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«Schiffli-Fabrik» muss weichen

Ein Stück Stickereigeschichte der Jacob-Rohner-Ära bröckelt. Die historische Liegenschaft, wo seinerzeit gestickt und zuletzt gedruckt wurde, gehört neuen Besitzern. Sie planen, zwei neue Mehrfamilienhäuser zu bauen.
Hildegard Bickel
Vor fast 120 Jahren entstand die «Schiffli», die Schifflistickerei der Firma Jacob Rohner an der Bergstrasse. Zuletzt war «Erker-Druck» im Gebäude ansässig. Nach dem Abbruch sollen zwei neue Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen entstehen. (Bild: Max Tinner)

Vor fast 120 Jahren entstand die «Schiffli», die Schifflistickerei der Firma Jacob Rohner an der Bergstrasse. Zuletzt war «Erker-Druck» im Gebäude ansässig. Nach dem Abbruch sollen zwei neue Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen entstehen. (Bild: Max Tinner)

An der Bergstrasse verschwindet ein Zeuge der Textildynastie Jacob Rohner. Gegenüber des Schulhauses Berg haben Bagger das Gebäude der Schiffli-Fabrik abgebrochen. Der Name bezieht sich auf die Produktion, die sich während Jahrzehnten im Innern abspielte. Arbeiter bedienten Schifflistickmaschinen für die Stickereiindustrie. Eine Fotografie aus dem Jahr 1901 mit der Belegschaft zeigt, dass auch zahlreiche Kinder im Betrieb mithelfen mussten. Gebaut wurde die Fabrik Anfang der 90-Jahre im 19. Jahrhundert. In der Firmenbroschüre «100 Jahre Jacob Rohner» steht: «1893: Erweiterungsbau an die Käserei, es entsteht die Schiffli in Rebstein.»

Sie war die erste Produktionsstätte mit Schifflistickmaschi-nen. Dank der technologischen Umstellung von den Handstickmaschinen zur Schifflistickerei konnte die Produktivität verfünffacht werden. Bis 1979 gehörte die Liegenschaft der Firma Jacob Rohner, erinnert sich der ehemalige Generaldirektor Hans Kürschner. Er war am Verkauf beteiligt, als Ernst Kehl die Liegenschaft erwarb. Zuletzt war im Gebäude das Unternehmen «Erker-Druck» von Andy Kehl ansässig. Er übernahm die Liegenschaft 1986 von seinem Vater Ernst Kehl.

Mehrere Handänderungen innert kurzer Zeit

Weil sich Andy Kehl geschäftlich weiterentwickeln wollte, zügelte er seinen Betrieb in den Neubau im Industriegebiet an der Balgacherstrasse und verkaufte 2017 die Liegenschaft an der Bergstrasse. Neue Besitzerin wurde die Visiobau Architekturbüro AG, Muolen. Bereits 2018 kam es zu einer nächsten Handänderung. Die homebay AG, Frauenfeld, kaufte das Grundstück mit dem in die Jahre gekommenen Gebäude. Trotzdem nimmt die Visiobau AG weiterhin Einfluss auf die Zukunft der Liegenschaft. Visiobau ist zuständig für die Planung der zwei Mehrfamilienhäuser. Es sollen 32 Mietwohnungen entstehen mit 2½- bis 4½-Zimmern. «Wir sind bemüht, die örtliche Situation zu berücksichtigen», sagt Stefan Truog, der die Architekturabteilung leitet. «Die zwei geplanten, einzeln stehenden Häuser sind bezüglich der Stellung mit dem benachbarten Mehrfamilienhaus zu vergleichen.» Für die Gebäude ist ein niedriger Energieverbrauch im Minergie-P-Standard vorgesehen.

Eine Visitenkarte von Jacob Rohner bildete die «Schiffli» ab. (Bild: pd)

Eine Visitenkarte von Jacob Rohner bildete die «Schiffli» ab. (Bild: pd)

Zuerst Altlasten bereinigen

Bevor die Bauarbeiten beginnen können, müssen Altlasten beseitigt werden. Ein Teil des Grundstückes ist rot markiert im Kataster der belasteten Standorte auf geoportal.ch. «Das belastete Material lassen wir abtransportieren», sagt Stefan Truog. Es sei schwierig, Gründe für die Verschmutzung zu nennen und diese detailliert zurückverfolgen zu können. Doch es dürfe davon ausgegangen werden, dass die Belastung von den industriellen Tätigkeiten stamme. «Bei neuen Projekten ist es üblich, Altlasten zu bereinigen, damit das Grundstück nicht mehr im Kataster eingetragen ist und belastungsfrei geplant werden kann», sagt Stefan Truog. Die Abbrucharbeiten an der ehemaligen Schifflistickfabrik sind in den letzten Tagen rasch vorangeschritten. Gemäss Bauplanung sollen die neuen Mietwohnungen an der Bergstrasse bis 2020 bezugsbereit sein.

Hinweis: Darstellung der neuen Mehrfamilienhäuser auf rheintaler.ch.

Erinnerung von damals

Die Autorin Jolanda Spirig zitiert in ihrem Buch «Sticken und beten» eine Episode zur Schiffli-stickfabrik und ihrem Chef. Zweimal täglich besuchte Jacob Rohner den Betrieb an der Berg- strasse. Vor der Visite am Nachmittag kehrte er unterwegs beim Restaurant Rebstock ein. Dort habe er einen «Zweier» Wein bestellt und diesen halb getrunken. Den Rest habe er auf dem Rückweg zu sich genommen. (hb)

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