RÜTHI: Groppe gut, alles gut

Vergangene Woche haben Vertreter des kantonalen Amtes für Fischerei und freiwillige Helfer des Fischereivereins Rüthi im renaturierten Bereich des Binnenkanals die Fischfauna inventarisiert.

Kurt Latzer
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Im Binnenkanal in Rüthi standen die Fische letzte Woche ganz schön unter Strom. Sie wurden mit Elektrogeräten betäubt, nach Arten sortiert, gezählt, vermessen und aufgelistet. Mit anderen Helfern stand auch Fischereiaufseher Marcel Zottele (Mitte vorn) im Wasser. (Bilder: Kurt Latzer)

Im Binnenkanal in Rüthi standen die Fische letzte Woche ganz schön unter Strom. Sie wurden mit Elektrogeräten betäubt, nach Arten sortiert, gezählt, vermessen und aufgelistet. Mit anderen Helfern stand auch Fischereiaufseher Marcel Zottele (Mitte vorn) im Wasser. (Bilder: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Fast bis zur Hüfte stehen sie mit ihren Watstiefeln und über zwei Meter langen Stangen im Wasser. Langsam, fast bedächtig, bewegen sie die fast zwei Meter langen Stangen mit den runden Netzen flussaufwärts.

Zwei Helfer tragen eine Kraxe auf dem Rücken, darauf ein Generator, der die Fanggeräte mit Strom versorgt. Sie haben Kübel bei sich, in denen sie die betäubten Fische zwischenlagern.

Indikatoren deuten auf gesundes Gewässer hin

Am Ufer des Kanals haben sie ihr «Hauptquartier» aufgeschlagen; Michael Kugler, wissenschaftlicher Mitarbeiter des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei, und Roland Riederer, Gewässer- und Fischbiologe. Sie begutachten den Fang, lassen die Fische vermessen und führen Buch.

Schon beim zweiten Abfischen fällt etwas auf. «Bis jetzt haben wir keine Regenbogen-, sondern nur Bachforellen gefangen», sagt Michael Kugler. In einem Plexiglasbehälter, gefüllt mit Wasser, ist ein eigenartiger, aber wichtiger Fisch zu sehen.

«Die Groppe ist ein guter Indikator für die Gesundheit von Bächen und Flüssen», ist auf der Internetseite des Bundesamtes für Umwelt zu lesen. Der bis zu 16 Zentimeter grosse Fisch be­nötige strukturreiche Gewässer mit sauberem, sauerstoffreichem und eher kühlem Wasser. Entspricht dies den Tatsachen, so ist der Rheintaler Binnenkanal im renaturierten Abschnitt in Rüthi sehr gesund. Denn gleich bei den ersten Abfischversuchen gingen den Fischern einige dieser am Grund lebenden Fische ins Netz.

Erfahrungen für weitere Projekte sammeln

Reto Zingg, Präsident der Schweizer Stiftung für Vogelschutzge­biete (SSVG) und Leiter des Projektes «Inventarisierung Fischfauna», sieht dem Treiben im Binnenkanal zu. «Ein paar Jahre nach Abschluss der Renaturierung haben wir bei Pflanzen und Insekten die Erfolgskontrolle durchgeführt», sagt Zingg. Was gefehlt habe, sei die Inventarisierung der Fischfauna. «Das holen wir nun mit unserem Projekt nach», sagt der SSVG-Präsident. Getragen wird das Projekt von der SSVG-Stiftung, der Abteilung Fischerei des Kantons St. Gallen und dem Zweckverband Rheintaler Binnenkanal. «Wir sind für die Unterstützung der Gemeindepräsidenten dankbar. Beim Inventarisierungsprojekt sind wir zudem auf Sponsoring angewiesen», sagt Reto Zingg.

Mit der Inventarisierung kann der Zustand des Gewässers vor und nach der Revitalisierung verglichen werden. Die gewonnenen Erfahrungen können künftig in die Planung weiterer Renaturierungsprojekte einfliessen. Die Auflistung aller im renaturierten Kanal lebenden Fische hat einen weiteren Hintergrund. Sie soll Aufschluss über die Zahl der ­bedrohten Wanderfischart Nase geben. Der Bestand der Nasen wird durch Aussetzen von Kleinfischen im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projektes gefördert. Wie sich die Zahl der Fischarten und Menge seit 2008 verändert haben und ob beim Abfischen auch Nasen zu sehen waren, wird sich im Frühjahr 2018 zeigen. Dann soll der Bericht des Teilprojektes I vorliegen.