Schläger über Facebook suchen

Mit einem Foto hat diese Woche ein junger Mann über das Internet nach seinen Angreifern gesucht. Für die Polizei ein problematisches Vorgehen.

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ST. GALLEN. Ein junger Mann hat am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite nach Schlägern gesucht. «Wer kennt diese Jugendlichen?», schrieb er. Dem Aufruf angehängt ist ein Foto. Vier Männer hätten ihn während des EM-Finals am Sonntag «brutal zusammengeschlagen und mit Füssen getreten», selbst als er bereits am Boden lag. Der Mann hatte sich während der zweiten Halbzeit des Fussballspiels Frankreich gegen Portugal beim Public Viewing am Marktplatz in St. Gallen befunden. Dort wurde er gemäss seinem Eintrag verprügelt.

Verletzung der Persönlichkeit

Das auf Facebook veröffentlichte Foto zeigt vier junge Männer, die portugiesische Flaggen um den Hals tragen, und von denen einer auf den Fotografen zugeht. Dabei hält der Jugendliche zwar die Hand vor sein Gesicht, um sich vor der Kamera zu schützen, die Gesichter der drei anderen sind aber mehr oder weniger gut zu erkennen. «Hat sich jemand auf dem Foto erkannt, hat aber nichts mit einer Schlägerei zu tun, könnte er eine Klage wegen Persönlichkeitsverletzung einreichen», erklärt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen.

Von solchen privaten Fahndungen über Facebook hält Rezzoli wenig: «Das ist sicher der falsche Weg.» Geschädigte sollten immer direkt zur Polizei gehen und Anzeige einreichen. «Jegliche Hinweise und Beweismittel können sie direkt zu uns bringen», so Rezzoli. Die Polizei könne dann den rechtsstaatlichen Grundsätzen gemäss ermitteln.

Polizei wurde nicht alarmiert

Bis am Donnerstagmittag ist der Eintrag mit dem Bild wieder gelöscht worden. Eine Anzeige findet Rezzoli im System nicht. Der junge Mann schrieb auf Facebook, dass eine Frau die Polizei alarmieren wollte. Die Angreifer hätten gedroht, sie umzubringen, sollte sie dies tun. «Wir sind während des EM-Finals nicht zu einem solchen Vorfall gerufen worden», sagt Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Auch er empfiehlt, in solchen Fällen eine Anzeige einzureichen und nicht über Facebook selber nach den Tätern zu suchen. (lsf)