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Schön, gut und relativ – Ansichten über Heimat

Ein paar Betrachtungen aus christlicher Sicht.
Carsten Wolfers, Diakon in Balgach
Blickt man oberhalb von Marbach über das Rheintal, breitet sich ein Heimatgefühl aus. (Bild: Monika von der Linden)

Blickt man oberhalb von Marbach über das Rheintal, breitet sich ein Heimatgefühl aus. (Bild: Monika von der Linden)

Seit geraumer Zeit erfreut sich das Hashtag grosser Beliebtheit. Ein Hashtag ist ein Doppelkreuz, das im Internet zur Markierung genutzt wird. Bilder, Texte und Videos im Internet werden so mit Stich- und Schlagwörtern versehen, damit man schneller findet, wonach man sucht. In letzter Zeit finde ich häufiger den Hinweis, ich würde viele Bilder und Texte anschauen mit dem #Heimat. Wenn ich dann nachschaue, was für Bilder unter dem Stichwort «Heimat» zu finden sind, dann handelt es sich meist um Berge, Seen, Blumen und Landschaften. Manche Ortschaften erkenne ich sogar wieder. Heimat wäre also zunächst Natur. Das ist zu wenig. Immerhin bekomme ich schöne und wiedererkennbare Natur zu sehen.

Der Fernsehsender TV Rheintal beschreibt sein Ziel so: «TV Rheintal hat sich zur Aufgabe gemacht, die Eigenarten der Bewohner und die landschaftlichen Schönheiten sowie die gesellschaftlichen und kulturellen Besonderheiten des Rheintals einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.»

Dort ist Heimat also schon nicht mehr nur Natur, sondern es geht auch um die Menschen. Als Menschen entwickeln wir Brauchtum und Kultur, das uns mit unseren Orten als Heimat verbindet. Dabei geht es auch darum, sich wie in einem Spiegel selbst zu sehen, und wie andere einen sehen. Das sind bereits Fragen um Identität im Spiel zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung.

Heimat wäre also Natur und Menschen in ihrer kulturellen Identität, vorwiegend schön und positiv. Viele Reden, die zum 1. August gehalten werden, sprechen gerade in dieser Weise von Heimat. Mit gesundem Selbstbewusstsein blickt man auf das, was schön und gut im Land und in der Gesellschaft ist. Dort kommt noch die Geschichte des Landes hinzu, denn diese ist eben doch recht wichtig, will man sehen, wie wir geworden sind und was uns heute Stabilität und Sicherheit gibt. Eine Studie hat vor drei Jahren die Reden zum Nationalfeiertag untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass es ja gerade darum geht, das Positive an Land und Leuten zu betonen, und negative Zwischentöne wurden dort weniger goutiert. Viele Zitate gehen über Hashtags, Fernsehen und Festreden hinaus. Zahlreiche Sinnsprüche greifen das Ursprüngliche auf: die starken Wurzeln eben, die nur die Heimat gibt. Der Wert der Heimat wird von Dichtern und Denkern mit wunderbaren Gedanken und Bildern umschrieben. Hinzu gehört dort die Erfahrung, dass Menschen meist auf Reisen erst recht sehen, wie gross die Sehnsucht zurück, wie wichtig bleibt, was man hinter sich gelassen hat, sowohl das Gute, als auch das Schlechte.

So sprechen viele Zitate auch an, wie relativ Heimat ist: Es ist nicht alles gut und schön, und es muss auch nicht alles gut und schön sein, um meine Heimat zu sein. Auch andere Länder und andere Leute schaffen das. Solche Erfahrungen schaffen ein gesundes, realistisches, kritisches Verhältnis zur eigenen Heimat. Wenn in den Religionen betont wird, dass unsere Heimat letztlich im Himmel ist, dann wird damit ebenso deutlich, dass Heimat auf dieser Erde etwas Relatives bleibt. Wir leben eben nicht ewig in diesem Leben, sondern erwarten später einmal noch etwas Besseres und Schöneres bei Gott. So schön die Natur und die Menschen auch sind, so gut die Kultur und die Geschichte sich entwickelt haben, sie müssen nicht perfekt und absolut sein, um eben die eigene Heimat zu sein. Darum ist Heimat schön, gut und – relativ.

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