Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Rusalka, Nymphen und ein fetter Frosch

Ich will ja jetzt hier nicht behaupten, dass in unserem grossen Teich solche Wesen gegenwärtig sind. Auch habe ich nie welche gesehen, leider. Leider muss ich sagen, weil wer Gemälde von solchen Wassergeistern des 19.
Urs Stieger

Ich will ja jetzt hier nicht behaupten, dass in unserem grossen Teich solche Wesen gegenwärtig sind. Auch habe ich nie welche gesehen, leider. Leider muss ich sagen, weil wer Gemälde von solchen Wassergeistern des 19. Jahrhunderts betrachtet, nicht abgeneigt wäre, solchen Wesen im heimischen Teich zu begegnen. Zumindest aus sicherer Entfernung auf dem Sitzplatz. Dieser fast fotografische Realismus dieser Malerei, die sämtliche (Männer-)Träume des prüden vorletzten Jahrhunderts einfach mythologisch frisiert darstellt, habe ich nie als Kitsch betrachtet. Schon die handwerkliche Qualität vieler Maler dieser Zeit ist erstaunlich. So einer Rusalka an einem lauen Sommerabend «Grüezi» zu sagen …

Aber vielleicht verstehen die gar kein Schweizerdeutsch und ich muss mich mit einem fetten König abgeben. Den sehe ich täglich. Vor ein paar Jahren war er ein kleines Fröschli, der von irgendwoher in den Teich gefunden hat. Jetzt ist er gross, fett und im Sommer ohne Konkurrenz, weil keine anderen Seefrösche im Teich leben.

Im Teich wachsen aber Nymphaea, Seerosen. Die wuchern stark, man muss sie immer wieder zurückschneiden. Sie helfen aber, das Wasser zu beschatten, dabei erwärmt sich der Teich nicht so und Algen sind kein Problem. Dazu kommen zwei verschiedene Unterwasserpflanzen: Wasserpest und Hornkraut. Von der kanadischen Wasserpest, der Name ist Programm, gibt es in Europa nur weibliche Pflanzen. Durch leichtes Brechen vermehrt sie sich aber sehr stark. Vor hundert Jahren befürchtete man, dass ganz Europa nicht mehr schiffbar sein würde wegen der grossen Bestände. Mittlerweile ist sie stark zurückgegangen. Elodea canadensi ist aber ein grosser Sauerstofflieferant. Jedes Jahr putze ich den Weiher zwei- bis dreimal heraus und kompostiere fast einen Kubikmeter Wasserpest. Jetzt wächst sie nicht mehr stark, was mir nicht ungelegen ist. Das hat möglicherweise mit der anderen Unterwasserpflanze zu tun, die fast auf der ganzen Welt lebt, dem rauen Hornblatt. Diese schwimmenden «Tänneli» haben keine Wurzeln, die im Grund festsitzen. Auch sie sind ein Sauerstofflieferant und scheiden Stoffe aus, die die Wasserpest schädigen. So habe ich dieses Jahr das erste Mal mehr Hornblatt als Wasserpest herausgefischt. Damit entziehe ich dem Weiher sehr viele Nährstoffe. Er hat klares Wasser, keine Algen und ist das ganze Jahr attraktiv.

Mein Rezept nach 35 Jahren Teichpflege: Regenwasser, Trinkwasser höchstens als Ergänzung, ein Drittel der Oberfläche mit Seerosen beschatten, ein Drittel Unterwasserpflanzen. Viel Biomasse jährlich entfernen, keine Fische. (Frosch und Fisch gehen selten.) Sauberes Wasser, nette Umgebung: Die Einladung für Rusalka und Co. besteht.

Das Buch «Hädöpfl und Mäzeschtärn», Kolumnen aus dem «Rheintaler» und der «Rheintalischen Volkszeitung», ist im blabla-verlag.ch erschienen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.