RÜTHI: Im Bau- und Babyboom

Das Dorf am Hirschensprung scheint bei jungen Familien extrem beliebt zu sein. Das wirft die Schulplanung immer wieder über den Haufen. Seit kurzem steht fest: Ab Sommer brauchts eine vierte Kindergartenklasse.

Max Tinner
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Die neue Generation am Rednerpult: Jürg Bäuerle (links) war bislang Schulratsvizepräsident, nun ist er Schulpräsident von Rüthi. Philipp Scheuble war bis Ende 2016 Gemeinderatsschreiber; jetzt ist er Rüthis Gemeindepräsident. (Bilder: Max Tinner)

Die neue Generation am Rednerpult: Jürg Bäuerle (links) war bislang Schulratsvizepräsident, nun ist er Schulpräsident von Rüthi. Philipp Scheuble war bis Ende 2016 Gemeinderatsschreiber; jetzt ist er Rüthis Gemeindepräsident. (Bilder: Max Tinner)

Max Tinner

Jürg Bäuerle geht gern und oft mit seinem Hund durch Rüthi spazieren – und wundert sich dabei immer wieder über den Bauboom. «Läck, händ s’ scho wider än Block ufgschtellt», habe er sich erst kürzlich wieder gesagt. Was sich in der Regel noch nicht sagen lässt, wenn ein Mehrfamilienhaus gebaut wird, ist, wer künftig darin wohnen wird. Andernorts wirkt sich der Bauboom kaum auf die Schülerzahl aus. Das Dorf am Hirschensprung ist aber offenbar grad für junge Familien besonders attraktiv.

Das hat in den letzten Jahren schon den Schulrat um Präsident Hermann Wild mehrmals gezwungen, die Schulplanung zu revidieren. Seit dem Jahreswechsel gibts die Schulgemeinde und den Schulrat nicht mehr; die Schule ist in die politische Gemeinde integriert worden. Jürg Bäuerle, der nun als Schulpräsident und Gemeinderat die Bildungskommission leitet, steht aber noch immer vor derselben Herausforderung wie sein Vorgänger.

100 Kinder mehr als vor zehn Jahren erwartet

2008 ist der Schulrat für die nächsten Jahre von rund 150 Schülern ausgegangen. 2010 wurde die Zahl nach oben korrigiert und 2015 erneut. Vor zwei Jahren rechnete der Schulrat mit gut 200 Schülern in den nächsten Jahren. Die neuste Grafik, die Jürg Bäuerle gestern an der Vorversammlung im Werkhofsaal präsentierte, zeigt eine erneute Korrektur mit starkem Ausschlag nach oben. Schon bald dürfte Rüthi bei 250 Schülern liegen. Bereits diesen Sommer wird eine vierte Kindergartenklasse nötig, kündigte Bäuerle an. Das wisse man erst wenige Wochen und sei im Budget noch nicht berücksichtigt; der Gemeinderat werde über einen Nachtragskredit befinden müssen.

Wie hoch dieser ausfallen wird, steht noch nicht fest. Weil der Mehraufwand aber nicht das ganze Jahr betrifft, sondern nur die Zeit ab Mitte August, dürfte er sich auf einige 10000 Franken beschränken.

Auch die Politische Gemeinde reagiert auf den Babyboom. Zusammen mit Oberriet habe man für ein gemeinsames Spielraumkonzept die Schüler um ihre Einschätzung der aktuellen Situation gebeten und habe sie auch zu ihren Wünschen befragt, berichtete Gemeindepräsident Philipp Scheuble. Dies hat nun in Rüthi als erste Massnahmen Verbesserungen auf dem Kinderspielplatz neben der Furrer Vorhänge AG und auf den Schulanlagen zur Folge.

Dem Gemeinderat liegt aber nicht nur die Jugend, sondern auch das Alter am Herzen. Denn auch die über 60-Jährigen sind nach ihren Bedürfnissen und Wünschen befragt worden. Diese Umfrage sei noch in Auswertung. Rasch umsetzbare Massnahmen sollen aber zügig eingeleitet werden, verspricht Philipp Scheuble.

Der Bau- und Babyboom hat zwar steigende Kosten für die Schule zur Folge, wirkt sich aber andererseits offenbar auch günstig auf die Steuerkraft aus. Diese liegt erstmals über 2000 Franken – was allerdings immer noch unter dem kantonalen Durchschnitt ist. Die finanzielle Situation erlaubt aber eine Senkung des Steuerfusses. Der Gemeinderat beantragt der Bürgerversammlung, ihn von 139% um 4% auf 135% zu reduzieren.

Mit mehr Steuereinnahmen rechnet auch die Katholische Kirchgemeinde, wie Kirchenverwaltungsratspräsident Ralf Kollefrath in seinen Ausführungen zum Budget darlegte. Die Kirchbürger halten ihre Versammlung am Sonntag, 26. März, um ca. 11 Uhr (nach dem Gottesdienst) in der Pfarrkirche St. Valentin ab.

Die Bürgerversammlung der Politischen Gemeinde findet am Freitag, 24. März, um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Bündt statt. Nebst über Rechnung und Budget wird auch über die fast zwei Millionen Franken teure Renovierung des Rathauses abgestimmt. Separat abgestimmt wird über zusätzliche 55000 Franken für eine Fotovoltaikanlage auf dem Rathausdach.