doris Welte – Oberturnerin und Interimspräsidentin des früheren Altstätter Damenturnvereins, als sie noch Riedmann hiess – hat schon immer in alten Häusern gelebt. Sie wuchs in Lindau auf und verbrachte zwei Jahrzehnte im Altstätter Unterkirlen-Quartier. Die pensionierte Personalfachfrau sagt: «Ein altes Haus hat einen eigenen Charakter, man kann es schön schmücken, es lässt sich viel Liebe hineinstecken.» Dekorieren könne man nach Lust und Laune. Wilhelm Welte sagt: «Man muss bei Holz auch nicht herumstudieren, ob man einen Nagel einschlägt.» Kommt Besuch, kommt immer auch ein Kompliment: «Schön heimelig habt ihr es hier.»

Viele Vorteile, aber nicht nur

Klar, gibt es auch Nachteile. Ein Bijou einzurichten, ist naturgemäss mit gewissen Einschränkungen verbunden. Das liegt an Unveränderbarem wie dem Täfer oder den zwei Einbauschränken, aber auch an den niederen Türrahmen, die den früheren Speditionskaufmann Wilhelm Welte permanent zur Vorsicht mahnen. Er muss lachen, sagt, auch ihm gefalle es in diesem Haus, «das kann man daran sehen, dass ich hier bin».

Stieglitz ist treuer Gast

Auch im Freien haben es die Weltes sehr gemütlich. Vor dem Haus steht eine Sitzbank, hinten haben sie die steile Wiese leicht zurückgedrängt und einen schönen Sitzplatz eingerichtet. In dem extensiv begrünten Bord sind Stieglitz, Rotschwänzchen und Meise treue Besucher, auch ein Specht hat seine Klopfzeichen schon durchs kleine Paradies hallen lassen. Überhaupt, die Weltes lieben die Natur. Sie wandern gern und sammeln Pilze, fahren leidenschaftlich Ski und haben einen Wohnwagen auf dem Campingplatz.

Modell vom Haus

Und falls sie je daran erinnert werden müssten, wie schön sie es haben, bräuchten sie nur ihr oberstes Stockwerk aufzusuchen und hier das Modell zu betrachten, das Diana Häsler, eine Tochter Doris Weltes, zusammen mit ihrem Mann Markus gebaut hat. Dieses Häuschen ist genau dasjenige, das Doris Welte und ihr Mann bewohnen und das ihnen jederzeit schon auf den ersten Blick bestätigt: «Schöner könnten wir es gar nicht haben.»

Das 250-jährige Haus wird in einem Buch vorgestellt, dass im Winter oder Frühling erscheinen soll. (Bilder: Gert Bruderer)

Das 250-jährige Haus wird in einem Buch vorgestellt, dass im Winter oder Frühling erscheinen soll. (Bilder: Gert Bruderer)

Der alte Ofen ist noch da.

Der alte Ofen ist noch da.

Das Bienenhaus dient als Schuppen.

Das Bienenhaus dient als Schuppen.

Das Haus besteht auch als Modell.

Das Haus besteht auch als Modell.