Sanfter Weg zu sich selbst und zur eigenen Gesundheit

In allen Kulturen bildete der Atem seit jeher einen wichtigen Zugang nicht nur zur Heilung und Stärkung des Körpers, sondern auch für die Entwicklung von Seele und Geist.

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In allen Kulturen bildete der Atem seit jeher einen wichtigen Zugang nicht nur zur Heilung und Stärkung des Körpers, sondern auch für die Entwicklung von Seele und Geist. Rund 23 000 Atemzüge macht der Mensch jeden Tag – meist ohne dieser überlebenswichtigen Funktion gross Beachtung zu schenken. Lediglich dann, wenn man ausser Atem gerät oder wenn das Atmen krankheitshalber Mühe bereitet, merkt man, wie lebenswichtig der Atem ist. Aus chemischer Sicht ist es insbesondere der Sauerstoff, den der menschliche Organismus dringend und unablässig benötigt.

Atem als Lebensenergie

In der Vorstellung der alten Inder oder Chinesen jedoch, nimmt man mit dem Einatmen nicht nur Sauerstoff, sondern Lebensenergie auf. Die Inder nennen sie Prana und die Chinesen Chi. Bei den alten Griechen bedeutete das Wort Pneuma Atem sowie Geist und Seele zugleich; das Gleiche gilt für das altdeutsche Wort Odem.

Nicht von ungefähr kommt dem bewussten Atmen bei vielen Entspannungsmethoden grosse Bedeutung zu, über Yoga, Qi-Gong, Tai Chi, Meditation bis hin zu autogenem Training und progressiver Muskelentspannung. Das hilft, innerlich ruhig zu werden, sich zu entspannen und – mit etwas Übung – in tiefere Bewusstseinszustände zu gelangen. Wer sich regelmässig entspannt und sich dabei auf seinen Atem konzentriert, merkt schnell, wie sehr das der eigenen Gesundheit zugute kommt. Schmerzen lassen sich so lindern oder Stoffwechselvorgänge aktivieren.

Schon der bekannte Arzt und heilkundige Paracelsus betonte vor rund 500 Jahren: «Alle Heilung geht durch den Atem.» In der Neuzeit wurde die therapeutische Funktion des bewussten Atmens sowohl von bekannten Psychotherapeuten wie Carl Gustav Jung oder Wilhelm Reich erkannt und gefördert wie auch vom deutschen Arzt Johannes Ludwig Schmitt, der sich während Jahrzehnten der praktischen Anwendung der Atemwissenschaft und Atemtherapie widmete. Dies bildete das Fundament für die modernen Atemschulen und -therapien.

Das Atembewusstsein fördern

Am Beginn einer atemtherapeutischen Behandlung steht die sorgfältige Befund-Aufnahme. Gemeinsam werden die Behandlungsschritte geplant. Hierzu zählen Wahrnehmungsübungen zum Energiefluss, zum Körper- und Atemraum, zur Körperumgebung und Befindlichkeit genauso wie Dehnungsübungen, das Erzeugung von Tönen oder Atemmeditationen. Die Übungen werden in liegender, sitzender, stehender Position oder in der Bewegung ausgeführt.

Eine Atemtherapie legt grossen Wert auf die Entwicklung und Pflege des Atembewusstseins sowie der Empfindungs- und Erlebnisfähigkeit. Es geht darum, die natürlichen, häufig unbewussten Atembewegungen und -reaktionen wiederzufinden – mit dem Ziel, nicht nur Atem- und andere gesundheitliche Beschwerden zu lindern, sondern darüber hinaus auch das individuelle körperliche, geistige und seelische Wachstumspotenzial zu fördern. Dies befähigt die Klientinnen und Klienten, den Alltag mit seinen vielfältigen Herausforderungen und Belastungen leichter und gelassener zu bewältigen.

Hans-Peter Studer, NVS / Vahar.ch

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