Schnellschüsse nicht erwünscht

Die Gemeinde Balgach lud gestern Abend zu einem interessanten Informationsabend ein. Zwei Gastreferenten sprachen zu den Themen Naturgefahrenkarte und Massnahmen gegen Unwetter und Hochwasser.

Max Pflüger
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BALGACH. Nach den vielen Unwetter- und Hochwasserschäden der vergangenen zehn Jahre im ganzen Rheintal interessierte das Thema. Dies belegte nicht ein zahlenmässig überwältigender Grossaufmarsch der Balgacher, wohl aber die engagierte Diskussion im Anschluss an die Fachreferate am Informationsabend der Gemeinde.

Zum Thema «Naturgefahren» begrüsste Gemeindepräsidentin Silvia Troxler den Leiter Naturgefahren und Stauanlagen im Tiefbauamt des Kantons St. Gallen Hubert Meusburger, sowie Ingenieur Marcel Spielmann der Firma Bart AG, die im Auftrag der Gemeinde Balgach ein Massnahmenkonzept zum Hochwasserschutz erarbeitet.

Gefahren werden klassifiziert

Einleitend zeigte Hubert Meusburger leicht verständlich und fassbar auf, wie die Situation in einer Gemeinde erhoben wird: Auf mehreren Karten werden deren spezifische Gefahren erfasst und klassifiziert.

Das Ereigniskataster zum Beispiel umfasst die Geschichtsschreibung. Diese Karte zeigt, wann welche Ereignisse in welcher Stärke aufgetreten sind.

Die Intensitätskarte für Hochwasser zeigt auf, wo Hochwasser zu erwarten sind und wie hoch der Wasserspiegel mutmasslich ansteigt. Die Ereignisse werden dann 10-Jahres-Hochwassern, 30-Jahres-, oder 100-Jahres-Hochwassern zugeordnet.

Die Gefahrenkarte errechnet sich aus den Komponenten Intensität und Wahrscheinlichkeit. Gefährdete Gebiete werden rot (hohe Gefahrenstufe) blau (mittlere Gefahr) oder gelb (geringe Gefährdung) eingefärbt.

Und je nach Gefährdung resultieren daraus verschiedene Massnahmen der Behörden, von einer Empfehlung für individuelle Schutzmassnahmen bis hin zu einem generellen Bauverbot. Die Gefahrenkarte ist auch die Grundlage für die Gemeinde, eigene Massnahmen und Vorkehrungen zu treffen oder besondere Vorkehrungen für den Notfall ins Auge zu fassen.

Alles hängt zusammen

Marcel Spielmann zeigte anhand der Gefahrenkarte der Gemeinde Balgach sodann die vielfältigen Zusammenhänge auf, die Schnellschüsse und Flickwerk an einzelnen Bächen verunmöglichen. Wasser einfach weiter zu leiten, führt nur zu neuen Problemen weiter unten am Bachlauf.

Das Zurückhalten von Hochwasser in sogenannten Retentionsbecken ist eine wichtige Massnahme, die die verantwortliche Behörde immer wieder in die Überlegungen einzubeziehen hat.

Hochwasserschutz muss als Verbundaufgabe aller Beteiligten, Bund, Kanton, Gemeinde, Anwohner und Grundbesitzer sowie der Nachbargemeinden gesehen werden und es müssen ganzheitliche und nachhaltige Lösungen gesucht werden, was viel Zeit beansprucht. Hochwasserschutz ist darum ein Generationenproblem, das nicht ein einem oder in fünf Jahren wirklich gelöst werden kann.

Und dies, obwohl schnelle und einfache Lösungen eigentlich immer wieder gefragt wären, wie die engagierte Diskussion der Balgacher am Infoabend deutlich zeigte.

Das Machbare machen

Trotzdem kann jedem Einwohner empfohlen werden, das Machbare im Bereich Objektschutz bereits zeitnah zu realisieren. Am Beispiel des Spitals Heiden wurde eindrücklich gezeigt, wie viel Schaden bereits ein kleines Mäuerchen abwenden kann.

Das lohnt sich, denn das rechnet sich auch, wenn die Gemeinde Bachläufe dann einmal saniert hat. Was heute bei einem 10-Jahres-Ereignis schützt, schützt dann einmal auch vor einem 30-Jahr- oder einem 100-Jahr-Ereignis.

Und wie weiter?

Für Balgach hat der Hochwasserschutz am Wolfsbach erste Priorität. Die Gemeinde treibt die Arbeit am Massnahmenkonzept weiter und arbeitet detaillierte Projekte aus. In der Diskussion mit den Betroffenen und den Nachbargemeinden will sie die besten und nachhaltigsten Lösungen erarbeiten.

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