RÜTHI: Straub will Ammann sein

In Rüthi haben SVP und FDP einen eigenen Kandidaten fürs Rüthner Gemeindepräsidium gefunden: Es ist Markus Straub, der bis vor kurzem Kantonsratspräsident war. Er tritt damit bei den Wahlen im Herbst gegen Philipp Scheuble an.

Max Tinner
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Die Präsidenten des Wahlausschusses, Urs Loser (FDP, links) und Peter Eggenberger (SVP, rechts), präsentieren Markus Straub als ihren Kandidaten für das Amt des Rüthner Gemeindepräsidenten. (Bild: pd)

Die Präsidenten des Wahlausschusses, Urs Loser (FDP, links) und Peter Eggenberger (SVP, rechts), präsentieren Markus Straub als ihren Kandidaten für das Amt des Rüthner Gemeindepräsidenten. (Bild: pd)

RÜTHI. Markus Straub sass im Kantonsrat neben Thomas Ammann. Zwischen den beiden verlief der Graben zwischen SVP und CVP. Obwohl sie politisch zuweilen grundsätzlich unterschiedlicher Ansicht waren, verstanden sich die beiden auf zwischenmenschlicher Ebene gut. Dies führte letztlich gar dazu, dass Ammann Straub ein Grundstück in Rüthi vermittelte und sich Straub hier ein neues Heim baute. Mittlerweile wohnen Markus Straub und seine Frau Catinella seit drei Jahren hier. Nun möchte Straub Ammanns Nachfolge als Rüthner Gemeindepräsident antreten.

Die Ausgangslage ist speziell. Die Rüthner Ortsparteien wollten nämlich zunächst mit einem gemeinsamen Wahlausschuss nach einem Nachfolger suchen. Doch dann preschte die CVP im Februar vor und präsentierte Gemeinderatsschreiber Philipp Scheuble als Kandidaten. SVP und FDP reagierten verschnupft und bekräftigten, weiter suchen und zu gegebener Zeit einen eigenen Kandidaten präsentieren zu wollen. Diesen haben sie nun in Markus Straub gefunden.

Im Mai noch abgewinkt

Dem Ostschweizer Unternehmermagazin «Leader» gegenüber sagte Straub zwar noch im Mai, eine Kandidatur fürs Rüthner Gemeindepräsidium sei für ihn kein Thema, allenfalls würde er aber auf eine Anfrage hin für die Wahl in den Gemeinderat oder in die Geschäftsprüfungskommission antreten. Dies hat der Wahlausschuss offenbar als Aufforderung zur Weiterbearbeitung verstanden.

Er habe sich die Gemeindepräsidenten-Kandidatur nach der Anfrage des Wahlausschusses reiflich überlegt, sagt Markus Straub auf Nachfrage. Er kenne Rüthi mittlerweile recht gut und würde seine Wahlheimat gerne von seiner langjährigen politischen Erfahrung profitieren lassen. Markus Straub gehörte von 1997 bis 2001 dem Grossen Gemeinderat der Stadt St. Gallen an, dem heutigen Stadtparlament. Ab dem Jahr 2000 sass er für die SVP im Kantonsrat. Von 2001 bis 2009 war er Präsident der SVP-Fraktion im Rat. Von 2009 bis 2015 präsidierte er die Finanzkommission. Und zuletzt war er Kantonsratspräsident.

In Altstätten gescheitert

Straub hat aber auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn ein Exekutivamt reizen würde. Er trat zweimal zu Regierungsratswahlen an (2000 und 2004), beide Male erfolglos. Keinen Erfolg hatte er auch 2006, als er bereits einmal im Rheintal kandidierte, nämlich als es darum ging, einen Nachfolger für Altstättens Stadtpräsident Josef Signer zu wählen. Nach einem ernüchternden Resultat im ersten Wahlgang zog er sich zurück, ebenso wie der CVP-Kandidat Gallus Rieger. Der FDPler Daniel Bühler wurde danach in stiller Wahl zum Stadtpräsidenten.

Für zwei Amtsperioden

Markus Straub wird im August 57 Jahre alt. Er stünde damit den Rüthnern für zwei Amtsperioden als Gemeindepräsident zur Verfügung. Für Straub ist diese Zeit bis zum Erreichen des Pensionsalters keineswegs zu knapp: «In acht Jahren kann man viel erreichen», meint er, «in einer Gemeinde noch wesentlich mehr als auf kantonaler Ebene.»

Beruflich war Markus Straub zehn Jahre selbständiger Unternehmer in der Holz- und Küchenbau-Branche. Seit dem Jahr 2000 leitet er in St. Gallen die Immobilienabteilung der Schweizerischen Ärzte-Krankenkasse. Ob er bei einer Wahl dem heutigen Arbeitgeber in einem Teilzeitpensum weiterhin zur Verfügung stünde oder ob er wie Thomas Ammann nebst dem Gemeindepräsidium die Bauverwaltung der Gemeinde übernähme, lässt Straub vorderhand offen. Mit seinem beruflichen Hintergrund wäre beides möglich, sagt er, letztlich hänge es aber auch davon ab, wie Rüthis Verwaltungsstruktur nach dem Wechsel zur Einheitsgemeinde aussehen wird.

Ein Vereinsmensch

Anders als vor acht Jahren in Altstätten, wird Markus Straub in Rüthi zugute kommen, dass er hier kein Unbekannter mehr ist. In Blasmusikkreisen kennt man ihn als nach wie vor aktives (Ehren-)Mitglied der Polizeimusik St. Gallen, die er auch fünf Jahre präsidiert hatte. Seit 2009 ist er Präsident der Knabenmusik der Stadt St. Gallen. Letztes Jahr ernannte ihn der St. Galler Blasmusikverband, in dessen Vorstand er für das Ressort Jugend verantwortlich war, zum Ehrenmitglied. Und in seiner Wahlheimat Rüthi macht sich Markus Straub auch für den Fussball stark, nämlich als Präsident des Supporterclubs 96 des FC Rüthi, wie der SVP-FDP-Wahlausschuss festhält.

Herausforderung angenommen

Ein Unbekannter ist freilich auch sein Gegenkandidat Philipp Scheuble nicht. Als Gemeinderatsschreiber hat dieser am Freitagmorgen die Unterschriftenbogen für Straubs Wahlvorschlag sogar selbst entgegengenommen. Dass ein weiterer Kandidat aufgestellt würde, sei zu erwarten gewesen, sagt er. Und Straubs Name sei in den letzten Wochen auch da und dort herumgeboten worden. Überrascht hat ihn dessen Nomination deshalb nicht. Auf seine eigene Kandidatur werde diese allerdings keinen Einfluss haben: «Ich stelle mich der Herausforderung», bekräftigt Philipp Scheuble.