Schaum, Abfälle, Fäkalien

Der St. Galler Broderbrunnen schäumte kürzlich – Unbekannte hatten Spülmittel hineingeschüttet. Nicht nur deswegen müssen Brunnenmeister immer wieder aktiv werden: Einer ärgert sich speziell über badende Hunde.

Daniel Walt
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St. Galler Brunnen voller Schaum: Unbekannte leerten vor kurzem Spülmittel in den Broderbrunnen. (Bild: Sarah Gerteis)

St. Galler Brunnen voller Schaum: Unbekannte leerten vor kurzem Spülmittel in den Broderbrunnen. (Bild: Sarah Gerteis)

Mehrere Hundert Liter frisches Wasser plätschern seit gut zwei Wochen im St. Galler Broderbrunnen. Unbekannte hatten zuvor Spülmittel in den Brunnen geleert, so dass er schäumte und das Wasser ausgetauscht werden musste. «So etwas habe ich in 15 Jahren noch nie erlebt», sagt Hanspeter Speck, Ressortleiter Anlagen bei den Stadtwerken. Dass sich der Vorfall in der warmen Jahreszeit ereignet hat, erstaunt nicht: Vandalismus und Littering treten bei Brunnen speziell auf, wenn die Menschen mehr im Freien sind.

«Das ist eine Schweinerei»

Gläser, Bierflaschen, McDonald's-Verpackungen, Erbrochenes und gar Fäkalien: Es gibt fast nichts, was die Mitarbeitenden der Stadtwerke nicht schon aus Brunnen gefischt haben. Wenig Freude hat Hanspeter Speck auch an Hunden, die in Brunnen Haare hinterlassen. Und an Menschen, die zur Abkühlung ins kühle Nass steigen – was grundsätzlich kein Problem ist –, dabei aber Erde oder Gräser in die Brunnen tragen. «Bei Brunnen, in denen stets dasselbe Wasser umgewälzt wird, kann dies dazu führen, dass die Siebe verstopfen», erklärt Speck. Wenn dadurch Brunnen überlaufen, schlagen meist Passanten Alarm.

Wendelin Böni ist Brunnenmeister in Amden. Er ärgert sich über Hundehalter, die ihre Lieblinge in Brunnen baden lassen. «Eine Schweinerei – ein Brunnen ist keine Hundebadi», sagt Böni. Die Vierbeiner hinterliessen viele Haare. Zudem tränken etwa Kühe auf Weiden nicht mehr aus Brunnen, in denen ein Hund gebadet habe. Erwischt Wendelin Böni einen Hund in einem Brunnen, spricht er den Halter darauf an – «deutsch und deutlich».

«Brunnen brauchen Unterhalt»

Auch Hanspeter Koller, Betriebsleiter der Energie- und Wasserversorgung Appenzell, sieht Hunde in Brunnen nicht gerne. Generell hält er fest, dass Brunnen einen gewissen Unterhalt brauchen. «Teils holen wir Glasflaschen, Bierkartons oder PET-Flaschen aus dem Wasser.»

Schaum auch in Romanshorn

Ein schäumender Brunnen in St. Gallen? Das erinnert Joh van der Bie an einen Vorfall, der sich einmal in Romanshorn abspielte. «Auch hier leerte jemand Seifenmittel in einen Brunnen», sagt van der Bie, Geschäftsleiter des EW. Vandalismus und Littering bei Brunnen seien in Romanshorn kaum ein Thema. Ein ähnliches Echo kommt von Werner Stiefel, Leiter des Kreuzlinger Werkhofs: «Natürlich finden sich ab und an Zigarettenstummel, Papier, Dosen oder Flaschen – aber nicht im grossen Stil.» Was Vandalismus angeht, hält Stiefel fest, dass hie und da einmal Rohre abgeschlagen würden.

In Wil kam es vor Jahren zu einem speziellen Vandalismusvorfall: In den Tagen um einen 1. August herum wurde Feuerwerk in einen Brunnen geworfen. Dabei entstand Sachschaden, wie Stefan Hauser, Leiter Kommunikation bei der Stadt, festhält. Dass es selbst bei grösseren Festen nicht verstärkt zur Verunreinigung von Brunnenwasser kommt, könnte damit zu tun haben, dass die Stadt jeweils vorsorgliche Massnahmen trifft: Der Wasserfluss von Brunnen im Festareal wird abgestellt, und die Becken werden geleert.

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